Roter und weißer Sauser

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Für Weinliebhaber gehört er mit dem Zwiebelkuchen zum Herbst wie Erntekrone und Pilze. Die Rede ist vom neuen Wein. Dieser prickelnde, unfertige, oft noch süße Schäumer hat viele Namen. Am gebräuchlichsten ist die Bezeichnung Federweißer oder Federroter, aber auch Sturm und Sauser sind geläufig. In einigen Regionen bestellt man auch einen Bremser, Rauscher oder Bitzler. Der neue Wein ist kein fertiger Wein. Er ist ein unfiltrierter Traubenmost, bei dem die alkoholische Gärung gerade eingesetzt hat. Je nach Gusto kann man ihn mit viel Süße und wenig Alkohol oder mit wenig Süße und viel Alkohol geniessen. Durch die Hefen, welche mit der alkoholischen Gärung beschäftigt sind, ist er immer in Wallung. Den Prozess kann man durch Kühlung hinauszögern. Da die Hefen den Zucker fressen und dann Alkohol und Kohlendioxid ausscheiden, wird empfohlen, die Flaschen oder Kanister nicht vollends zu verschliessen, so kann das Gas entweichen. Und es kommt nicht zu Bombagen. Ein liegender Transport kann auch nicht empfohlen werden. Hier hat man dann durch klebriges Auslaufen einen erheblichen Schwund zu beklagen. In der Regel werden frühe Rebsorten, die oft schon Anfang September geerntet werden, verwendet. Die beliebtesten Rebsorten für Spezialisten sind Siegerrebe, Ortega und Bacchus. Einige Erzeuger, die aus ihren hochwertigen Rebsorten große Weine und Prädikatsweine erzeugen, halten sich zum Thema Federweißer zurück. Sie haben bei fertigen Prädikatsweinen einen wesentlich besseren Ertrag. So kommt es, dass der weinselige Tourist in der Rüdesheimer Drosselgasse oft keinen Rheingauer Federweißen trinkt. Hier wird dann ein günstiger Sauser aus der Pfalz feilgeboten. Die Wirkung ist am Ende die gleiche. Mit etwa 4% Alkohol wird der Neue ins Rennen geschickt; er kann dann seinen Alkoholgehalt durch die fleißig arbeitenden Hefen auf bis zu 11% erhöhen. Bei Kühlung arbeiten die Hefen langsamer oder stellen ihre Arbeit ein. Oft wird der süße wohlschmeckende Schäumer, was seinen Alkoholgehalt betrifft, unterschätzt, da die Süße den Alkohol kaschiert und auch beim Trinken die Arbeit der Hefen im Glas oder in der Flasche weitergeht. Der neue Wein enthält zudem Milchsäurebakterien und viel Vitamin B1 und B2. So regt er den Darm in seiner Arbeit an und befördert die Peristaltik.

