Revolution in Irland

Als Whiskyfreund geht einem im Moment das Herz auf, wenn man nach Irland schaut. Hier passiert im Moment eine großartige Whiskey-Revolution.

travels-in-anascaul-751479

In diesem Land, welches in Bezug auf den identitätsbildenden Stoff Whiskey viele Jahrzehnte hindurch wirklich gebeutelt war, findet im Moment eine Whiskey-Revolution statt. Lange gab es auf der grünen Insel nur zwei Destillen, welche unter dem Dach der Irish Distillers Group Whiskey produzierten.
Eine Vielzahl von Marken, wie z.B. John Jameson, Paddy, Redbreast, Green Spot und John Power kamen aus der modernen Zentralbrennerei in  Midleton im County Cork im Süden der Republik Irland. Im königlich-britischen Norden im County Antrim wurde bei Old Bushmills in der 1784 gegründeten Destille Single Malt Whiskey produziert. Dies waren dann die bescheidenen Reste einer einstmals stolzen Whiskey-Industrie.
Auch in Irland gab es einmal ähnlich viele Brennereien wie in Schottland. Die Iren beanspruchen daher stolz das Recht für sich, als erste „Das Wasser des Lebens“ aus Getreide gebrannt zu haben. Mönche in Eire verstanden schon früh die Kunst des Brennens. Die Verwendung von Gerste ist aber erst für das Jahr 1556 belegt und eine erste offizielle Brenn-Lizenz stellte König James I. Im Jahre 1608 aus. Laut einem Gesetz von 1759 waren in Irland zur Herstellung von „Aqua Vitae“ neben Malz zwischenzeitlich auch Getreide und Kartoffeln erlaubt. Die Herrschenden verstanden es schon früh, mit einem Gesetz aus dem Jahre 1661 ihren Untertanen durch die Besteuerung des Whiskeys das Geld aus den Taschen zu ziehen. Von nun an wurde zwischen legalem Parlamentswhiskey und illegalem Poitin unterschieden. Die Bereitschaft der Iren, auf ihr Nationalgetränk Steuern zu bezahlen, hielt sich in überschaubaren Grenzen.
So wurde die Schwarzbrennerei zum Symbol des Aufbegehrens gegen die englische Fremdherrschaft  und zu einer Massenbewegung. 1822 wurden auf der Insel neben 20 legalen Destillen über 800 illegale Brennanlagen gezählt oder vermutet.
Mit dem Exise Act von 1823 schaffte man es in Irland und auch in Schottland die Schwarzbrennerei etwas einzudämmen. Mit der Zahlung von 10 Pfund konnte man seine Brennblase mit einem Fassungsvermögen von über 160 Litern legalisieren. Außerdem kamen die englischen Steuerbehörden, welche in Irland das Sagen hatten, auf die komfortable Idee, den Ausgangsstoff zu besteuern. Diese  Steuer auf Malz brachte dann einen wirklich irischen Whiskeytyp hervor. Denn die findigen Iren wollten Steuer sparen und ersetzten einen großen Teil der gemälzten Gerste durch ungemalzte Gerste und schufen so den unverwechselbaren Irish Pure Pott Still Whiskey.
Seine Blüte erreichte der fülligere irische Whiskey im 19. Jahrhundert. Aber mit der aufstrebenden Temperenzler-Bewegung, die gegen den „Teufel Alkohol“ zu Felde zog, zeichnete sich mit einem drastischen Kneipensterben schon ein Verfall ab. Dann verpassten die Iren auch noch eine wichtige technische Neuerung wie die Herstellung von Grain-Whiskey. Dieser wurde in Schottland mit Hilfe der vom Iren Aeneas Coffey erfundenen Coffey Stills billig hergestellt. Der einfache Grain wurde mit einem Schuss Malt aromatisiert  und aufgehübscht. Und konnte nun als einladender Tropfen billig in alle Welt verkauft werden. Als die irischen Brenner aus ihrem Schlaf erwachten und auch auf Grain-Whiskey setzten, hatten die schottischen Verwandten  schon viele wichtige Märkte erobert. Dann verloren die irischen Brenner, nach der Trennung vom Vereinigten Königreich, auch noch viele Kunden in Grossbritannien und seinen Kolonien. Der Todesstoß für die irische Whiskeyindustrie war dann aber die Prohibition in den USA. Danach führte der Whiskey von der Grünen Insel nur noch ein Dasein im Schatten der Vettern aus Schottland.

