Der Frühling aus der Flasche

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Die Lage Baßgeige in Baden ist vielen Weinfreunden ein Begriff für Burgunder. Oft wird die Frage gestellt, woher der Name dieser Kaiserstühler Lage stammt. Und tatsächlich ist der Name keine Erfindung von Werbestrategen. Gern wird im Ort Oberbergen von den Winzern erzählt, dass die Lage von der gegenüberliegenden Seite des Tales wie eine liegende Baßgeige aussehen soll. Ich habe es versucht, die Baßgeige zu erkennen. Doch selbst nach reichlichem Genuss von Baßgeigenwein konnte ich eben diese, auf den Hängen vulkanischen Ursprungs, nicht erkennen. Die Namensgebung erfolgte dann wohl vor der Fluhrbereinigung. Neben klassischen Burgundern steht die WG, in der Nachbarschaft des Restaurants „Schwarzer Adler“ seit 1994 für einen der ersten Frühlingsweine. Hier im modernen Keller der Genossen schafft es Kellermeister Schupp Jahr für Jahr, den Frühling einzufangen und in Flaschen zu füllen. Der Frühlingsbote Müller-Thurgau stammt aus erstklassigen Parzellen des inneren Kaiserstuhls. Dieser wird temperaturgesteuert vergoren und mit einem Hauch von Gärungskohlensäure abgefüllt. Der Bote des Frühlings präsentiert sich frisch und fruchtig mit Anklängen exotischer Frucht und floralen Frühlingsnoten. Dieser moderne Wein macht einfach Spass und begeistert den Wein-Freak und den ungeübten Einsteiger gleichermaßen. Der Frühling aus der Flasche ist ein Alleskönner. Mit ihm kann man sich den Frühling schon im Februar nach  Hause holen. Er schmeckt zur leichten Küche, lässt Fisch schwimmen, macht Spass mit Freunden, überzeugt beim Empfang und ist ein zuverlässiger Begleiter durch die Spargelzeit. Der Frühlingsbote war einer der ersten deutschen Weine zum Thema Frühlingswein und ist als „Vater aller Frühlingsweine“  Inspiration für viele andere Weine geworden.  Aber auch nach 22 Jahren hat er nichts von seiner Anziehungskraft verloren. Den flüssigen Frühling gibt es in der DWI Riesling Lounge im Carlo am Stadthafen und in den Geschäften der Weinhandlung F. Schollenberger in Bad Doberan und Rostock.

Frank Schollenberger
Sommelier

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Gin(voll) geniessen

So, nun hat uns die Ginomania mit voller Wucht erreicht und auch der letzte Dorfkrug in Mecklenburg, dem man ja nachsagt, es würde 50 Jahre später als der Rest der Welt untergehen, springt auf den Gin-Bummelzug auf und glänzt mit einer Gin-Auswahl.

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Ich will ja nicht klugscheißen, aber unser kleines Stadtmagazin hatte das Thema Gin schon im Januar 2008 auf dem Schirm. Tatsächlich wurden wir damals von vielen Propheten belächelt, die Gin neben Whisk(e)y und Rum nicht für interessant und salonfähig hielten. Doch aller Unkenrufe zum Trotz, veranstalteten wir ein Gintasting und beleuchteten das Thema Gin im 0381-Magazin. Der eine oder andere Leser und Teilnehmer wird sich sicher noch lebhaft an das legendäre Tasting im heute leider geschlossenen Goodfellas erinnern.
Wir haben bei 0381 lange überlegt, ob wir nun, wo der Gin-Hype schon fast hysterische Züge annimmt, nochmal in den Ring steigen und etwas zum Thema Gin schreiben müssen. Und wir sind zu dem Schluss gekommen, ja wir müssen, den G(S)in(n) macht es alle Mal, sich mit diesem spannenden Thema nochmal eingehend zu beschäftigen. Das ist dann also der Start einer neuen Reihe im 0381 Magazin. Es gibt tatsächlich links und rechts eine Menge Neues zu entdecken und man wird immer wieder aufs Neue überrascht von der großen Vielfalt der angebotenen Wacholderspirituosen. Tatsächlich sind Gin und sein holländischer Vorläufer Genever ein Klarer mit Wacholder aromatisierter Brandwein, dessen Basis oder Ausgangsprodukt nicht klar definiert ist. In der Regel ist das Ausgangsprodukt ein unkompliziert herzustellender Neutralalkohol. Heute gibt es aber auch Produkte wie „Windspiel“ auf Kartoffelbasis und „Thompson‘s“ aus dem Bordeaux, die  auf Basis eines Weindestillates hergestellt werden. Aber auch der Gilt aus Schottland, der seine alkoholische  Basis,  ähnlich wie Whisky, gemälzter Gerste verdankt, soll hier nicht unerwähnt bleiben. Wie gesagt, in Holland wurde wohl der erste Genever hergestellt. Aber erfunden hat den Wacholderschnaps, zur medizinischen Anwendung, ein Deutscher. Nämlich der in Hanau geborene Dr. Francois de la Boe. Dieser war in Amsterdam und Leiden in Holland als Arzt tätig. Der Doktor war Begründer der naturwissenschaftlich arbeitenden Medizin und klinischen Chemie. Auch war er einer der maßgeblichen Vertreter, die das von William Harvey propagierte Konzept des Blutkreislaufs vertraten. Mit dem gleichnamigen Gin wurde ihm, von einem schottischen Unternehmen, eine flüssiges Denkmal gesetzt. Neben Wacholder, dessen botanischer Name Juniperus ist, werden heute weit über hundert Zutaten zur Ginherstellung verwendet. Es gibt heute fast puristische Gins, die mit drei Gewürzen auskommen, aber auch solche, bei denen sich die Hersteller beim gegenseitigen Überbieten der Anzahl der verwendeten sogenannten Botanicals fast überschlagen. Unentbehrlich ist der namensgebende Wachholder, der oft begleitet wird von Koriander, Ingwer, Muskat, Orangen- und Zitronenschalen …
Zur Aromatisierung sind zwei Verfahren üblich und bewährt. Bei dem einen werden die aromagebenden Gewürze im Neutralalkohol mazeriert und dann noch mal gebrannt. Oder es wird gegeistet. dass heißt, man leitet bei einer zweiten Destillation des Grundalkohols die Destillationsdämpfe über die Gewürze und aromatisiert so.
Nachdem Cromwell den Stuartkönig vertrieben hatte, holte man Wilhelm III. von Oranien-Nassau 1698  als König nach England. Dieser besteuerte französischen Brandwein und stellte die Produktion von Wacholderschnaps, der zusammen mit Söldnern, welche im Spanisch – Holländischen Krieg gedient hatten, auf die Insel kam, von Steuern  frei. 1690 wurde festgelegt, dass Gin nur aus englischen Getreide hergestellt werden durfte. Dies war der Startschuss für den Gin, der in der Folge noch einige interessante Spielarten hervorbrachte und eine nicht unwesentliche Rolle in der weiteren Geschichte des Vereinigten Königreiches spielte und heute in aller Welt groß in Mode ist.
In dieser Reihe möchten wir einigen Gin-Spezialitäten, die es verdient haben, Tribut zollen und diese vorstellen. Zum Start haben wir uns drei Musketiere vom britischen Archipel vorgenommen. Weitere (G)inspirationen folgen in der nächsten 0381.

