GINOMANIA oder GIN(voll) geniessen

Wir hatten es im April ja versprochen uns weiter mit dem Dauerbrenner Gin zu beschäftigen und in loser Folge Wissenswertes rund um die Wacholderspirituose aufzuspüren und zu veröffentlichen.

Gin-Martin-Party

Das zehnjährige Jubiläum unseres ersten Gintastings für das 0381-Magazin im Januar des Jahres 2008 ist ist nun wirklich Grund genug, diesen Faden aufzunehmen und weiterzuspinnen.
Als das 0381-Gin-Kompetenzteam im damaligen Good Fellas ins Rennen ging, um sich dem Thema Wacholderspirituose zu nähren, war an den großen Gin-Boom in Deutschland noch kaum zu denken. Und Marken wie der 2010 ins Leben gerufene Monkey 47, welcher in Deutschland das Thema Gin maßgeblich beeinflusst hat, noch nicht am Start. Heute verlassen von dem Gin mit dem kleinen lustigen Affen auf dem Etikett täglich 25.000 Flaschen die Abfüllanlage und man kann wohl kaum noch von einer Craft-Distillerie sprechen. Der große Erfolg der Marke führte dann im Jahre 2016 dazu, dass der französische Spirituosenkonzern Pernod Ricard einen Mehrheitsanteil an der deutschen Brennerei Black Forest Distillers, welche die Gin-Marke Monkey 47 herstellt, übernimmt. Aktuell hat der Konzern das Produkt in sein Programm eingeordnet und macht den deutschen Gin global bekannt.
Im Jahre 2008 wurden beim 0381-Tasting einige Flaschen geöffnet, die noch heute die Herzen von Ginliebhabern höher schlagen lassen. Das Teilnehmerfeld bildeten folgende Produkte: Gillbey‘s Spezial, Blackwood‘s Vintage 2006 von den Shetland Inseln, Gordons Gin, Lion Heart Gin, Finsbury London Dry Gin, Plymouth dry Gin, Martin Miller‘s Gin, Tanquerry Gin, Brecon Gin aus Wales, The London Gin und Bombay Sapphire.
Bei diesem Tasting an der Ostsee waren schon alle wichtigen Gin-Gattungen mit an Bord.

London Dry Gin
Bei dieser Bezeichnung handelt es sich um keine Herkunftsbezeichnung. Es ist die Bezeichnung eines Stils, der in London geprägt wurde. Heute gelten für einen London Dry Gin strenge Herstellungsvorschriften. Die Aromen dürfen ausschließlich durch Destillation des pflanzlichen Ausgansmaterials bei einer zweiten Destillation gewonnen werden. Nach der zweiten Destillation darf nur Wasser zum Herabsetzen auf Trinkstärke hinzugegeben werden. Das Färben ist ausdrücklich nicht erlaubt. Der Zuckergehalt darf nicht mehr als 0,1g Zucker je Liter des Fertigerzeugnisses betragen.

Dry Gin
Auch dieser Gin darf nicht mehr als 0,1g Zucker je Liter enthalten. Hier sind die Regeln, welche das Aromatisieren betreffen, nicht so streng wie beim London dry Gin. Beim Dry Gin dürfen die Botanicals zu jedem beliebigen Zeitpunkt zugeführt werden, nicht nur vor der Destillation und auf einmal. Außerdem dürfen hier verschiedene naturidentische Farb- und Aromastoffe zugegeben werden, was beim London Dry Gin streng verboten ist. Gemeinsam ist Dry Gin und London Dry Gin die mindestens doppelte Destillation und das Verbot eines Zuckerzusatzes.

Old Tom Gin
ist die alte ursprüngliche Spielart des Gins. Diese Gattung darf gesüßt werden und bezeichnet daher einen grundsätzlich süßeren Styl. Die Bezeichnung ist nicht geschützt und kann daher beliebig verwendet werden.

Plymouth Gin
Hier ist die Herkunft aus der Marine- und Hafenstadt im Südwesten Englands gesetzlich geschützt. Er ist aber auch gleichzeitig ein Markennahme für den einzigen Vertreter dieser Gattung. Im Gegensatz zum London Dry Gin ist er nicht so stark wacholderlastig und zeichnet sich durch eine zarte fruchtige Süße aus, welche ihm eine vollmundige Anmutung verleiht.