pub-2058083

1966 waren nur noch vier Brennereien aktiv. In diesem Jahr schlossen sich dann Jameson, Powers und die Cork Distillers zur Irish Distillers Group (IDG) zusammen, um zu retten was noch zu retten war. 1970 schloss sich dann die einzige verbliebende Nordirische Destille Od Bushmills der Gruppe an. IDG errichtete dann im Jahre 1975 in Midleton eine Zentralbrennerei für die Republik Irland, in der dann alle Marken erzeugt wurden. Alle anderen Brennereien wurden stillgelegt oder wurden zu Museen.
Pernod Ricard erwarb 1987 die IDG und hatte scheinbar das Thema Irish Whiskey fest in der Hand. Ein Lichtblick war dann aber im gleichen Jahr die Gründung der Cooley Distillery in Riverstown an der Grenze zu Nordirland durch John Telling. Der Betrieb war zuvor eine staatliche Kartoffelschnapsbrennerei. Dies war für den irischen Whiskey ein wahrer Segen, denn Telling mischte mit seinem Freund Willie McCarter nun die irische Whiskeyindustrie auf und haucht ihr mit diesem Projekt neues Leben ein.
Bis zum Verkauf im Dezember 2011 an Jim Beam für 95 Mio. US Dollar galt Cooley als einzige unabhängige Brennerei auf der Insel. Aber der Trend zur Gründung von unabhängigen Destillen war nun nicht mehr aufzuhalten, denn im November 2012 ging auf der Halbinsel Dingle mit der Dingle Distillery eine neue unabhängige Brennerei an den Start und leitete somit eine kleine Whiskeyrevolution ein. Der erste eigene Whiskey wurde hier am 19.12.2015 abgefüllt. Hier an der Atlantikküste werden nun mit drei kupfernen Pott Stills Single Pott Still Whiskeys und Single Malts produziert. In der Folge machte das Beispiel Schule und im Moment schießen neue Whiskeyprojekte, Abfüller und Brennereineugründungen wie Pilze aus dem Boden.
In Skibereen, der inoffiziellen Hauptstadt von West Cork, hatten sich schon im Jahre 2007 drei Freunde zusammengetan, um Whiskey abzufüllen und dann auch zu brennen. Heute bieten die West Cork Distillers ein überzeugendes Sortiment an Blends und Single Malts an. Der Betrieb ist heute die einzige Destille, welche ihr eigenes Malz in Irland herstellt und zum Whiskeybrennen verwendet. Als Berater haben sich die die Whiskeymusketiere u.a. Dr. Barry Walsh, welcher fast 30 Jahre als Master Blender für Irish Distillers tätig war, und Frank McHardy, bekannt als ehemaliger Master Distiller bei Springbank in Campeltown mit ins Boot geholt.
Im Mai 2014 ging mit Glendalough die erste Craft Distillery ans Netz. Im Norden im County Derry in der Nähe von Londondery hält The Quiet Man Craft Distillery die Fahne hoch. Das Team füllt hier besondere Fässer ab. Die Fässer dafür wurden als New Makes in einer anderen Destillerie gekauft und in Londonderry in neuen First Fill Bourbon Fässern gelagert. Aktuell startet man hier mit der eigenen Destillation.
Ein sehr spannendes Projekt im Süden Irlands im County Tipperary ist die Tipperary Boutique Distillery. Die Destillerie wird auf dem Grundstück einer Farm gebaut, die einem der Miteigentümer gehört. Die Gerste für den Whiskey wächst bereits auf den Feldern. Die Eigentümer sind Stuart Nickerson, seine Tochter Jennifer Nickerson und ihr Verlobter Liam Ahearn. Stuart Nickerson hat bereits für viele große Destillerien in Schottland gearbeitet und ist bekannt als Berater im Bereich schottischer und irischer Whiskey.
Aber auch John Telling ist wieder aktiv und hat in Fortsetzung der Familientradition eine Brennerei in Dublin eröffnet. Es gibt sicher noch viele weitere Projekte wie Dubliner, Blackwater, The Temple Bar, Barr an Uisce, Uisce Beatha Irish Whiskey oder Rademon zu nennen, die im Moment Whiskeys und Liköre abfüllen oder erstklassigen Gin und Wodka produzieren um die Zeit bis zu ihrem ersten eigenen Whiskey zu überbrücken. Viele dieser spannenden Produkte gibt es in der Weinhandlung Schollenberger. Bei unserem Tasting zum St. Patricks Day am 17. März gibt es diese zu entdecken.