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Rock Rose (Schottland)
Fast am Ende der Welt, genauer gesagt im Nordosten Schottlands, befindet sich auf der Halbinsel Caitness, mit der Dunnet Bay Distillery, die nördlichste Brennerei auf dem schottischen Festland. Hier wird von Claire und Martin Murray mit einem hohen Qualitätsanspruch der Rock Rose Gin erzeugt. Neben dem unvermeidlichen Wacholderbeeren wird dieser Gin vor allem durch Rosenwurz und Sanddorn geprägt, welche an der brandungszerklüfteten Felsenküste wachsen. Das zarte frische Rosenaroma des Gins wird durch die Wurzeln des Rosenwurzes hervorgerufen. Diese Wurzel wussten schon die Wikinger zu schätzen und hofften, von ihm Bärenkräfte und ein langes Leben zu erhalten. Neben der Distille der Murrays gibt es auf der Halbinsel noch eine zweite Destille. Diese darf sich seit 2013 als nördlichste Whiskydestille des schottischen Festlandes rühmen. Außerdem wusste auch Queen Mum, welche aus Schottland stammte, die Abgeschiedenheit der Region zu schätzen. 1952 kaufte sie das Castle of Mey (früher Barrogill Castle) und machte es zu ihrem Sommersitz. Prinz Charles teilt die Zuneigung seiner Großmutter zu dieser Region und weilt in jedem Jahr eine Woche Anfang August hier. Unter dem alten Namen Barrogill Castle gibt es auch eine königliche Whiskymarke. Queen Mum, 1900 geboren, wurde im übrigen 101 Jahre und behauptete von sich, dass sie jeden Tag ein Glas Gin trinken würde. Und das sie diesem, unter anderem, ihre gute Kondition zu verdanken hätte. Das sind für ambitionierte Gin-Trinker natürlich großartige Aussichten.

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Miller‘s dry Gin (England & Island)
Dieser Gin war schon 2008 bei unserem Tasting im Goodfellas mit im Rennen. In einer über 100 Jahre alten Brennblase in London werden die mutmaßlichen acht Grundstoffe, zu denen auch Gurken – Extrakt gehören soll, verarbeitet. Dann wird das Destillat nach Island verschifft, um hier mit Hilfe von arktischen Gletscherwasser auf Trinkstärke von 40 % verdünnt zu werden. 1999 geht Martin Miller mit seinem Gin ins Rennen und beflügelt somit die Renaissance des Gins. Martin war sich bewusst: „Gin ist kein langweiliger Neutralgeist, Gin ist vor allem das verführerischste der Getränke. Und dieses Getränk ist nicht nur Geschichte im Glas sondern auch Romantik und Abenteuer“. Daher musste Martins Gin etwas Besonderes sein. Neben Wacholder aus der Toskana,  Cassia-Rinde aus China, Angelika, Florentiner Iris und dem Gurkenextrakt ist das Geheimnis Gletscherwasser aus Island. Die Isländer sind überzeugt, dass endmineraliesiertes Wasser seine Lebenskraft verloren hat und bezeichnen es als totes Wasser. Isländer glauben bis heute, dass Elfen und Geister in allen Dingen leben, sie nennen sie „die verborgenen Menschen“. Sie werden mit großem Respekt behandelt. Sie leben in Felsen, Höhlen und natürlich im Wasser. „Das ist nicht der einzige Grund, warum dieses Wasser verwendet wird. Nicht nur die Feen leben darin, sondern es ist das reinste und weicheste Wasser auf der Erde. Deshalb wird der Miller‘s Gin 1500 Kilometer von London nach Island transportiert, um dieses Wasser hinzuzufügen. Miller‘s ist ein grandioser Gin der sich frisch wie ein erwachender isländischer Frühlingsmorgen präsentiert und pur und im Mix mit Tonic die Feen singen lässt.“