New Westernstyle Gin
Unter dieser nicht offiziell geregelten Bezeichnung finden alle Gins ein Dach, die nicht in die anderen Sparten passen. Oft spielt hier nicht der Wacholder die erste aromatische Geige. Viele neue und exotische Vertreter werden hier eingeordnet.

Ginlikör
Der bekannteste Vertreter ist der Sloe Gin. Hier werden Schlehen und Saft verwendet, um einen gezuckerten Likör herzustellen. Der Alkoholgehalt liegt im Normalfall unter 25%. Beim richtigen Gin ist ein Mindestalkoholgehalt von 37,5% vorgeschrieben.

In Deutschland sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt mit Sicherheit aktuell weit über 200 alte und neue Ginmarken am Markt aktiv. Hier gilt der Stobbe Gin als älteste Marke. Die Geschichte der Marke reicht bis in das Jahr 1776 zurück. Im Danziger Raum war der Wacholderschnaps unter dem Namen Machandel populär. Im Jahre 2014 kaufte Uta Stobbe nach vielen Irrungen und Wirrungen die Marke für die Familie zurück und lies mit Hilfe der Brennerei Marder aus dem Schwarzwald die Marke wieder aufleben. Der Stobbe Gin überzeugt heute mit kräftigen Wacholdernoten, welche gekonnt mit einem fruchtigen Hauch von schwarzer Johannisbeere und Bergamotte zu einem Gin nach London Dry Art kombiniert wurden.
Auch im Nordosten tut sich etwas und es gibt zwischen Usedom und dem
Schaalsee den einen oder anderen spannenden Wacholderschnaps zu entdecken. Hier haben sich Produkte wie der Müritz Gin, Blücher oder der Oss aus der seit 2010 aktiven Rittmeister Destille in Rostock-Biestow einen Namen bei Ginfreunden gemacht. Dieses Thema werden wir daher sicher in einer der nächsten Ausgaben etwas näher beleuchten.

Frank Schollenberger
Sommelier

 

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Bruderherz und Brüderchen

Das Weingut Bicking und Bicking, das sind die Brüder Lukas und Achim die an den Ausläufern des Donnerberges in der Pfalz und dem Hunsrück an der Nahe Wein machen. Sie erzeugen schlanke und fruchtige Weine mit einem Charakter, der vom massiven Kalkstein geprägt wird. Durch alte Fuderfässer von der Mosel erhalten ihre Weine einen feinen Holzton. Seit 2014 führen die Brüder den Betrieb der Familie nunmehr in dritter Generation. Wobei das nicht der Plan der ungleichen Brüder war. Sie rauften sich aber zusammen und jeder bringt seine Stärken und Eigenarten ein, um gemeinsam Wein zu machen.

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Perfekt ergänzen sie sich und schaffen so Weine mit Charakter, die ihre Heimat widerspiegeln.
Dabei arbeiten sie sehr schonend nach dem Leitsatz „Weniger ist mehr“. Eine naturnahe Bewirtschaftung mit möglichst wenigen Eingriffen in den Weinberg beschert den Brüdern nach der selektiven Handlese gesundes Traubenmaterial. Dieses wird dann im Keller sauber und schonend mit einer alten Korbpresse verarbeitet. Die gerne spontan unter Mithilfe der örtlichen Hefen vergorenen Weine werden dann auch behutsam per Schwerkraft geklärt. Um dann nach einer ausgiebigen Ruhe auf der Hefe im großen besagten Holzfass zur Reife zu gelangen. Besonders die Weine vom Gauersheimer Donnerberg sind vom Kalkstein geprägt. Und schon die unkomplizierten und fruchtigen Gutsweine der internen Qualitätspyramide können ihre mineralische Herkunft nicht verleugnen. Diese Weine bereiten beim Trinken großes Vergnügen und machen viel Spaß. Bei den eleganten Ortsweinen des Bruderpaares begeistert die volle Mineralität. Die Spitze mit den Lagenweinen ist expressiv mit Komplexität und einem großen Potential für eine Entwicklung und Reifung. In den Lagen der Bickings – Gauersheimer Goldloch, Albisheimer Heiligenborn, Einselthumer Klosterstück, Stettener Heilgenhäuschen und Zeller Kreuzberg gedeihen Riesling, Grauburgunder, Müller-Thurgau, Spätburgunder, Portugieser, Sauvignon Blanc und Dornfelder. Diese werden sortenrein oder im Cuvee ausgebaut. Die Cuvees tragen die Namen Bruderherz (rose), Brüderchen (weiß) und R‘n‘B (weiß).