Frank Schollenberger

Advertisements

Adlige Genossen – Villa Heynburg

Seit 2008 betreiben die Genossen der Kooperative „Hex von Dasenstein“ in Kappelrodeck im ehemaligen Landsitz und Weingut der Herren von Schloss Rodeck das Vorzeigeweingut Villa Heynburg. Hier entstehen, unabhängig von der Muttergenossenschaft, erstklassige badische Weine mit internationaler Ausrichtung für die Spitzengastronomie und den ambitionierten Fachhandel. Die Bemühungen um Betriebsleiter Marco Köninger und Kellermeister Alexander Spinner sind dem Gault Millau auch in seiner 2017er Ausgabe zwei Trauben wert. Auf nunmehr 9 Hektar Weinbergen wird von dem innovativen Team ein sehr interessantes Rebsortenportfolio gepflegt. Neben den, für die Ortenau typischen Riesling und Spätburgunder, kümmert man sich hier auch um Burgunder-Rebsorten wie Grauburgunder und Weißburgunder. Ein ganz besonderer Tip ist der elegante, zart vom Holz geküsste Weißburgunder mit einem spassmachenden Preis-Leistungsverhältnis. Hier muss der Weinliebhaber für diese badische Burgunderspezialität keine 10 Taler berappen.

villa-heynburg

Aber auch die internationalen Vertreter wie der weiße Chardonnay und der rote Cabernet Sauvignon gelingt dem Kollektiv in außerordentlicher Qualität. Besonders stolz ist man hier auch auf die rote Burgunderspielart St. Laurent, diese besticht hier als schmeichelhafter ausgewogener Rotwein mit Schliff. Ein prickelnder Hochgenuss in der Kollektion ist der Cremant brut aus Weißburgunder Trauben. Dieser Schaumwein hat internationales Format und bezieht hierbei seine Spannung aus der Balance zwischen jugendlicher Spritzigkeit und reifer nobler Cremigkeit. Eine Entdeckung sind auch die frischen Cuvees unter dem Namen Freistiel. Diese gibt es in rot, weiß und rosé. Die Grundlage für den Erfolg der Genossen ist absoluter Qualitätsfanatismus, der mit großer Hingabe betrieben wird. Neben erstklassigen Lagen, Handarbeit, strenger Ertragsreduzierung sind Disziplin bei der Lese im Weinberg und bei der Arbeit im Weinkeller die Garanten des Erfolges. Das Team von Marco Köninger arbeitet minimalistisch, traditionell mit Akribie und kümmert sich um jede Rebsorte ganz individuell. Nur so erzielen sie beste Ergebnisse und können ihrer Spielfreude mit Barrique und Edelstahltank freien Lauf lassen, um sich im Spannungsfeld von Tradition und Innovation erfolgreich zu bewegen.