Frank Schollenberger
Sommelier

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Die Sachsenkeule

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Nein, die Sachsenkeule ist keine Variante des Sax, mit dem im frühen Mittelalter sächsische und andere nordische Krieger ihre Feinde traktierten. Die Sachsenkeule ist vielmehr die gebietstypische Flaschenform des sächsischen Weinlandes an der Elbe. Die keulenförmige Flasche wurde im Jahre 1931 als Markenzeichen ähnlich dem fränkischen Bocksbeutels und der Rheingauflöte vom damaligen Betriebsleiter des Weingues Hoflößnitz in Radebeul und Landwirtschaftsrat der Önologie, Carl Pfeiffer, entwickelt. Der 1872 in Namslau geborene Gärtner Pfeiffer erhielt 1912 ein Angebot des Rebschulvereins Meißen, Fachlehrer für Obst- und Weinbau zu werden. In der Folge rebte Pfeiffer mit Hilfe resistenter Pfropfreben die durch die Reblausplage gebeutelten Weinberge wieder auf. Im Jahre 1916 wurde er dann Leiter der Rebveredlungsstation, aus der dann 1927 die Weinbau-Versuchs- und Lehranstalt hervorging. Besonders verdient machte er sich um die Steigerung der Qualität des sächsischen Weinbaus als Leiter des Weinbauverbandes und als Chef der sächsischen Weinbaugenossenschaft, aus der 1955 die sächsische Winzergenossenschaft Meißen hervorging. Hier in der Genossenschaft pflegt man heute mit den Weinen in der Sachsenkeule das pfeiffersche Andenken. Die 1500 Genossen in Meißen füllen ihre auf 135 ha erzeugten Weine fast ausschließlich in der markanten an Kegel erinnernden Sachsenkeule ab. Neben der Tradition der Sachsenflasche erhalten und pflegen die Mitgliedswinzer der WG Meißen auch die landschaftsprägenden Weinbauterrassen im Elbtal. Zu den bemerkenswertesten Lagen gehören hier der Proschwitzer Katzensprung, der Radebeuler Goldene Wagen und der Pillnitzer Königliche Weinberg. Hier in diesen Lagen, wo Goldriesling, Bacchus, Kerner, Müller-Thurgau, Riesling, Scheurebe, Morio-Muskat, Traminer, Grau-, Weiß- und Spätburgunder sowie Dornfelder, Portugieser, Domina und Schwarzriesling wachsen, überwiegen Granitverwitterungs- und Lößböden. Der durchschnittliche Ertrag liegt hier in den sächsischen Weinbergen bei geringen 40 hl/ha und sorgt so für interessante Qualitäten, die sich filigran mit Eleganz und anregender Säure präsentieren.

Frank Schollenberger
Sommelier

Nachhaltig unter Segeln transportierter Wein zur Hansesail 2017

 

Nun ist es endlich geschafft – die Bioweine von der Domain Boucabeille in Frankreich wurden gestern, am Mittwoch den 12. Juli, nach großen Anstrengungen, in Le Havre auf die Schonerbrigg „Tres Hombres“ verladen und haben mit Windkraft ihre Reise nach Rostock angetreten. Über die Stationen Den Helder in den Niederlanden, Kopenhagen und Bornholm in Dänemark kommt unser Hansesail-Wein dann voraussichtlich unbeschadet zur Sail in Rostock an. In Den Helder übernimmt dann der Segler Nordlys (norwegisch für „Nordlicht“) den Wein und bringt ihn nach Rostock. Diese Weine werden dann auf der Hansesail im Fairtradebereich im Stadthafen und auf unseren Ausfahrten mit der Kehrwieder am 10. August (Dampfboot) und am 11. August (Winzerboot) von uns ausgeschenkt. Außerdem gibt es diese limitierten Weine dann auch in den Schollenbegerschen Weinhandlungen in Bad Doberan und Rostock. Die „Tres Hombres“ ist eine Schonerbrigg mit bewegter Geschichte, die 1943 auf der Burmester-Werft in Swinemünde auf Usedom gebaut wurde und nun im emissionsfreien Frachtdienst Waren transportiert. Die drei Freunde, welche das Projekt stemmen, wollen so die wirtschaftliche Lebensfähigkeit des nachhaltigen Transportes unter Segeln beweisen. Im Moment werden mit der Tres Hombres und der Nordlys zwei Segelschiffe durch die Partenrederij Tres Hombres S.A. für den Transport eingesetzt. Die Tres Hombres ist das einzige Segelschiff, welches im Frachtverkehr zwischen Europa und der Neuen Welt, im Liniendienst, unterwegs ist. Für uns als Weinhändler ist neben der Nachaltigkeit auch die Frage einer besonderen Reifung des Weins sehr interessant. Denn Bewegung beschleunigt den Prozess der Reifung bei Wein und Spirituosen. Auf dem Segelschiff herrscht durch die Dünung ja eine ganz besondere Bewegung, bei der wir hoffen, dass sie den Wein besonders geschmeidig macht. Wir als Weinhandlung Schollenberger sind sehr gespannt und freuen uns auf diese interessanten roten und weißen Tropfen zur Hansesail 2017 im Rostocker Stadthafen.