Frank Schollenberger
Sommelier

Die glühreichen 7

Unvermeidlich schlittern und frösteln wir nun Weihnachten entgegen. Und durch die Eröffnung der ebenso unvermeidlichen Weihnachtsmärkte wird dem letzten Skeptiker bewusst, dass sich das Jahr 2017 seinem Ende entgegen neigt und der bärtige Alte mit seinen Gehilfen im Anmarsch ist. Bis es dann doch noch besinnlich wird, ist noch vieles zu erledigen und das Fest der Liebe muss vorbereitet werden. Für viele ist in diesen Tagen der Besuch auf dem größten Weihnachtsmarkt Norddeutschlands in Rostock ein liebgewonnenes Ritual.

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Hier ist natürlich der Umtrunk mit den glühenden alkoholischen Heißmachern am ausgesuchten Lieblingsstand oder die Glühwein-Rallye mit Freunden über den ganzen Weihnachtsmarkt fast schon Tradition. Und wenn es knackig kalt wird, ist natürlich auch in unseren Breiten höchste Glühweinzeit. Da verwundert es nicht, dass von drei befragten Deutschen zwei den Glühwein beim Besuch auf dem Weihnachtsmarkt für unverzichtbar halten. Für das 0381-Magazin ist das nach nunmehr 10 Jahren Ansporn, den Glühweindealern auf der längsten Heißgetränke-Bar des Landes mal wieder auf den Zahn zu fühlen.
Beim Glühwein handelt es sich nach amtlicher Verordnung um ein aromatisiertes weinhaltiges Getränk mit einem Mindestalkoholgehalt von 7%. In der Regel wird Glühwein mit Zimt, Nelken, Anis und Zitrusschalen gewürzt. Ein Schuss Zitronen- und/oder Orangensaft macht die ganze Sache Rund. Dieser Schuss ist aber von amtlicher Seite nicht erwünscht, weil unser Glühwein für den Amtsschimmel dadurch zu einer Art Punsch wird. Daher muss Glühwein immer aus 100% Wein bestehen, ein Verdünnen oder Strecken mit Wasser oder anderen Flüssigkeiten ist nicht statthaft. Viele Erzeuger schwören natürlich auf ihre speziellen Rezepte mit „Geheimzutaten“. Besonders beliebt ist Glühwein auf den Weihnachts- und Adventsmärkten.
In den letzten Jahren haben sich Glühweintouren oder Rallyes über den Weihnachtsmarkt in Rostock zu einem weitverbreiteten vorweihnachtlichen Vergnügen bei allen Altersgruppen entwickelt. Neben den roten Klassikern erfreuen sich heute auch die glühenden Weißen und internationale glühende Punschspezialitäten wie Glögg und Trollentrunk einer immer größer werdenden Beliebtheit.
Seinen Ursprung hat der Glühwein wohl tatsächlich in Deutschland. Denn 1956 wurde in Augsburg der Kellermeister Rudolf Kunzmann mit einem Busgeldbescheid belegt. Nach diesem verstieß er mit seinem gewürzten, gezuckerten und in Flaschen gefüllten Glühwein gegen das deutsche Weinrecht. Später wurde das Weinrecht geändert und der Glühwein, wie wir ihn heute kennen, wurde legalisiert.
Die Vorfahren unser heutigen Glühweine sind vermutlich Gewürzweine, welche schon in der Antike mit Gewürzen aufgehübscht wurden und in der Regel aber kalt genossen wurden. In Rostock waren Gewürzweine unter dem Namen Klaret besonders bei Kaufmannsschaft und Ratsherren im Mittelalter beliebt.
Eine besondere Empfehlung sind die Winzerglühweine von deutschen Erzeugern, welche ihre eigenen Qualitäten als Grundweine nutzen. Diese Winzerglühweine heben sich durch ihre Qualität von den sehr günstigen und süßen Massen-Glühweinen aus industrieller Produktion ab. Winzerglühwein ist ein Qualitätsversprechen, denn der Winzer darf seinen Glühwein nur aus eigenem Grundwein herstellen und muss diesen auch selbst vor Ort in seinem Betrieb komponieren und abfüllen. Bei billigen Glühweinen versucht man oft, Mängel der verwendeten Grundweine durch eine extreme Süßung zu kaschieren.
Viel Spaß macht es auch, sich einen anständigen deutschen Grundwein zu besorgen und dann Glühwein nach eigenem Gusto zu kreieren. Bei der Zubereitung sollte der Glühwein auf keinen Fall über 80°C erhitzt werden, da bei 78°C der Alkohol verdampft und bei großer Hitze Zuckerabbauprodukte entstehen können, denen man nachsagt, sie wären nicht sonderlich gesund. Außerdem verändert zu große Hitze den Geschmack des Weins und der Gewürze.
Ein guter Glühwein sollte eine schone rote oder helle gelbe Farbe haben. Zeigt sich das Heissgetränk mit einem eher braunen Farbton, sollte man die Finger davon lassen. Denn diese Tropfen sind tot gekocht und machen wirklich keinen Spaß.