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Thin Irish dry Gin (Irland)
In Irland findet im Moment eine Whiskeyrevolution statt und die Gintrinker profitieren davon. Denn die, nun mehr als 20 Brennereien, die eine Lizenz zum Whiskybrennen haben, überbrücken die Wartezeit bis zu ihrem ersten gereiften Whisky mit der Produktion und dem Verkauf von Gin. Und was da so auf den Markt kommt und seinen Weg auch nach Deutschland findet, ist aller Ehren wert. Kaum auf den Markt, wird Thin Gin bei den Irish Whiskey Awards, mit seinen 17 Botanicals, schon zum besten irischen Gin des Jahres 2015 gewählt. Thin ist ein fruchtig-duftiger Dry Gin der „Böse Jungs & Mädchen“ anspricht. Im Vordergrund überzeugen Orangen- und Zitrusnoten, die den Wacholder sowie Apfel, Rainfarn, Thymian, Beifuß, Holdunderblüte, Weißdornblüten, Orangenblüten, Melisse, Limette, Rotklee und Weißklee super einbinden. Der Gin wurde nach dem amerikanischen Lebemann Isaac Thin benannt. Dieser war ein Freund der Ur-Großmutter der heutigen Besitzerin der Blackwater Spirits Company und lebte lange in Waterford. Als Isaac Thin nirgendwo jenen exquisiten Gin finden konnte, den er in Paris während eines nachmittäglichen Tete-a-tete mit der Frau eines österreichischen Grafen genoss, beschloss er, seinen eigenen Gin zu erschaffen. Während er sich in Waterford vor rachsüchtigen Ehemännern verbarg, die ihm seine amourösen Abenteuer mit ihren Frauen nachtrugen, führte er dort seine Experimente mit Gewürzen und irischem Obst durch und kreierte seinen Gin. Er entschied sich für dreizehn Botanicals, eines für jede Frau, mit der er während seines Europa-Aufenthalts eine Affäre hatte.

Frank Schollenberger

Portwein – Roter Samt?

„Die erste Pflicht des Portweins ist es, rot zu sein und die zweite, getrunken zu werden.“
(Ernest Cockburn)

Die 2. Aussage gilt uneingeschränkt. Beim ersten Teil seiner Ansage hatte der alte Cockburn die großartigen weißen Ports wohl vergessen und die seit 2008 erzeugten modernen Rosé-Ports nicht gekannt.

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In alten Zolldokumenten von 1678 wird der Wein aus dem Dourotal zum ersten Mal als Portwein bezeichnet. Dieser Wein, den man noch viel zu oft in traditonellen Herrenklubs verortet, wo er von alten Männern getrunken wird, kann viel mehr. Natürlich hat dieser grandiose Wein, dessen namensgebender Ort mehrere hundert Kilometer außerhalb des eigentlichen Anbaugebietes liegt, eine fast sagenhafte Vergangenheit. Er hat aber auch das Potential für eine spannende Zukunft.
Schon für die Jungsteinzeit gibt es fossile Belege für im Dourotal gedeihende Reben. Die Römer verbreiteten den Weinbau im ganzen heutigen Portugal. Während ihrer Herrschaft über Portugal waren dann die islamischen Mauren weise genug, ihre eigenen Auffassungen zum Genuss von Weinen nicht mit Gewalt durchzusetzen, so dass der Weinbau und Weingenuss nicht zum Erliegen kam. Im 11. Jahrhundert eilte Heinrich II. von Burgund Alfons VI. König von Kastilien im Kampf gegen die Mauren zur Hilfe. Als Belohnung für seine Waffenbrüderschaft erhielt Heinrich Alfons uneheliche Tochter zur Frau und als Mitgift einen großen Teil des heutigen Portugal.
Der Franzose Heinrich förderte in seiner neuen Heimat, zu der auch das Dourotal gehörte, den Weinbau. Unter anderem ergänzte er das Rebsortenspektrum durch Reben aus seiner französischen Heimat. Sein Sohn Alfons I. verbot mit einem Edikt das Abholzen aller Reben auf königlichem Besitz und dessen Nachfolger wie Dionysius förderten die Anlage von neuen Weingärten. 1373 schlossen die Portugiesen ein Abkommen mit den Engländern, das ihnen erlaubte, für die Lieferung von Lamego-Wein in englischen Gewässern den beliebten Kabeljau zu fischen. Der Namenspatron für den Vorgängerwein des Ports war, die ca. 8 Kilometer vom südlichen Douro-Ufer entfernt liegende, Stadt Lamego. Ende des 17. Jahrhunderts stand es um die Beziehungen der Engländer zu Frankreich mal wieder nicht zum Besten und der gewachsene Bedarf nach Wein auf der Britischen Insel machte die Suche nach neuen Weinherkünften erforderlich. Daher sahen sich englische Kaufleute auf der Iberischen Halbinsel in Spanien und Portugal nach Exportweinen um. Hier einen anständigen Wein für die anspruchsvolle Kundschaft zu finden, war dann nicht so einfach, denn das, was sie hier in den Kellern fanden, waren teils erbärmliche Tropfen. Denn die Landwirtschaft in Portugal lag am Boden. In den Kellern wurde nicht sauber gearbeitet, die verwendeten Fässer waren ungepflegt und teils verrottet und beim Transport in geharzten Ziegenlederschläuchen bekamen die erbarmungswürdigen säure- und tanninhaltigen Tröpfchen den Rest und waren so kaum zu genießen, geschweige denn, den anspruchsvollen britischen Kunden zuzumuten. Fündig wurden die Kundschafter des guten Geschmacks, zwei Söhne eines Weinhändlers aus Liverpool, in einem portugiesischen Kloster. Hier stellten Mönche einen Wein her, der hygienisch einwandfrei, lagerfähig und trinkbar war. Das Geheimnis des Abtes von Lamego und seiner Mönche war ein Kunstgriff. Dem Wein wurde am Ende der Gärung Brandwein zugeführt. Dies verlieh dem Wein seinen typischen Charakter. Dieser Wein wurde nun unter dem Namen „Priest Port“ für die Briten zum Begriff für Qualität und zu einer Art Herkunftsbezeichnung. Das Aufspritten des Weines erwies sich auch als Glücksgriff in Bezug auf den Export. Der Alkohol konservierte und schützte den Port beim Transport auf die Insel und wurde hier zu einer geschätzten Alternative zu den Weinen vom „Erbfeind“ Frankreich, der den Engländern im Streit immer wieder den Weinhahn zudrehte. Mit dem Port hatte man nun im vereinigten Königreiche eine Alternative und er wurde etwas sehr Britisches. Es verwundert daher nicht, dass viele englische und schottische Weinhändler sich auf den Handel mit Port spezialisierten und sich in Porto ansiedelten. Beleg hierfür sind die noch heute geschätzten Produkte von Cockburn, Graham, Croft, Delaforce (siehe Foto oben), Sandemann, Offley, Taylor, Warre, Dow‘s und Churchill‘s. In der Folge spielten durch den wechselseitigen Handel mit Port und dem in Portugal sehr beliebten Stockfisch – Kabeljau, der in  Portugal Bacalhau heißt – auch Deutsche, wie Kopke, Burmester, Andresen aber auch Niederländer wie Nieport und van Zeller sowie einheimische Häuser wie Calem,  Fonseca und Ferreira eine gewichtige Rolle.
Im 18. Jahrhundert wurde der Port immer populärer und die Portweinhändler errichteten in Vila Nova de Gaia imposante Lagerhäuser, in denen der Wein aus dem Dourotal vor der Verschiffung über den Hafen von Porto gelagert wurde. Der mehrere hunderte Kilometer lange Transport von den Winzern zu den Händlern in Porto wurde auf dem Douro mit den Rabelos bewerkstelligt. Das sind Boote mit einem geringen Tiefgang, auf denen die Porteweinfässer mit Hilfe der Strömung flussabwärts transportiert wurden. Heute haben diese Boote eigentlich nur noch eine repräsentativen und touristischen Aufgabe. Romantisch liegen sie, als Fotomotiv im Schatten der Handelshäuser am Douro vor Anker.
Die große Nachfrage im 18. Jahrhundert führte dazu, dass man anfing, zu schummeln. Einem schlechten Grundwein wurde Alkohol zugesetzt. Diese dünne Suppe wurde mit Gewürzen  aromatisiert, um ihr geschmacklich auf die Sprünge zu helfen und zur farblichen Aufhübschung wurde Holunderbeersaft zugesetzt. Mit diesem Schund wurde der Markt überschwemmt und der Preis für echten Portwein fiel ins Bodenlose.