Frank Schollenberger
Sommelier

Domaine Boucabeille

Der Wein von Jean Boucabeille – Domaine Boucabeille

„Es hat irgendwann aufgehört zu regnen“, das war eine der kurzen und prägnanten Informationen, die uns Jean Boucabeille über seine Arbeit gab, als wir ihn 2011 auf der großen Bioweinmesse in Montpellier kennenlernten.
Jetzt wird das Wetter schön, denkt man. Für Jean Boucabeille verbarg sich hinter dieser freundlichen Aussage allerdings eine schwere Realität. Für die Winzer des Roussillon hatte es nämlich schon vor 3-4 Jahren aufgehört zu regnen. Seitdem sind die Regenfälle bis auf wenige Ausnahmen ausgeblieben, bzw. wenn sich das Wetter mal anschickte, regnerisch zu werden, goss es gleich wie aus Eimern. So wie im Sommer 2011, wo der so wichtige Boden einfach weggespült wurde. Die schon immer geringen Erträge der knorrigen Reben auf den kargen Schieferböden haben sich in den vergangenen Jahren noch einmal mehr als halbiert. Nur 15-20 hl Wein je Hektar werden hier erwirtschaftet. Vor einigen Jahren waren es noch doppelt soviel. Davon konnte man gut leben, sagt Jean Boucabeille, und das war wohl auch die Idee als er vor einigen Jahren das Weingut von seinem Vater übernahm und seinen erlernten Beruf an den Nagel hing.
Der Vater Régis Boucabeille betrieb das Weingut eher als enthusiastisches Hobby, verdiente sein Geld aber in der freien Wirtschaft. Régis rekultivierte in mühevoller Handarbeit Ende der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts sein frisch erworbenes Land. Er hatte sich schlicht in den Boden, in die Landschaft und in den weiten Blick auf das am Horizont sichtbare Meer verliebt. Aber zurück in die Gegenwart: angesichts der dramatisch niedrigen Erträge sind die Weine noch gehaltvoller geworden und sind von ungestümer Aromenvielfalt. Die Rebflächen befinden sich terrassiert auf den steilen Hängen des Forca Réal in der Nähe von Perpignan. An eine maschinelle Bewirtschaftung der maximal 40 Jahre alten Reben ist gar nicht zu denken. Hier wird konsequent biologisch gewirtschaftet und es entstehen im wahrsten Sinne des Wortes feine, reine Winzerweine in Handarbeit.