Die glorreichen Rostocker 7 Glühweintipps der 0381-Redaktion für 2017

Winzerglühwein
Stand des Weingutes Misskam
Das Weingut aus der Pfalz ist auf dem Weihnachtsmarkt in Rostock schon eine Institution. Hier wird kompetent und mit professioneller Ausschanktechnik Winzerglühwein angeboten. Der Rote ist eine Cuvee aus Portugieser, Dornfelder, Regent und Spätburgunder. In diesem Jahr feiert bei Misskam der Weiße aus Müller-Thurgautrauben seine Premiere. Beeindruckend auch die Spülmaschine, mit der die Gläser hygienisch einwandfrei gereinigt werden. Hier weiß man, was man macht und was man ausschenkt.

Schlehenglühwein
Historischer Weihnachtsmarkt
Solides Heißgetränk aus dem dornenreichen Steinobstgewächs in der Familie der Rosengewächse, der im ungewöhnlichen historischen Ambiente ausgeschenkt wird. Besonders spannend macht diesen Trunk die leicht adstringierende Anmutung. Die Gerbstoffe sorgen in der Wechselwirkung mit der dunklen Frucht für eine schöne Fülle. Schon im alten Mecklenburg war man sich Sicher, dass Schlehen gegen Hexen und Dämonen helfen. Darum Prost, denn Vorsorge ist besser als Nachsorge.

Trollentrunk
Auf dem Uniplatz am Finnlandstand
Eigentlich kein richtiger Glühwein. Vielmehr handelt es sich hier um einen Preiselbeerwein mit einem Schuss Rum. Aber in jedem Fall eine der Top-Empfehlungen. Der Trollentrunk hat mit seiner knackigen Säure und den merklichen Gerbstoffen richtig Biss und macht großen Spaß und schmeckt nach mehr.

Glögg
Schwedenhütte vor dem Rostocker Hof
Hier gibt es den kultigen skandinavischen Glühweinpunsch mit Gewürzen und einem Schuss Rum. Wer möchte, kann sich den süßen roten Glüher mit einem Löffel Mandeln oder Rosinen pimpen. Wirklich gut. Für den einen oder anderen aber etwas süß.

Glühwein
Heydens Weinfass
Wirklich solider und gut gemachter Glühwein – charmant und kompetent serviert aus dem Weinfaß in der Langen Straße. Über viele Jahre hinweg ist die aus Rostock stammende ehemals weinhandelnde Familie Hyden nun schon auf dem Rostocker Weihnachtsmarkt zu finden. Hier kommt ein wirklich solide Qualität aus einer Kellerei in Rheinhessen in die Glühweintasse.