Frank Schollenberger
Sommelier

Cuvee oder nicht Cuvee

Deutsche Weintrinker standen in der Vergangenheit Cuvees (Verschnitten) aus der Heimat  reserviert gegenüber. Das Verschneiden von Weinen hatte für viele etwas anrüchiges oder billiges. Dabei gibt es viele internationale Hochkaräter, wie zum Bespiel große Bordeauxs, die eine Komposition verschiedenster Rebsorten wie Cabernet  Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc und Petit Verdot sind. Aber auch in Übersee hat die Idee eines Bordeaux-Blends um sich gegriffen, so dass man heute Weine dieser Art  aus aller Herren Länder trinken kann. Selbst der von vielen aus der Toskana-Fraktion heiß geliebte Chianti kann ein Verschnitt sein. Neben Sangiovese, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc ist hier sogar die Verwendung von Weißweintrauben (max. 10 %) zulässig. Im Bordeaux gilt die Assemblage/Verschnitt als große Kunst des Kellermeisters, um einen Chateau-typischen Styl zu kreieren oder als probates Mittel, um Qualitäts- und Jahrgangsschwankungen auszugleichen.

weingut-rieger-lust-auf-weiss-weissweincuvee-muell

In Deutschland gab es natürlich auch in der Vergangenheit Verschnitte, wie den legendären Trollinger mit Lemberger aus dem Schwabenland. Außerhalb des alemannischen Sprachraumes fanden diese Verschnitte aber in der Vergangenheit nicht viele Freunde bei den deutschen Weintrinkern und man stand als kultivierter Freund des Deutschen Weines den Weinkompositionen doch eher skeptisch gegenüber und trank seinen Riesling oder Spätburgunder sortenrein. Dabei hat die Vermählung von guten ausgesuchten Weinen zu einem Cuvee nichts anrüchiges und man muss es nicht verbergen. Vielmehr ergibt sich hier eine Möglichkeit, wunderbares zu schaffen. Versteht es ein Kellermeister – ähnlich wie ein Dirigent – aus Solisten eine harmonische Einheit zu schaffen und die Stärken gezielt einzusetzen, so kann er auch in Deutschland spannende Cuvees kreieren. Das haben deutsche Winzer, nicht zuletzt mit interessanten modernen Markenweinen/Cuvees unter Beweis gestellt.  Auch moderne Weißwein-Cuvees aus Deutschland haben in den letzten Jahren enthusiastische Freunde unter den Weintrinkern gefunden. Es gibt also keinen Grund zur Skepsis gegenüber Cuvees aus Deutschland und das gilt für rot und für weiß.

Frank Schollenberger
Sommelier

Die Lieblinge des Reformators

Sachsen ist das östlichste Weinanbaugebiet und gehört mit seinen ca. 462 ha zu den kleinsten in Deutschland. Der Großteil der Rebfläche befindet sich im Elbtal um Dresden, Meissen und Radebeul, welches, bis zur Aberkennung 2009, den Titel UNESCO-Weltkulturerbe führen durfte. Darüberhinaus gibt es Weinbauinseln, welche sich in Jessen in Sachsen-Anhalt und in Schlieben in Brandenburg befinden. Besonders bekannt sind die Weine vom Jessener Gorrenberg in der Nachbarschaft von Lutherstadt Wittenberg. Diese Weine wusste im 16. Jahrhundert schon Reformator Martin Luther, der seine Thesen an die Kirchentür von Wittenberg nagelte, zu schätzen.