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Den Schwarzen Peter für dieses ruinöse Debakel schoben sich nun Händler und Winzer gegenseitig zu. Die Lage war so dramatisch, dass der Premierminister des Portugiesischen Königs und spätere Marquis de Pombal sich zum Eingreifen veranlasst sah und zur Kontrolle des Portweinhandels 1756 eine Monopolverwaltung mit dem Namen „Douro Wine Company“ installierte. Außerdem erließ er Gesetze, in denen die zu verwendenden Trauben, die Region und Qualitätsstandarts definiert wurden. Zur Durchsetzung dieser Portweingesetze konnte sogar die Armee eingesetzt werden. Außerdem erschwerte er das Panschen, in dem er, das Abholzen, der zum Weinfärben verwendeten Holunderbeergehölze anordnete. Diese Qualitätsstandards wurden 1907 modifiziert und im Jahre 1926 maßgeblich neu geregelt. Nun mussten alle Händler in Vila Nova de Gaja eine eigene Kellerei besitzen. So konnte man diese besser überwachen. Es stärke aber auch die Stellung der großen Handelshäuser gegenüber den Erzeugern im Dourotal. Diese Gesetze wurde 1986 abgeschafft und so der Markt für kleine einheimische Betriebe geöffnet.
Heute ist Portwein als Süßwein bekannt. Jedoch vor 1820 waren die meisten Portweine traditionell trocken. Der Alkohol wurde erst zum Ende der Gärung zugesetzt, zu einem Zeitpunkt an dem der Zucker im Wein von den Hefen bereits zu Alkohol umgewandelt ist. Nach einer grandiosen Ernte 1820 zeigte sich das große Potential des Ports als Süßwein und man unterbrach nun die Gärung zu einem frühen Zeitpunkt, um den prägenden Restzucker zu erhalten. Mit diesem Eingriff entstand für die damalige Zeit ein ganz neuer moderner Wein,  der mit seinen Spielarten auch noch heute begeistert und ein großes Alterungspotential hat.
Die große Vielzahl an Rebsorten, Spielarten, Typen und Reglungen machen den Portwein auch für ambitionierte Weintrinker in Deutschland zu einem Mysterium. Und sorgt wohl dafür, dass er im Gegensatz zu unseren Nachbarn bei uns oft etwas unterschätzt wird. Aber keine Angst, entscheidend ist der Spass den dieses grandiose Getränk macht und die unglaubliche Bandbreite seiner Anwendungsmöglichkeiten und Kombinationsvielfältigkeit.
Daher hier zur Orientierung nur eine grobe Einteilung des Weines, dem man nachsagte, er wäre im Gegensatz zum Bordeaux der Wein für Männer und nicht für Jünglinge.

White Port
Zu unrecht führen die weißen Portweine oft noch immer ein Schattendasein im Vergleich zu ihren roten Brüdern. Die Roten werden oft nach dem Essen getrunken. Gut gekühlter White Port in seiner trockenen Ausführung wird in Porto als klassischer Aperitif gereicht. Neben dem trockenen dry gibt es Typen mit unterschiedlichen Süßegraden wie Extra Dry, Demi-sec und Extra Sweet und als Krone der weißen Schöpfung die süßen Lagrimas (Tränen). Ein empfehlenswerter sommerlicher Erfrischungsklassiker ist der Longdrink Porttonic. Hier wird weißer Port mit Tonic und Zitrone auf Eis gemischt.

Ruby
Dies sind die fruchtigen, wie es der Name schon verheißt rubinroten Qualitäten, die mindestens zwei bis drei Jahre im großen Eichenfass lagern, bevor sie verkauft werden dürfen. Um seinen fruchtigen und zugänglichen Charakter zu erhalten, werden diese strahlenden Rubine dann in die Flasche gefüllt. Die Reifung findet reduktiv vornehmlich in der Flasche statt. Rubys sind daher Flaschengereifte Portweine. Zum Ruby-Typ gehören: Ruby, Ruby Reserve, Crusted Port, Late Bottled Vintage ( LBV) und Vintage Port. Rubys sind vielseitige Dessertweine, die auch mit Schokolade oder Käse funktionieren. Aber auch als Aperitif leicht gekühlt, zu Salzgebäck und Nüssen macht so ein flüssiger Rubin Spass.