Cabernet Blanc – eine PIWI

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Der Cabernet Blanc ist eine sehr junge Rebsorte und heute besonders bei Winzern, die biologisch oder naturnah arbeiten, beliebt. Denn die 1991 vom Schweizer Valentin Blattner aus Cabernet Sauvignon und einem Resistenzpartner gezüchtete Rebsorte gehört zu den PIWIs. Dies sind Rebsorten, die besonders pilzwiederstandsfähig sind und dadurch nicht mit Pflanzenschutzmitteln traktiert werden müssen. Die ersten pilzwiederstandsfähigen Rebsorten sind zur Wende vom 19. auf das 20. Jahrhundert in Frankreich entstanden. Man hat sich hier die Krankheits- und Reblausresistenz der amerikanischen Reben zu Nutze gemacht. Diese wurden mit der Weinqualität der klassischen europäischen Reben durch Kreuzung vereinigt. Die Hoffnung, dass diese neuen Reben auf eigenen Füßen/Wurzeln stehen könnten, erfüllte sich jedoch nicht. Vielmehr handelt es sich um Pfropfreben, bei denen die Amerikaner die Unterlage bilden. Nach 1950 entstanden sehr komplexe neue Züchtungen, die Ergebnis eines Jahrzehnte wehrenden Züchtungsprozesses mit mehrfachen Rückzüchtungen sind. Diese Rebsorten zeigen eine hohe Wiederstandsfähigkeit gegen den Echten und Falschen Mehltau und bringen – bestätigt durch die offizielle Sortenprüfung – gute Weinqualitäten im Qualitätsweinbau hervor. Außerdem schonen sie die Umwelt, da auf das Spritzen mit Pflanzenschutzmitteln verzichtet werden kann. Der Cabernet Blanc als weiße PIWI-Sorte bietet dem Winzer diese Vorteile und bringt dabei interessante Weine hervor, die in ihrer Typizität an Sauvignon Blanc und Riesling erinnern. Außerdem besitzt die Rebe ähnlich wie Riesling eine gute Winterfrosthärte. Ein kleiner Nachteil ist die Anfälligkeit der Blüten gegen Verrieseln. Für einen Weißwein zeigt der Cabernet Blanc einige interessante Aromen, welche er seinem Kreuzungspartner Cabernet Sauvignon zu verdanken hat. Dies sind rote Aromen von schwarzer Johannisbeere und Paprika dazu kommt ein Fruchtspiel von Stachelbeere, Kiwi, Aprikose, Zitrusfrüchten und Äpfeln. Das Ganze erhält Spannung durch eine spannende Mineralität und eine gute erfrischende Säurestruktur. Ein gutes Beispiel für diesen modernen Wein ist der Cabernet Blanc von den Weinschwestern aus Löwenstein. Der Wein vom Wohlfartsberg ist eine abenteuerliche Geschmacks-safari für den Gaumen und ein großartiger Begleiter durch den Sommer. Ein weiterer Tip ist der Cabernet Blanc vom Weingut Hof Lößnitz in Radebeul. Im Besitz der sächsischen Stadt und mit einer großen Tradition für den Weinbau seit 1401 arbeitet hier das einzige Bioweingut Ostdeutschlands.

Frank Schollenberger
Sommelier

Trollinger – Der blasse Schwabe

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Seit dem 14. Jahrhundert ist diese Rebsorte in den Weingärten Deutschlands nachgewiesen. In Italien, außer in Südtirol,  ist sie unter dem Namen Schiava bekannt. In Südtirol wir sie als Vernatsch bezeichnet. Beim Gemüsehändler als Tafeltraube und im Gartencenter als Zierde für den Obstgarten wird sie als Black Hamburg verkauft. In Deutschland wir dieser Wein fast ausschließlich nur im Württembergischen angebaut und ist hier der beliebte süffige Nationalwein der Schwaben. Von Weinsnobs oft missachtet oder unterschätzt, ist er für die Schwaben ein flüssiges Kulturgut. Und es ist noch nicht so lange her, da musste man sich als Weinfreund über jeden Liter Trollinger freuen, der die schwäbischen Landesgrenzen überschritt und nicht im Ländle von der alemannischen Urbevölkerung selbst getrunken wurde. Der Trollinger ist eine Traube, die in der Regel einfache Zechweine hervorbringt und oft mit einer Süße ausgebaut wird, die ihm eine gewisse Süffigkeit verleiht. In der Farbe ist dieser Rotwein so zart, dass er gelegentlich böswillig als Rose bezeichnet wird. Aber es steht außer Frage, dass ein anständiger Trollinger, der sich robinrot im Glas präsentiert, mit seiner knackigen Säure viel Spass als frischer und saftiger Begleiter durch eine lange Nacht machen kann. Und auch gekühlt im Sommer bei der Grillparty ist der Trollinger eine gute Wahl. Um einen anständigen Wein zu erzeugen, ist bei der wuchsfreudigen Rebsorte mit Frostanfälligkeit eine extreme Ertragsreduzierung erforderlich. Eine eigenständige Spielart, mit zartem Muskatton ist die Sorte Muskattrollinger. Hier gibt es interessante filigrane Weine zu entdecken, die rech selten sind. Im Anbau ist sie aber noch anspruchsvoller als der große Bruder. In württembergischen Weingärten wird der Trollinger mit großer Hingabe angebaut. In anderen Regionen Deutschland wird diese Liebe wohl auch wegen der sehr späten Reife nicht geteilt. Hier setzt man dann in den guten Lagen auf den früher reifenden Riesling. Die Urheimat des Trollingers ist mutmaßlich Tirol. Hierauf lässt der Name schließen. Aus Tirolinger wurde durch Verkürzung oder Maulfaulheit Trollinger. Es gibt aber auch einige Gelehrte, die davon ausgehen, dass die Römer den Trollinger schon im Gepäck hatten und ihn mit an den Rhein brachten. Sehr wichtig ist der Trollinger auch als Kreuzungspartner bei der Zucht neuer Rebsorten. Unter  den Fittichen  des  bekannten Züchters August Herold ist er Elternteil von so erfolgreichen Rebsorten wie Helfensteiner und Kerner.