geschichte_2-kopie

In der DDR war die Region um Jessen mit seinem Kleinklima für Obstbau bekannt und versorgte die Hauptstadt auch mit Pfirsichen. Der wichtigste Erzeuger von Wein ist heute das Weingut Hanke, welches 1994 mit seiner Gründung die alte Weinbautradition fortsetzte. Seit Generationen Obstbauern, bewirtschaftet die Familie heute 15 Hektar Weinberge. Die Brüder kultivieren auf dem legendären Jessener Gorrenberg 6 weiße und 5 rote Rebsorten. Besonders gut geraten Rebsorten wie Scheurebe, Traminer, Riesling und Kerner. Ein Highlight sind die restsüßen Weine und der Riesling „Alte Reben“, der von bis zu 70 Jahre alten Rebstöcken stammt. Das ist um so erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass der Weinbau rund um Jessen einige Rückschläge verkraften musste und vor einigen Jahrzehnten fast zum Erliegen gekommen war. Schon im 13. Jahrhundert wussten die Antoniter Mönche die Qualität der Weine vom Gorrenberg zu schätzen. Seinen Höhepunkt erreichte der Weinbau an der Elster um Jessen im 15. und 16. Jahrhundert als die Rebfläche auf beachtliche 300 Hektar anwuchs. Dann erfolgte ein stetiger Niedergang und die Rebfläche schmolz auf kümmerliche 1,25 Hektar nach dem 2. Weltkrieg zusammen. Einige wenige Enthusiasten hielten als Hobbywinzer die Weinbaufahne hoch und produzierten für den Eigenbedarf. Heute sind die Weine eine interessante Spezialität aus Sachsen.

Frank Schollenberger
Sommelier

Der Grundstock

die-mischung

Der Duden sagt: anfänglicher Bestand, auf dem aufgebaut werden kann. Oder auch Hilfsgut – aus Lebensmitteln, Kleidungsstücken, Medikamenten bestehender Grundstock, Grundbestand. Er kann aber auch ein Hauptwerk eines Künstlers sein. Auf diesen roten Grundstock aus Rheinhessen trifft das fast alles zu. Er kann helfen, ist ein Anfang, bestimmt ein wichtiges Werk und kann vermutlich auch seelische Not lindern. In Zeiten, in denen deutscher Rotwein populär ist, haben sich drei Männer zusammengetan, um einen Projektwein zu machen. Das sind der vinophile Kommunikationsexperte Till Wagner, der in der Weinszene durch sein Projekt „Magnum cum Laude“ kein Unbekannter ist; Mike Ries, der als langjähriger Kreativ-Direktor mit Dutzenden von Auszeichnungen für die Gestaltung der neuartigen Verpackung verantwortlich ist; und natürlich nicht zuletzt der Winzer Stefan Lutz, der die Idee zu einem Wein hatte, wie er ihn selbst gern trinkt: kräftig, aber samtig-weich, trocken und trotzdem süffig, unkompliziert, aber alles andere als banal.

qualitaet

Stefan ist Winzer mit Leib und Seele und ist immer im Einsatz für den guten Geschmack. Er kennt die Weinbergslagen um seinen Heimatort Bechtolsheim und weiß, was er braucht, um einen guten Wein zu machen. Die drei verbindet die Leidenschaft Wein. Durch ihre Talente ist ein Cuvee mit zeitgemäßer und praktischer Ausstattung entstanden. Der Inhalt macht richtig Spaß, denn das, was die Drei in die Flasche gebracht haben, schmeichelt dem Gaumen. Für den unkomplizierten Genuss sorgt ein Cuvee von Spätburgunder-, Dornfelder-, St. Laurent- und Portugiesertrauben vom Petersberg in Bechtolsheim. Im Glas präsentiert sich rotfruchtiger Samt mit Anklängen dunkler Kirschen und vanilliger Gewürznoten mit einladendem Trinkfluss, der Profis und Liebhaber inspiriert. Das Cuvee  ist in der Weihnachtszeit zu kräftigen Fleischspeisen, Käse und Wild zu empfehlen. Er ist aber auch ein großartiger Begleiter für lange nächtliche Debatten mit Freunden.

Frank Schollenberger
Sommelier

Neues aus dem Biervana II

Das letzte Wochenende war ja recht ereignisreich. Am Samstag haben wir die liebevoll gehegten 5 Rebstöcke der Weinhandlung Schollenberger in die Hände der Rebstock-Paten gegeben, dann holte Hansa in der 92. Minute doch noch einen Punkt und am Sonntag gehörte die BioErleben in Warnemünde zum Pflichtprogramm. Das Wochenende habe ich dann, mit dem Blick auf das aufziehende Gewitter am Sonntagabend, mit einem Malty Brown Ale der Loch Ness Brewery ausklingen lassen. Wirklich ein sehr schönes kastanienbraunes Bier mit Aromen von Whisky-Malts, getrockneten Waldbeeren, schwarzem Novemberholz, Seetang, Lakritze, Balsamico, Kakaobohnen, Teer, dunkler Schuhcreme und gebratener Blutwurst. Grandios auch der trockene dunkle Nachhall mit rauchigen Noten.