Der Geheimtip
Bauernhandbrotstand in der Langen Straße
Man kann es kaum glauben, hier wird neben mächtigen gefüllten Broten ganz nebenbei und sehr freundlich auch ein anständiges Fruchtheißgetränk ausgeschenkt. Der Name Bratapfel-Sanddornglühwein ist etwas irritierend. Aber was der freundliche Kollege da aus dem Hause Sachsenobst ausschenkt, ist dann mal ein etwas anderer Heißmacher und passt durch den Sanddorn super an die Küste. Das ist der zufällig entdeckte Geheimtip der 0381-Tester.

Weißer Winzerglühwein aus Sachsen
Schloss Wackerbarth
Vor dem Kröpeliner Tor schenkt man im Namen des Sächsisches Staatsweingutes Schloss Wackerbarth weißen Winzerglühwein aus. Knackig, fruchtig und weiß mit einer dominanten Gewürznote. Oder wurde der weiße Sachsenglüher mit seiner etwas aufdringlichen Karamell- und Kochnote etwas zu heiß? Aber trotzdem in jedem Fall eine Probe wert. Und bei steigender Umschlagsgeschwindigkeit sollten die Kochnoten auch nicht mehr vorkommen.

Diese Auflistung ist keine Rangfolge. Die aufgeführten Stände und Produkte sind unsere Empfehlung nach zwei Tagen Glühweintest auf dem Rostocker Weihnachtsmarkt.

Michael Bierhenke & Frank Schollenberger

Schwarzriesling oder Müllerrebe

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Mit dem deutschen Weißweinklassiker Riesling hat diese rote Rebsorte, die auch unter den Decknamen Müllerrebe oder Pinot Meunier bekannt ist, nichts zu tun. Nur die Silhouette der Traube in Wuchs und Form erinnert etwas an den König der deutschen Weißweine. Seine ursprüngliche Heimat hat diese Rebsorte mutmaßlich im Burgund. Zusammen mit Rebsorten wie Grauburgunder, Weißburgunder und Spätburgunder wird der Schwarzriesling zu den Burgunderrebsorten gezählt. In seiner alten Heimat ist er heute aber nicht mehr anzutreffen. Man geht davon aus, das es sich beim Schwarzriesling um eine Mutation des Spätburgunders (Pinot Noir) handelt. Erste Erwähnung der Rebsorte führen in das 16. Jahrhundert zurück. In Deutschland wird diese Rebsorte besonders gerne im Württembergischen angebaut. Geschmacklich erinnert der Schwarzriesling an Spätburgunder. Er stellt aber im Vergleich zur edelsten deutschen Rotweinrebsorte nicht so große Ansprüche an den Standort. Die pflegeleichte Rebsorte bringt besonders auf kräftigen Löß- und Lehmböden erfreuliche Ergebnisse hervor. Der späte Austrieb schützt die Rebe vor den Frösten im Mai. Eine geringe Anfälligkeit gegen Verrieselung sorgt für eine sichere Ertragslage. Mit einer geringen Säure und mittleren Mostgewichten erreicht der Schwarzriesling aber nicht ganz die Klasse des Spätburgunders. Kräftige Varianten sind aber eine interessante Alternative zu manchem roten Burgunder und passen zu Fleischgerichten von Schwein und Lamm sowie zu milden Käsesorten. Ähnlich wie der Spätburgunder gehört der Schwarzriesling zu den leichten und eleganten Rotweinen. Im Württembergischen ist der Wein als Schoppenwein sehr beliebt. Hier gibt es den Wein als trockene Qualität und mit Restzucker in fruchtig. Aber auch im Norden Badens, in Franken, Rheinhessen und der Pfalz ist er in den Weinbergen zu hause. Die Bezeichnung Müllerrebe bezieht sich auf die stark behaarten Blätter und Triebspitzen, die wie mit Mehl bestäubt aussehen. In der Champagne erfreut sich die Rebsorte mit einem Anteil von 30% an der Rebfläche großer Beliebtheit und bildet gemeinsam mit Chardonnay und Pinot Noir das Rückrat der Champagnerproduktion. Weiß gekeltert ist er oft Bestandteil der edlen Schaumweine.