Frank Schollenberger
Sommelier

Gin(voll) geniessen

Magellan Blue Gin – Frankreich

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Magellan Blue Gin hat das, was andere große Marken nur vorgaukeln. Er ist durch den Einsatz von Isop-Extrakt blau. Dieser vierfach gebrannte Gin mit 12 Botanicals stammt aus Frankreich und wird auf der Domaine Logis d’Angec in der Region Cognac erzeugt. Hier nutzt man die Zeit, in der man keinen Cognac brennen darf, um mit viel Erfahrung diesen großartigen Gin zu brennen. Basis für diesen außergewöhnlichen Gin, der den Namen des für die Spanische Krone segelnden Seefahrers Magellan trägt, ist das weiche Wasser der Region. Botanicals wie Gewürznelken, Wurzeln und Blüten der Schwertlilie, Paradieskörner, Cassia-Gewürzrinde, Zimt, Kardamon, Koriander, Orangenschale, Lakritz und Muskat sind eine Reminiszenz an den Seefahrer und Entdecker. Der weiche aromatische Gin, der von Wacholder und Zitrus geprägt ist, wird nur in kleinen Mengen erzeugt und ist daher eine gesuchte Rarität für Liebhaber. Er hat seinen Platz in vielen Bars zu Recht gefunden. In der Nase und am Gaumen zeigt sich dieser Gin harmonisch mit Gewürz- und Wacholdernoten, die durch frische Zitrusaromen gestützt werden. Nicht nur durch seine zarte blaue Farbe ist Magellan ein ganz besonderer Gin …

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Der Frühling aus der Flasche

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Die Lage Baßgeige in Baden ist vielen Weinfreunden ein Begriff für Burgunder. Oft wird die Frage gestellt, woher der Name dieser Kaiserstühler Lage stammt. Und tatsächlich ist der Name keine Erfindung von Werbestrategen. Gern wird im Ort Oberbergen von den Winzern erzählt, dass die Lage von der gegenüberliegenden Seite des Tales wie eine liegende Baßgeige aussehen soll. Ich habe es versucht, die Baßgeige zu erkennen. Doch selbst nach reichlichem Genuss von Baßgeigenwein konnte ich eben diese, auf den Hängen vulkanischen Ursprungs, nicht erkennen. Die Namensgebung erfolgte dann wohl vor der Fluhrbereinigung. Neben klassischen Burgundern steht die WG, in der Nachbarschaft des Restaurants „Schwarzer Adler“ seit 1994 für einen der ersten Frühlingsweine. Hier im modernen Keller der Genossen schafft es Kellermeister Schupp Jahr für Jahr, den Frühling einzufangen und in Flaschen zu füllen. Der Frühlingsbote Müller-Thurgau stammt aus erstklassigen Parzellen des inneren Kaiserstuhls. Dieser wird temperaturgesteuert vergoren und mit einem Hauch von Gärungskohlensäure abgefüllt. Der Bote des Frühlings präsentiert sich frisch und fruchtig mit Anklängen exotischer Frucht und floralen Frühlingsnoten. Dieser moderne Wein macht einfach Spass und begeistert den Wein-Freak und den ungeübten Einsteiger gleichermaßen. Der Frühling aus der Flasche ist ein Alleskönner. Mit ihm kann man sich den Frühling schon im Februar nach  Hause holen. Er schmeckt zur leichten Küche, lässt Fisch schwimmen, macht Spass mit Freunden, überzeugt beim Empfang und ist ein zuverlässiger Begleiter durch die Spargelzeit. Der Frühlingsbote war einer der ersten deutschen Weine zum Thema Frühlingswein und ist als „Vater aller Frühlingsweine“  Inspiration für viele andere Weine geworden.  Aber auch nach 22 Jahren hat er nichts von seiner Anziehungskraft verloren. Den flüssigen Frühling gibt es in der DWI Riesling Lounge im Carlo am Stadthafen und in den Geschäften der Weinhandlung F. Schollenberger in Bad Doberan und Rostock.