lochness-rm

Ich war sehr froh, als mir bewusst wurde, dass wir von diesem Stöffchen noch einige Flaschen auf Lager haben. Meine Freude darüber war dann aber nur von kurzer Dauer, da mich drei Tage nach der Probe eine Hiobsbotschaft erreichte.
Dieses spannende Bier wird in der schottischen Loch Ness Brewery in Drumnadrochit am Loch Ness gebraut. Die Brüder Allan und Stephen Crossland betreiben hier, als passionierte Bierliebhaber, das Benleva Hotel und veranstalten das älteste Bierfest in den Highlands. Irgendwann beschlossen Sie, ihren Hotelpub mit eigenem Bier zu versorgen und installierten eine eigene Mikrobrauerei. Eine große Hilfe bei der Verwirklichung dieses Planes war Angus MacRuary von der Isle of Skye Brewery. Im Januar 2011 wurde dann das erste Bier gebraut. Aus der kleinen Brauerei kamen in der Folge traditionelle Biere, aber auch abenteuerliche Experimentalsude. Und so verließen legendäre Biere wie DarkNess, MildNess, WilderNess, LightNess, SmokieNess, MadNess und Prince of DarkNess die kleine Braustädte der beiden schottischen Bierliebhaber. Da sich diese Biere einer immer größer werdenden Beliebtheit erfreuten und die Fangemeinde immer größer wurde, musste man sich vergrößern und zog mit der Produktion 150 Meter weiter die Straße hinauf. Im Frühsommer diesen Jahres wollten die britischen Steuerbehörden den beiden Brauern dann einen Besuch abstatten und fanden die Brauerei nicht an der alten Adresse vor. Die Brüder Crossland hatten nun ein richtig großes Problem, hatten sie doch vergessen, ihren Umzug bei den Behörden anzuzeigen und eine neue Lizenz zu beantragen.
Und wie man ja weiss, sind diese Behörden ziemlich humorlos. Das dicke Ende vom Brauerglück kam dann mit der Beschlagnahmung der neuen Brauanlage, da man von Amtswegen nach dem Umzug von einer illegalen Braustätte ausging. Die ganze Sache war dann wohl nicht mehr zu reparieren. Die Anlage wird nun von den Behörden versteigert und die beiden Brauer-Brüder dürfen kein Bier mehr brauen. Das heißt, die Biere wird es wohl in der Form und Qualität, wie wir sie jetzt schätzen und  noch auf Lager haben, nicht mehr geben. Die Biere der Loch Ness Brewery sind nun dadurch eine interessante Rarität für Genießer und Sammler.