Tawny
Dieser reift im Unterschied zu seinem fruchtigen Bruder nach zwei bis drei Jahren im großen Fass, dann in kleinen Eichenfässern, den sogenannten Pipas weiter. Tawnys sind Fassgereifte Portweine. Auch hier weißt der Name Tawny (lohfarben) auf die Farbe hin. Diese entsteht durch die oxidative Reifung in den kleinen Fässern. Hier entwickeln sich Noten von Trockenfrüchten, Nüssen und Mandeln. Die Weine hellen sich immer mehr auf und entwickeln sich zu Qualitäten mit hellen bernstein- und goldgelben Farbtönen.
Zu den Tawnys gehören Tawny, Old Tawny und Colheita. Tawnys haben vielfältige Einsatzmöglichkeiten, sind gute Begleiter und gute Digestifs nach dem Essen.

Rosé Port
Dies ist die modernste Spielart des Ports. Als erste Haus kam 2008 Croft mit einem Rosé auf den Markt. Seit 2009 ist Rosé als offizielle Sorte registriert. Andere Häuser, wie Calem haben nachgezogen. Der Rosé ist eine jugendliche fruchtige Variante, der wie weißer Port gekühlt bei 10°C oder als Bestandteil von Cocktails serviert wird.

Frank Schollenberger
Sommelier

Revolution in Irland

Als Whiskyfreund geht einem im Moment das Herz auf, wenn man nach Irland schaut. Hier passiert im Moment eine großartige Whiskey-Revolution.

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In diesem Land, welches in Bezug auf den identitätsbildenden Stoff Whiskey viele Jahrzehnte hindurch wirklich gebeutelt war, findet im Moment eine Whiskey-Revolution statt. Lange gab es auf der grünen Insel nur zwei Destillen, welche unter dem Dach der Irish Distillers Group Whiskey produzierten.
Eine Vielzahl von Marken, wie z.B. John Jameson, Paddy, Redbreast, Green Spot und John Power kamen aus der modernen Zentralbrennerei in  Midleton im County Cork im Süden der Republik Irland. Im königlich-britischen Norden im County Antrim wurde bei Old Bushmills in der 1784 gegründeten Destille Single Malt Whiskey produziert. Dies waren dann die bescheidenen Reste einer einstmals stolzen Whiskey-Industrie.
Auch in Irland gab es einmal ähnlich viele Brennereien wie in Schottland. Die Iren beanspruchen daher stolz das Recht für sich, als erste „Das Wasser des Lebens“ aus Getreide gebrannt zu haben. Mönche in Eire verstanden schon früh die Kunst des Brennens. Die Verwendung von Gerste ist aber erst für das Jahr 1556 belegt und eine erste offizielle Brenn-Lizenz stellte König James I. Im Jahre 1608 aus. Laut einem Gesetz von 1759 waren in Irland zur Herstellung von „Aqua Vitae“ neben Malz zwischenzeitlich auch Getreide und Kartoffeln erlaubt. Die Herrschenden verstanden es schon früh, mit einem Gesetz aus dem Jahre 1661 ihren Untertanen durch die Besteuerung des Whiskeys das Geld aus den Taschen zu ziehen. Von nun an wurde zwischen legalem Parlamentswhiskey und illegalem Poitin unterschieden. Die Bereitschaft der Iren, auf ihr Nationalgetränk Steuern zu bezahlen, hielt sich in überschaubaren Grenzen.
So wurde die Schwarzbrennerei zum Symbol des Aufbegehrens gegen die englische Fremdherrschaft  und zu einer Massenbewegung. 1822 wurden auf der Insel neben 20 legalen Destillen über 800 illegale Brennanlagen gezählt oder vermutet.
Mit dem Exise Act von 1823 schaffte man es in Irland und auch in Schottland die Schwarzbrennerei etwas einzudämmen. Mit der Zahlung von 10 Pfund konnte man seine Brennblase mit einem Fassungsvermögen von über 160 Litern legalisieren. Außerdem kamen die englischen Steuerbehörden, welche in Irland das Sagen hatten, auf die komfortable Idee, den Ausgangsstoff zu besteuern. Diese  Steuer auf Malz brachte dann einen wirklich irischen Whiskeytyp hervor. Denn die findigen Iren wollten Steuer sparen und ersetzten einen großen Teil der gemälzten Gerste durch ungemalzte Gerste und schufen so den unverwechselbaren Irish Pure Pott Still Whiskey.
Seine Blüte erreichte der fülligere irische Whiskey im 19. Jahrhundert. Aber mit der aufstrebenden Temperenzler-Bewegung, die gegen den „Teufel Alkohol“ zu Felde zog, zeichnete sich mit einem drastischen Kneipensterben schon ein Verfall ab. Dann verpassten die Iren auch noch eine wichtige technische Neuerung wie die Herstellung von Grain-Whiskey. Dieser wurde in Schottland mit Hilfe der vom Iren Aeneas Coffey erfundenen Coffey Stills billig hergestellt. Der einfache Grain wurde mit einem Schuss Malt aromatisiert  und aufgehübscht. Und konnte nun als einladender Tropfen billig in alle Welt verkauft werden. Als die irischen Brenner aus ihrem Schlaf erwachten und auch auf Grain-Whiskey setzten, hatten die schottischen Verwandten  schon viele wichtige Märkte erobert. Dann verloren die irischen Brenner, nach der Trennung vom Vereinigten Königreich, auch noch viele Kunden in Grossbritannien und seinen Kolonien. Der Todesstoß für die irische Whiskeyindustrie war dann aber die Prohibition in den USA. Danach führte der Whiskey von der Grünen Insel nur noch ein Dasein im Schatten der Vettern aus Schottland.