Frank Schollenberger
Sommelier

Gin(voll) geniessen

So, nun hat uns die Ginomania mit voller Wucht erreicht und auch der letzte Dorfkrug in Mecklenburg, dem man ja nachsagt, es würde 50 Jahre später als der Rest der Welt untergehen, springt auf den Gin-Bummelzug auf und glänzt mit einer Gin-Auswahl.

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Ich will ja nicht klugscheißen, aber unser kleines Stadtmagazin hatte das Thema Gin schon im Januar 2008 auf dem Schirm. Tatsächlich wurden wir damals von vielen Propheten belächelt, die Gin neben Whisk(e)y und Rum nicht für interessant und salonfähig hielten. Doch aller Unkenrufe zum Trotz, veranstalteten wir ein Gintasting und beleuchteten das Thema Gin im 0381-Magazin. Der eine oder andere Leser und Teilnehmer wird sich sicher noch lebhaft an das legendäre Tasting im heute leider geschlossenen Goodfellas erinnern.
Wir haben bei 0381 lange überlegt, ob wir nun, wo der Gin-Hype schon fast hysterische Züge annimmt, nochmal in den Ring steigen und etwas zum Thema Gin schreiben müssen. Und wir sind zu dem Schluss gekommen, ja wir müssen, den G(S)in(n) macht es alle Mal, sich mit diesem spannenden Thema nochmal eingehend zu beschäftigen. Das ist dann also der Start einer neuen Reihe im 0381 Magazin. Es gibt tatsächlich links und rechts eine Menge Neues zu entdecken und man wird immer wieder aufs Neue überrascht von der großen Vielfalt der angebotenen Wacholderspirituosen. Tatsächlich sind Gin und sein holländischer Vorläufer Genever ein Klarer mit Wacholder aromatisierter Brandwein, dessen Basis oder Ausgangsprodukt nicht klar definiert ist. In der Regel ist das Ausgangsprodukt ein unkompliziert herzustellender Neutralalkohol. Heute gibt es aber auch Produkte wie „Windspiel“ auf Kartoffelbasis und „Thompson‘s“ aus dem Bordeaux, die  auf Basis eines Weindestillates hergestellt werden. Aber auch der Gilt aus Schottland, der seine alkoholische  Basis,  ähnlich wie Whisky, gemälzter Gerste verdankt, soll hier nicht unerwähnt bleiben. Wie gesagt, in Holland wurde wohl der erste Genever hergestellt. Aber erfunden hat den Wacholderschnaps, zur medizinischen Anwendung, ein Deutscher. Nämlich der in Hanau geborene Dr. Francois de la Boe. Dieser war in Amsterdam und Leiden in Holland als Arzt tätig. Der Doktor war Begründer der naturwissenschaftlich arbeitenden Medizin und klinischen Chemie. Auch war er einer der maßgeblichen Vertreter, die das von William Harvey propagierte Konzept des Blutkreislaufs vertraten. Mit dem gleichnamigen Gin wurde ihm, von einem schottischen Unternehmen, eine flüssiges Denkmal gesetzt. Neben Wacholder, dessen botanischer Name Juniperus ist, werden heute weit über hundert Zutaten zur Ginherstellung verwendet. Es gibt heute fast puristische Gins, die mit drei Gewürzen auskommen, aber auch solche, bei denen sich die Hersteller beim gegenseitigen Überbieten der Anzahl der verwendeten sogenannten Botanicals fast überschlagen. Unentbehrlich ist der namensgebende Wachholder, der oft begleitet wird von Koriander, Ingwer, Muskat, Orangen- und Zitronenschalen …
Zur Aromatisierung sind zwei Verfahren üblich und bewährt. Bei dem einen werden die aromagebenden Gewürze im Neutralalkohol mazeriert und dann noch mal gebrannt. Oder es wird gegeistet. dass heißt, man leitet bei einer zweiten Destillation des Grundalkohols die Destillationsdämpfe über die Gewürze und aromatisiert so.
Nachdem Cromwell den Stuartkönig vertrieben hatte, holte man Wilhelm III. von Oranien-Nassau 1698  als König nach England. Dieser besteuerte französischen Brandwein und stellte die Produktion von Wacholderschnaps, der zusammen mit Söldnern, welche im Spanisch – Holländischen Krieg gedient hatten, auf die Insel kam, von Steuern  frei. 1690 wurde festgelegt, dass Gin nur aus englischen Getreide hergestellt werden durfte. Dies war der Startschuss für den Gin, der in der Folge noch einige interessante Spielarten hervorbrachte und eine nicht unwesentliche Rolle in der weiteren Geschichte des Vereinigten Königreiches spielte und heute in aller Welt groß in Mode ist.
In dieser Reihe möchten wir einigen Gin-Spezialitäten, die es verdient haben, Tribut zollen und diese vorstellen. Zum Start haben wir uns drei Musketiere vom britischen Archipel vorgenommen. Weitere (G)inspirationen folgen in der nächsten 0381.