Frank Schollenberger
Sommelier

Andre Gussek – Vom Meister des Rotweins

winzerhof-gussek-naumburg-saale-rm

Eigentlich gilt der langjährige Kellermeister des Landesweingutes Andre Gussek als Meister des Rotweins. Aber in der letzten Zeit macht er auch mit sehr guten Weißen auf sich aufmerksam. Im Jahre 1993 erfüllte Andre Gussek sich seinen Traum vom eigenen Weingut. Er kaufte die ehemalige Weinbauverwaltung in Naumburg. Zur Weinbauverwaltung gehört mit 2 Hektar auch ein Teil der Lage Naumburger Steinmeister. Hier gelingen durch strikte Ertragsreduzierung der alten Müller-Thurgau-Anlage erstklassige Beeren- und Trockenbeerenauslesen. Die Weinbauverwaltung mit angeschlossener Pfropfrebenproduktion war 1919 im Zuge des Versailler Vertrages  entstanden, als die Reblausforschungsstation in Ulmenweiler (Lothringen) nach Naumburg verlagert wurde. Im Jahre 1952 wurde die Weinbauverwaltung in ein Volkseigenes Gut umgewandelt. Zum Anfang 1993 wurden im Winzerhof Gussek nur wenige hundert Liter Wein erzeugt. Heute bewirtschaftet der Winzer 9,2 Hektar in den erstklassigen Lagen. Die Jahresproduktion beträgt aktuell 60.000 Flaschen. Der Katschener Dachsberg ist der einzige bewirtschaftete Terassenweinberg Thüringens, hier gedeihen 90 Jahre alte Silvanerreben und Rieslingstöcke, die 60 Jahre alt sind. In seinen Weinbergen hegt Gussek heute 10 verschiedene Rebsorten. Für die Region ungewöhnlich ist, dass bei ihm 34 Prozent der Fläche mit Rotweinrebsorten bestockt sind. Bei den Weißweinen kümmert sich der Winzer um Müller-Thurgau, Riesling, Grauburgunder, Weißburgunder, Silvaner, Kerner und Traminer. Der rote Traminer feinherb ist ein großartiges Monument für diese alte Rebsorte. Aber trotzdem elegant mit Finesse, einem beeindruckendem Rosenduft und im Nachklang mit erfrischende Noten von grünem Apfel.  Die anderen Weißweine von Gussek überzeugen durch leichte Alkoholwerte, betonte Frucht, feiner Säure und Eleganz. Auch beim Einsatz von Holz hat er ein gutes Händchen. Seine Rotweine wie der Blaue Zweigelt vom Naumburger Steinmeister im Barrique ausgebaut oder der Spätburgunder trocken aus dem Holzfass von der Lage Katschener Dachsberg gehören zum Besten, was die Region zu bieten hat. Der Winzerhof Gussek ist einer der Top-Betriebe in der Region und ist Mitglied des Vereins Breitengrad 51. Die Winzer in diesem Verein haben sich der Ursprünglichkeit und einzigartigen Herkunft ihrer Weine verschrieben.

Frank Schollenberger
Sommelier

Zwei spanische Neuzugänge beim F.C. Hansa Rostock

Dass Wein hilft, wussten wir ja schon lange. Die beiden interessanten flüssigen Neuzugänge aus Spanien helfen nun auch unserem Lieblingsverein, dem F.C. Hansa Rostock. Mit der Roten und der Weißen Kogge gibt es nun für alle, die Wein lieben, die Möglichkeit, ein Glas Hansawein zu trinken.

Kogge-vor-der-Weinhandlung-2-rm Kogge-vor-der-Weinhandlung-1-rm

Die beiden Gaumenschmeichler aus Spanien sind eine Kollaboration zwischen Hansa und der Weinhandlung F. Schollenberger. Gemeinsam hat man sich die Zeit genommen und viele Weine getestet, die für den Hansawein in Frage kommen. Nach vielen Vorspielern drängten sich dann zwei Weine aus der spanischen Region Jumila auf. Diese treten nun im modernen Gewand als Hansaweine auf. Das Etikett der Weine zieren Schlagwörter aus 50 Jahren Hansa sowie der legendäre Brustring. Die Weine sind ein Muss für jeden Hansafan, Sammler und Weinliebhaber.
Beim Weißen handelt es sich um einen Sauvignon Blanc mit intensiven Aromen von Kiwi, weißen Blüten, etwas Stachelbeere und einem Hauch Eisbonbon. Die angenehme Säure wirkt erfrischend und jugendlich. Die Rote Kogge ist ein Monastrell mit 13% vol. Alkohol. Hier vereinen sich balsamische Noten mit Anklängen von Lakritz und einem roten Früchtekorb. Der Wein ist elegant und erzeugt ein angenehmes Mundgefühl.