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1966 waren nur noch vier Brennereien aktiv. In diesem Jahr schlossen sich dann Jameson, Powers und die Cork Distillers zur Irish Distillers Group (IDG) zusammen, um zu retten was noch zu retten war. 1970 schloss sich dann die einzige verbliebende Nordirische Destille Od Bushmills der Gruppe an. IDG errichtete dann im Jahre 1975 in Midleton eine Zentralbrennerei für die Republik Irland, in der dann alle Marken erzeugt wurden. Alle anderen Brennereien wurden stillgelegt oder wurden zu Museen.
Pernod Ricard erwarb 1987 die IDG und hatte scheinbar das Thema Irish Whiskey fest in der Hand. Ein Lichtblick war dann aber im gleichen Jahr die Gründung der Cooley Distillery in Riverstown an der Grenze zu Nordirland durch John Telling. Der Betrieb war zuvor eine staatliche Kartoffelschnapsbrennerei. Dies war für den irischen Whiskey ein wahrer Segen, denn Telling mischte mit seinem Freund Willie McCarter nun die irische Whiskeyindustrie auf und haucht ihr mit diesem Projekt neues Leben ein.
Bis zum Verkauf im Dezember 2011 an Jim Beam für 95 Mio. US Dollar galt Cooley als einzige unabhängige Brennerei auf der Insel. Aber der Trend zur Gründung von unabhängigen Destillen war nun nicht mehr aufzuhalten, denn im November 2012 ging auf der Halbinsel Dingle mit der Dingle Distillery eine neue unabhängige Brennerei an den Start und leitete somit eine kleine Whiskeyrevolution ein. Der erste eigene Whiskey wurde hier am 19.12.2015 abgefüllt. Hier an der Atlantikküste werden nun mit drei kupfernen Pott Stills Single Pott Still Whiskeys und Single Malts produziert. In der Folge machte das Beispiel Schule und im Moment schießen neue Whiskeyprojekte, Abfüller und Brennereineugründungen wie Pilze aus dem Boden.
In Skibereen, der inoffiziellen Hauptstadt von West Cork, hatten sich schon im Jahre 2007 drei Freunde zusammengetan, um Whiskey abzufüllen und dann auch zu brennen. Heute bieten die West Cork Distillers ein überzeugendes Sortiment an Blends und Single Malts an. Der Betrieb ist heute die einzige Destille, welche ihr eigenes Malz in Irland herstellt und zum Whiskeybrennen verwendet. Als Berater haben sich die die Whiskeymusketiere u.a. Dr. Barry Walsh, welcher fast 30 Jahre als Master Blender für Irish Distillers tätig war, und Frank McHardy, bekannt als ehemaliger Master Distiller bei Springbank in Campeltown mit ins Boot geholt.
Im Mai 2014 ging mit Glendalough die erste Craft Distillery ans Netz. Im Norden im County Derry in der Nähe von Londondery hält The Quiet Man Craft Distillery die Fahne hoch. Das Team füllt hier besondere Fässer ab. Die Fässer dafür wurden als New Makes in einer anderen Destillerie gekauft und in Londonderry in neuen First Fill Bourbon Fässern gelagert. Aktuell startet man hier mit der eigenen Destillation.
Ein sehr spannendes Projekt im Süden Irlands im County Tipperary ist die Tipperary Boutique Distillery. Die Destillerie wird auf dem Grundstück einer Farm gebaut, die einem der Miteigentümer gehört. Die Gerste für den Whiskey wächst bereits auf den Feldern. Die Eigentümer sind Stuart Nickerson, seine Tochter Jennifer Nickerson und ihr Verlobter Liam Ahearn. Stuart Nickerson hat bereits für viele große Destillerien in Schottland gearbeitet und ist bekannt als Berater im Bereich schottischer und irischer Whiskey.
Aber auch John Telling ist wieder aktiv und hat in Fortsetzung der Familientradition eine Brennerei in Dublin eröffnet. Es gibt sicher noch viele weitere Projekte wie Dubliner, Blackwater, The Temple Bar, Barr an Uisce, Uisce Beatha Irish Whiskey oder Rademon zu nennen, die im Moment Whiskeys und Liköre abfüllen oder erstklassigen Gin und Wodka produzieren um die Zeit bis zu ihrem ersten eigenen Whiskey zu überbrücken. Viele dieser spannenden Produkte gibt es in der Weinhandlung Schollenberger. Bei unserem Tasting zum St. Patricks Day am 17. März gibt es diese zu entdecken.

Frank Schollenberger

Adlige Genossen – Villa Heynburg

Seit 2008 betreiben die Genossen der Kooperative „Hex von Dasenstein“ in Kappelrodeck im ehemaligen Landsitz und Weingut der Herren von Schloss Rodeck das Vorzeigeweingut Villa Heynburg. Hier entstehen, unabhängig von der Muttergenossenschaft, erstklassige badische Weine mit internationaler Ausrichtung für die Spitzengastronomie und den ambitionierten Fachhandel. Die Bemühungen um Betriebsleiter Marco Köninger und Kellermeister Alexander Spinner sind dem Gault Millau auch in seiner 2017er Ausgabe zwei Trauben wert. Auf nunmehr 9 Hektar Weinbergen wird von dem innovativen Team ein sehr interessantes Rebsortenportfolio gepflegt. Neben den, für die Ortenau typischen Riesling und Spätburgunder, kümmert man sich hier auch um Burgunder-Rebsorten wie Grauburgunder und Weißburgunder. Ein ganz besonderer Tip ist der elegante, zart vom Holz geküsste Weißburgunder mit einem spassmachenden Preis-Leistungsverhältnis. Hier muss der Weinliebhaber für diese badische Burgunderspezialität keine 10 Taler berappen.