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Rock Rose (Schottland)
Fast am Ende der Welt, genauer gesagt im Nordosten Schottlands, befindet sich auf der Halbinsel Caitness, mit der Dunnet Bay Distillery, die nördlichste Brennerei auf dem schottischen Festland. Hier wird von Claire und Martin Murray mit einem hohen Qualitätsanspruch der Rock Rose Gin erzeugt. Neben dem unvermeidlichen Wacholderbeeren wird dieser Gin vor allem durch Rosenwurz und Sanddorn geprägt, welche an der brandungszerklüfteten Felsenküste wachsen. Das zarte frische Rosenaroma des Gins wird durch die Wurzeln des Rosenwurzes hervorgerufen. Diese Wurzel wussten schon die Wikinger zu schätzen und hofften, von ihm Bärenkräfte und ein langes Leben zu erhalten. Neben der Distille der Murrays gibt es auf der Halbinsel noch eine zweite Destille. Diese darf sich seit 2013 als nördlichste Whiskydestille des schottischen Festlandes rühmen. Außerdem wusste auch Queen Mum, welche aus Schottland stammte, die Abgeschiedenheit der Region zu schätzen. 1952 kaufte sie das Castle of Mey (früher Barrogill Castle) und machte es zu ihrem Sommersitz. Prinz Charles teilt die Zuneigung seiner Großmutter zu dieser Region und weilt in jedem Jahr eine Woche Anfang August hier. Unter dem alten Namen Barrogill Castle gibt es auch eine königliche Whiskymarke. Queen Mum, 1900 geboren, wurde im übrigen 101 Jahre und behauptete von sich, dass sie jeden Tag ein Glas Gin trinken würde. Und das sie diesem, unter anderem, ihre gute Kondition zu verdanken hätte. Das sind für ambitionierte Gin-Trinker natürlich großartige Aussichten.