Frank Schollenberger
Sommelier

Garifuna, Moby Dick und Seemannsklub – 3 neue Rums im Sortiment

Wir freuen uns sehr, unserer Kundschaft drei neue Rum-Abfüllungen aus der Schollenbergerschen Ideenschmiede präsentieren zu können. Bei unserem Matilde Zigarrentasting am Donnerstag, den 28. September, in der Weinhandlung Schollenberger hatten die Teilnehmer, zusammen mit unserem Gast Enrique Seijas aus der Dominikanischen Republik, Gelegenheit, die neuen Abfüllungen zu probieren. Neben den Matilde Zigarren aus der Dominikanischen Republik gingen unser „Garifuna“ Rum und „Moby Dick“ ins Rennen. Garifuna ist ein 15 Jahre alter Rum aus Nicaragua. Diesen Rum machen interessante Reifungs- und Holzaromen zu etwas ganz besonderen.

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Unser Moby Dick ist ein Rum aus der Dominikanischen Republik, der seine Komplexität und Geschmeidigkeit einer 15jährigen Reifung im Solera-System verdankt. Außerdem gibt es ab sofort mit dem Seemannsklub Rum einen Hansa-Rum. Diesen haben wir einer Kooperation mit unserem Lieblingsfussballklub, dem F.C. Hansa Rostock, zu verdanken. Hierbei handelt es sich um einen dreijährigen Rum von der Perle der Karibik, Cuba.

Frank Schollenberger

Garifuna

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15 Jahre verbrachte dieser Rum aus Nicaragua, dem Lande Sandinos, in Fässern, um sein interessantes Geschmacksbild mit einer spannenden Holzaromatik zu erlangen. Namensgeber sind die afrokaribischen Garifuna, die sich seit dem 17. Jahrhundert ihre Identität im kolonialen Spannungsfeld zwischen Briten und Franzosen bewahren konnten. Mit ihrer Mischung aus indianischer und afrikanischer Kultur und ihrer Unabhängigkeit waren sie ein Beispiel für nach Freiheit strebenden Sklaven. Der Garifuna Rum scheint ebenso unbezähmbar wie die stolzen Garifuna und ist nicht immer die süße Liebe auf den ersten Blick. Nimmt man sich aber die nötige Zeit und lässt sich auf die wilde karibische Schönheit ein, so weiß sie, zu begeistsern und ist ein aufmunternder Begleiter nicht nur zur Zigarre. Unser Garifuna wird ohne Filtration und Färbung abgefüllt. Heute leben die Garifuna, welche auch als Schwarze Kariben bezeichnet werden, an der Karibikküste von Guatemala, Honduras und Nicaragua.

Moby Dick

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Namenspatron für diesen Rum aus der Dominikanischen Republik ist der legendäre weiße Wahl, dem Herman Melville mit seinem im Jahre 1851 erschienen gleichnamigen Roman ein literarisches Denkmal setzte. Unser Moby Dick ist im Gegensatz zu seinem Namenspatron ein besonders weicher und eleganter Rum, der 15 Jahre im Solera-System in alten Sherryfässern reifte. Nach seiner Zeit in den Fässern wird dieser Rum ohne Schönung, Filtrierung und Färbung für uns in einer ungewöhnlichen schwarzen Flasche, so wie er aus dem Fass kommt, abgefüllt. Moby Dick ist für alle, die einen reifen und samtigen Rum mit einer zarten natürlichen Süße und einer guten Balance aus Frucht und Holz-Aromatik suchen, das flüssige Schätzchen aus der Karibik.

Seemannsklub Rum

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Ein Seemannsklub wie der F.C. Hansa Rostock braucht natürlich in alter Seefahrertradition auch einen anständigen Rum. Das war für uns Anlass genug, einen Rum für unseren Lieblingsfussballverein abzufüllen. In die schmucken Flasche mit dem maritimen Etikett ist ein leichter Rum im spanischen Stil von der Perle der Karibik –Cuba – gekommen. Bis zur Abfüllung hat man dem Zuckerrohrdestillat 3 Jahre Zeit zur Reifung in seiner Heimat gegeben. Für jeden Freund eines echten Cuba Libre ist dieser besondere Rum der unverzichtbare Bestandteil für den Barklassiker. Aber auch pur oder als Premiumbestandteil eines wärmenden Grogs in der kalten Jahreszeit macht das Destillat von der revolutionären Insel nicht nur dem Hansa-Fan großen Spass. Der Preis von 19,65 € zeigt auf sympathische Art die Verbundenheit zum Seemansklub von der Ostsee, der im Jahre 1965 gegründet wurde..