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Aber auch die internationalen Vertreter wie der weiße Chardonnay und der rote Cabernet Sauvignon gelingt dem Kollektiv in außerordentlicher Qualität. Besonders stolz ist man hier auch auf die rote Burgunderspielart St. Laurent, diese besticht hier als schmeichelhafter ausgewogener Rotwein mit Schliff. Ein prickelnder Hochgenuss in der Kollektion ist der Cremant brut aus Weißburgunder Trauben. Dieser Schaumwein hat internationales Format und bezieht hierbei seine Spannung aus der Balance zwischen jugendlicher Spritzigkeit und reifer nobler Cremigkeit. Eine Entdeckung sind auch die frischen Cuvees unter dem Namen Freistiel. Diese gibt es in rot, weiß und rosé. Die Grundlage für den Erfolg der Genossen ist absoluter Qualitätsfanatismus, der mit großer Hingabe betrieben wird. Neben erstklassigen Lagen, Handarbeit, strenger Ertragsreduzierung sind Disziplin bei der Lese im Weinberg und bei der Arbeit im Weinkeller die Garanten des Erfolges. Das Team von Marco Köninger arbeitet minimalistisch, traditionell mit Akribie und kümmert sich um jede Rebsorte ganz individuell. Nur so erzielen sie beste Ergebnisse und können ihrer Spielfreude mit Barrique und Edelstahltank freien Lauf lassen, um sich im Spannungsfeld von Tradition und Innovation erfolgreich zu bewegen.

Frank Schollenberger
Sommelier

Cuvee oder nicht Cuvee

Deutsche Weintrinker standen in der Vergangenheit Cuvees (Verschnitten) aus der Heimat  reserviert gegenüber. Das Verschneiden von Weinen hatte für viele etwas anrüchiges oder billiges. Dabei gibt es viele internationale Hochkaräter, wie zum Bespiel große Bordeauxs, die eine Komposition verschiedenster Rebsorten wie Cabernet  Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc und Petit Verdot sind. Aber auch in Übersee hat die Idee eines Bordeaux-Blends um sich gegriffen, so dass man heute Weine dieser Art  aus aller Herren Länder trinken kann. Selbst der von vielen aus der Toskana-Fraktion heiß geliebte Chianti kann ein Verschnitt sein. Neben Sangiovese, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc ist hier sogar die Verwendung von Weißweintrauben (max. 10 %) zulässig. Im Bordeaux gilt die Assemblage/Verschnitt als große Kunst des Kellermeisters, um einen Chateau-typischen Styl zu kreieren oder als probates Mittel, um Qualitäts- und Jahrgangsschwankungen auszugleichen.

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In Deutschland gab es natürlich auch in der Vergangenheit Verschnitte, wie den legendären Trollinger mit Lemberger aus dem Schwabenland. Außerhalb des alemannischen Sprachraumes fanden diese Verschnitte aber in der Vergangenheit nicht viele Freunde bei den deutschen Weintrinkern und man stand als kultivierter Freund des Deutschen Weines den Weinkompositionen doch eher skeptisch gegenüber und trank seinen Riesling oder Spätburgunder sortenrein. Dabei hat die Vermählung von guten ausgesuchten Weinen zu einem Cuvee nichts anrüchiges und man muss es nicht verbergen. Vielmehr ergibt sich hier eine Möglichkeit, wunderbares zu schaffen. Versteht es ein Kellermeister – ähnlich wie ein Dirigent – aus Solisten eine harmonische Einheit zu schaffen und die Stärken gezielt einzusetzen, so kann er auch in Deutschland spannende Cuvees kreieren. Das haben deutsche Winzer, nicht zuletzt mit interessanten modernen Markenweinen/Cuvees unter Beweis gestellt.  Auch moderne Weißwein-Cuvees aus Deutschland haben in den letzten Jahren enthusiastische Freunde unter den Weintrinkern gefunden. Es gibt also keinen Grund zur Skepsis gegenüber Cuvees aus Deutschland und das gilt für rot und für weiß.

Frank Schollenberger
Sommelier

Die Lieblinge des Reformators

Sachsen ist das östlichste Weinanbaugebiet und gehört mit seinen ca. 462 ha zu den kleinsten in Deutschland. Der Großteil der Rebfläche befindet sich im Elbtal um Dresden, Meissen und Radebeul, welches, bis zur Aberkennung 2009, den Titel UNESCO-Weltkulturerbe führen durfte. Darüberhinaus gibt es Weinbauinseln, welche sich in Jessen in Sachsen-Anhalt und in Schlieben in Brandenburg befinden. Besonders bekannt sind die Weine vom Jessener Gorrenberg in der Nachbarschaft von Lutherstadt Wittenberg. Diese Weine wusste im 16. Jahrhundert schon Reformator Martin Luther, der seine Thesen an die Kirchentür von Wittenberg nagelte, zu schätzen.

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In der DDR war die Region um Jessen mit seinem Kleinklima für Obstbau bekannt und versorgte die Hauptstadt auch mit Pfirsichen. Der wichtigste Erzeuger von Wein ist heute das Weingut Hanke, welches 1994 mit seiner Gründung die alte Weinbautradition fortsetzte. Seit Generationen Obstbauern, bewirtschaftet die Familie heute 15 Hektar Weinberge. Die Brüder kultivieren auf dem legendären Jessener Gorrenberg 6 weiße und 5 rote Rebsorten. Besonders gut geraten Rebsorten wie Scheurebe, Traminer, Riesling und Kerner. Ein Highlight sind die restsüßen Weine und der Riesling „Alte Reben“, der von bis zu 70 Jahre alten Rebstöcken stammt. Das ist um so erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass der Weinbau rund um Jessen einige Rückschläge verkraften musste und vor einigen Jahrzehnten fast zum Erliegen gekommen war. Schon im 13. Jahrhundert wussten die Antoniter Mönche die Qualität der Weine vom Gorrenberg zu schätzen. Seinen Höhepunkt erreichte der Weinbau an der Elster um Jessen im 15. und 16. Jahrhundert als die Rebfläche auf beachtliche 300 Hektar anwuchs. Dann erfolgte ein stetiger Niedergang und die Rebfläche schmolz auf kümmerliche 1,25 Hektar nach dem 2. Weltkrieg zusammen. Einige wenige Enthusiasten hielten als Hobbywinzer die Weinbaufahne hoch und produzierten für den Eigenbedarf. Heute sind die Weine eine interessante Spezialität aus Sachsen.