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Miller‘s dry Gin (England & Island)
Dieser Gin war schon 2008 bei unserem Tasting im Goodfellas mit im Rennen. In einer über 100 Jahre alten Brennblase in London werden die mutmaßlichen acht Grundstoffe, zu denen auch Gurken – Extrakt gehören soll, verarbeitet. Dann wird das Destillat nach Island verschifft, um hier mit Hilfe von arktischen Gletscherwasser auf Trinkstärke von 40 % verdünnt zu werden. 1999 geht Martin Miller mit seinem Gin ins Rennen und beflügelt somit die Renaissance des Gins. Martin war sich bewusst: „Gin ist kein langweiliger Neutralgeist, Gin ist vor allem das verführerischste der Getränke. Und dieses Getränk ist nicht nur Geschichte im Glas sondern auch Romantik und Abenteuer“. Daher musste Martins Gin etwas Besonderes sein. Neben Wacholder aus der Toskana,  Cassia-Rinde aus China, Angelika, Florentiner Iris und dem Gurkenextrakt ist das Geheimnis Gletscherwasser aus Island. Die Isländer sind überzeugt, dass endmineraliesiertes Wasser seine Lebenskraft verloren hat und bezeichnen es als totes Wasser. Isländer glauben bis heute, dass Elfen und Geister in allen Dingen leben, sie nennen sie „die verborgenen Menschen“. Sie werden mit großem Respekt behandelt. Sie leben in Felsen, Höhlen und natürlich im Wasser. „Das ist nicht der einzige Grund, warum dieses Wasser verwendet wird. Nicht nur die Feen leben darin, sondern es ist das reinste und weicheste Wasser auf der Erde. Deshalb wird der Miller‘s Gin 1500 Kilometer von London nach Island transportiert, um dieses Wasser hinzuzufügen. Miller‘s ist ein grandioser Gin der sich frisch wie ein erwachender isländischer Frühlingsmorgen präsentiert und pur und im Mix mit Tonic die Feen singen lässt.“

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Thin Irish dry Gin (Irland)
In Irland findet im Moment eine Whiskeyrevolution statt und die Gintrinker profitieren davon. Denn die, nun mehr als 20 Brennereien, die eine Lizenz zum Whiskybrennen haben, überbrücken die Wartezeit bis zu ihrem ersten gereiften Whisky mit der Produktion und dem Verkauf von Gin. Und was da so auf den Markt kommt und seinen Weg auch nach Deutschland findet, ist aller Ehren wert. Kaum auf den Markt, wird Thin Gin bei den Irish Whiskey Awards, mit seinen 17 Botanicals, schon zum besten irischen Gin des Jahres 2015 gewählt. Thin ist ein fruchtig-duftiger Dry Gin der „Böse Jungs & Mädchen“ anspricht. Im Vordergrund überzeugen Orangen- und Zitrusnoten, die den Wacholder sowie Apfel, Rainfarn, Thymian, Beifuß, Holdunderblüte, Weißdornblüten, Orangenblüten, Melisse, Limette, Rotklee und Weißklee super einbinden. Der Gin wurde nach dem amerikanischen Lebemann Isaac Thin benannt. Dieser war ein Freund der Ur-Großmutter der heutigen Besitzerin der Blackwater Spirits Company und lebte lange in Waterford. Als Isaac Thin nirgendwo jenen exquisiten Gin finden konnte, den er in Paris während eines nachmittäglichen Tete-a-tete mit der Frau eines österreichischen Grafen genoss, beschloss er, seinen eigenen Gin zu erschaffen. Während er sich in Waterford vor rachsüchtigen Ehemännern verbarg, die ihm seine amourösen Abenteuer mit ihren Frauen nachtrugen, führte er dort seine Experimente mit Gewürzen und irischem Obst durch und kreierte seinen Gin. Er entschied sich für dreizehn Botanicals, eines für jede Frau, mit der er während seines Europa-Aufenthalts eine Affäre hatte.

Frank Schollenberger