Die Hansaweine sind zum Start erhältlich bei:
Sportforum Hotel
Hansa Traditionskabinett
Handelshof Rostock
Späti 66
Carlos Landmarkt in Dietrichshagen
Strandhotel Hübner
Parkhotel Hübner
Hansa Fan-Shop
Weinhandlung F. Schollenberger Bad Doberan
Weinhandlung F. Schollenberger Rostock

Die offizielle Vorstellung des Hansaweins findet am Dienstag den 23. August um 18.00 Uhr in der Weinhandlung F. Schollenberger im Barnstorfer Weg 22 in Rostock statt.
Hier kann der neue Hansawein natürlich probiert werden.

Die Expertisen für die beiden Weine:
Kogge rot
Rebsorte: Monastrell // Alkoholgehalt: 13% vol // Herkunftsland: Spanien // Region: Jumilla // Charakter: Gewürzaromen, leicht balsamische Noten werden begleitet von einer deutlichen Lakritz-Note. Die Tannine weisen eine elegante Struktur auf und erzeugen ein angenehmes Mundgefühl.

Kogge weiß
Rebsorte: Sauvignon Blanc // Alkoholgehalt: 12% vol // Herkunftsland: Spanien // Region: Jumilla // Charakter: extrem intensive Aromen von Kiwi, weißen Blüten, etwas Stachelbeere und Eisbonbon. Am Gaumen fruchtig, mit einer angenehmen Säure.

Weißherbst – Der sommerliche Durstlöscher

Sommerzeit ist gleich Roseweinzeit. Aber Rose ist nicht gleich Rose. In Deutschland gibt es einen ganz speziellen Vertreter dieser Gattung. Das ist der sogenannte Weißherbst. Dieser darf laut Weingesetz nur aus Rotwein gekeltert werden. Besonders bekannt und beliebt in Deutschland sind Weißherbste aus Portugieser, Spätburgunder und Heroldrebe. Diese müssen die Mindestqualität eines Qualitätsweins besitzen. Es gibt daher auch Weißherbste, welche als Qualitätsweine mit Prädikat angeboten werden. Zum Beispiel sind so Spätburgunder Weißherbste als Kabinett- oder Eiswein möglich. Man könnte behaupten, jeder Weißherbst ist ein Rose. Aber nicht jeder Rose darf sich Weißherbst nennen. Roséweine können daher auch als Land- oder Tafelwein erzeugt werden. Nicht verwechseln darf man den Weißherbst mit dem Rotling, Schillerwein oder Badisch Rotgold. Hier werden weiße und rote Trauben gemeinsam im sogenannten gemischten Satz verarbeitet.

landschaft-gross-09-rm

Der Weißherbst ist technisch ein weiß geherbsteter Rotwein. Herbsten heißt in der Winzersprache Wein machen. Also, wenn Rotweintrauben weiß geherbstet werden, entsteht ein heller Wein. Der Trick ist, dass durch eine schnelle Trennung von Most und Traubenhäuten nur sehr wenig oder fast kein Traubenfarbstoff aus der Traubenhaut gelöst wird. Es findet also keine Maischegärung statt. Diese ist zum Rotweinmachen unbedingt erforderlich, denn in der Regel ist das Fruchtfleisch der roten Weintrauben hell und der Winzer ist beim Rotweinerzeugen bestrebt, den in der Haut sitzenden, Traubenfarbstoff in den hellen Most zu bekommen. Das mit dem hellen Fruchtfleisch kann man mit roten Weintrauben vom Obsthändler im Selbstversuch schnell herausfinden. Bei sehr geringer Farbextraktion werden Weine auch als Blanc de Noir bezeichnet. Diese Spielart erfreut sich in den letzten Jahren zunehmenden Beliebtheit. Viele deutsche Weißherbste sind gekennzeichnet durch eine typische helle Lachsfarbe und eignen sich mit ihrer Leichtigkeit und Frische sehr gut als durstlöschende Begleiter durch den Sommer. Bestimmt finden Sie den passenden Weißherbst auch in der DWI Riesling Lounge am Rostocker Stadthafen oder in den Geschäften der Weinhandlung Schollenberger in Bad Doberan und Rostock.

Frank Schollenberger
Sommelier