Frank Schollenberger
Sommelier

Der Grundstock

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Der Duden sagt: anfänglicher Bestand, auf dem aufgebaut werden kann. Oder auch Hilfsgut – aus Lebensmitteln, Kleidungsstücken, Medikamenten bestehender Grundstock, Grundbestand. Er kann aber auch ein Hauptwerk eines Künstlers sein. Auf diesen roten Grundstock aus Rheinhessen trifft das fast alles zu. Er kann helfen, ist ein Anfang, bestimmt ein wichtiges Werk und kann vermutlich auch seelische Not lindern. In Zeiten, in denen deutscher Rotwein populär ist, haben sich drei Männer zusammengetan, um einen Projektwein zu machen. Das sind der vinophile Kommunikationsexperte Till Wagner, der in der Weinszene durch sein Projekt „Magnum cum Laude“ kein Unbekannter ist; Mike Ries, der als langjähriger Kreativ-Direktor mit Dutzenden von Auszeichnungen für die Gestaltung der neuartigen Verpackung verantwortlich ist; und natürlich nicht zuletzt der Winzer Stefan Lutz, der die Idee zu einem Wein hatte, wie er ihn selbst gern trinkt: kräftig, aber samtig-weich, trocken und trotzdem süffig, unkompliziert, aber alles andere als banal.

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Stefan ist Winzer mit Leib und Seele und ist immer im Einsatz für den guten Geschmack. Er kennt die Weinbergslagen um seinen Heimatort Bechtolsheim und weiß, was er braucht, um einen guten Wein zu machen. Die drei verbindet die Leidenschaft Wein. Durch ihre Talente ist ein Cuvee mit zeitgemäßer und praktischer Ausstattung entstanden. Der Inhalt macht richtig Spaß, denn das, was die Drei in die Flasche gebracht haben, schmeichelt dem Gaumen. Für den unkomplizierten Genuss sorgt ein Cuvee von Spätburgunder-, Dornfelder-, St. Laurent- und Portugiesertrauben vom Petersberg in Bechtolsheim. Im Glas präsentiert sich rotfruchtiger Samt mit Anklängen dunkler Kirschen und vanilliger Gewürznoten mit einladendem Trinkfluss, der Profis und Liebhaber inspiriert. Das Cuvee  ist in der Weihnachtszeit zu kräftigen Fleischspeisen, Käse und Wild zu empfehlen. Er ist aber auch ein großartiger Begleiter für lange nächtliche Debatten mit Freunden.

Frank Schollenberger
Sommelier

Neues aus dem Biervana II

Das letzte Wochenende war ja recht ereignisreich. Am Samstag haben wir die liebevoll gehegten 5 Rebstöcke der Weinhandlung Schollenberger in die Hände der Rebstock-Paten gegeben, dann holte Hansa in der 92. Minute doch noch einen Punkt und am Sonntag gehörte die BioErleben in Warnemünde zum Pflichtprogramm. Das Wochenende habe ich dann, mit dem Blick auf das aufziehende Gewitter am Sonntagabend, mit einem Malty Brown Ale der Loch Ness Brewery ausklingen lassen. Wirklich ein sehr schönes kastanienbraunes Bier mit Aromen von Whisky-Malts, getrockneten Waldbeeren, schwarzem Novemberholz, Seetang, Lakritze, Balsamico, Kakaobohnen, Teer, dunkler Schuhcreme und gebratener Blutwurst. Grandios auch der trockene dunkle Nachhall mit rauchigen Noten.

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Ich war sehr froh, als mir bewusst wurde, dass wir von diesem Stöffchen noch einige Flaschen auf Lager haben. Meine Freude darüber war dann aber nur von kurzer Dauer, da mich drei Tage nach der Probe eine Hiobsbotschaft erreichte.
Dieses spannende Bier wird in der schottischen Loch Ness Brewery in Drumnadrochit am Loch Ness gebraut. Die Brüder Allan und Stephen Crossland betreiben hier, als passionierte Bierliebhaber, das Benleva Hotel und veranstalten das älteste Bierfest in den Highlands. Irgendwann beschlossen Sie, ihren Hotelpub mit eigenem Bier zu versorgen und installierten eine eigene Mikrobrauerei. Eine große Hilfe bei der Verwirklichung dieses Planes war Angus MacRuary von der Isle of Skye Brewery. Im Januar 2011 wurde dann das erste Bier gebraut. Aus der kleinen Brauerei kamen in der Folge traditionelle Biere, aber auch abenteuerliche Experimentalsude. Und so verließen legendäre Biere wie DarkNess, MildNess, WilderNess, LightNess, SmokieNess, MadNess und Prince of DarkNess die kleine Braustädte der beiden schottischen Bierliebhaber. Da sich diese Biere einer immer größer werdenden Beliebtheit erfreuten und die Fangemeinde immer größer wurde, musste man sich vergrößern und zog mit der Produktion 150 Meter weiter die Straße hinauf. Im Frühsommer diesen Jahres wollten die britischen Steuerbehörden den beiden Brauern dann einen Besuch abstatten und fanden die Brauerei nicht an der alten Adresse vor. Die Brüder Crossland hatten nun ein richtig großes Problem, hatten sie doch vergessen, ihren Umzug bei den Behörden anzuzeigen und eine neue Lizenz zu beantragen.
Und wie man ja weiss, sind diese Behörden ziemlich humorlos. Das dicke Ende vom Brauerglück kam dann mit der Beschlagnahmung der neuen Brauanlage, da man von Amtswegen nach dem Umzug von einer illegalen Braustätte ausging. Die ganze Sache war dann wohl nicht mehr zu reparieren. Die Anlage wird nun von den Behörden versteigert und die beiden Brauer-Brüder dürfen kein Bier mehr brauen. Das heißt, die Biere wird es wohl in der Form und Qualität, wie wir sie jetzt schätzen und  noch auf Lager haben, nicht mehr geben. Die Biere der Loch Ness Brewery sind nun dadurch eine interessante Rarität für Genießer und Sammler.

Frank Schollenberger
Sommelier