ELEMENTS of ISLAY

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Das Wetter ist ja gerade nicht so toll … nass, kalt und regnerisch zeigt sich der September in Rostock. Da empfiehlt es sich, den richtigen Tropfen in der Hausapotheke zu haben. Wir können da mit der Serie Elements of Islay helfen. Schon zu Zeiten der Prohibition wurden solche Whiskys von der Insel Islay von Ärzten in den USA als Medizin verschrieben. In der Flasche „Pharmacy“ abgefüllt, gehören die Abfüllungen von Elements of Islay in die Hausapotheke des Whiskyliebhabers. Zu Nebenwirkungen und Risiken fragen Sie Ihren Whiskyhändler des Vertrauens.

ELEMENTS

Die “Elements of Islay” sind eine innovative Idee zur Präsentation von Islay Malt Scotch Whiskys. Das Design der Flaschen ist inspiriert von traditionellen Apothekerflaschen und -etiketten. Interessanterweise ist der Name der gewählten Flasche auch “Pharmacy”.
Der genaue Destilleriename der Single Malts wird auf dem Etikett nicht genannt, gleichwohl ist es durch die jeweiligen Abkürzungen Ar, Cl & Lp natürlich ersichtlich. Die kleine Zahl dahinter repräsentiert die Nummer des Batches, also die wievielte Abfüllung es aus der jeweiligen Brennerei ist.
Jeder Whisky wird als “small batch” zwischen 5 und 20 Fässern ohne Altersangabe abgefüllt. Das erlaubt uns, Fässer aus unterschiedlichen Jahrgängen zu verheiraten und ein einzigartiges Geschmacksprofil zu erhalten, welches mit Einzelfässern nicht zu erreichen ist. Reihum werden die Abfüllungen durch eine respektierte und führende Whiskyautorität empfohlen. Das erste Batch wurde z.B. von Charles MacLean betreut. Weitere prominente Namen sind z.B. Gordon Homer, Ingvar Ronde, Mark Reynier, Jack Milroy, Konstantin Grigoriadis, Billy Abbot oder Oliver Chilton.

 

Roter und weißer Sauser

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Für Weinliebhaber gehört er mit dem Zwiebelkuchen zum Herbst wie Erntekrone und Pilze. Die Rede ist vom neuen Wein. Dieser prickelnde, unfertige, oft noch süße Schäumer hat viele Namen. Am gebräuchlichsten ist die Bezeichnung Federweißer oder Federroter, aber auch Sturm und Sauser sind geläufig. In einigen Regionen bestellt man auch einen Bremser, Rauscher oder Bitzler. Der neue Wein ist kein fertiger Wein. Er ist ein unfiltrierter Traubenmost, bei dem die alkoholische Gärung gerade eingesetzt hat. Je nach Gusto kann man ihn mit viel Süße und wenig Alkohol oder mit wenig Süße und viel Alkohol geniessen. Durch die Hefen, welche mit der alkoholischen Gärung beschäftigt sind, ist er immer in Wallung. Den Prozess kann man durch Kühlung hinauszögern. Da die Hefen den Zucker fressen und dann Alkohol und Kohlendioxid ausscheiden, wird empfohlen, die Flaschen oder Kanister nicht vollends zu verschliessen, so kann das Gas entweichen. Und es kommt nicht zu Bombagen. Ein liegender Transport kann auch nicht empfohlen werden. Hier hat man dann durch klebriges Auslaufen einen erheblichen Schwund zu beklagen. In der Regel werden frühe Rebsorten, die oft schon Anfang September geerntet werden, verwendet. Die beliebtesten Rebsorten für Spezialisten sind Siegerrebe, Ortega und Bacchus. Einige Erzeuger, die aus ihren hochwertigen Rebsorten große Weine und Prädikatsweine erzeugen, halten sich zum Thema Federweißer zurück. Sie haben bei fertigen Prädikatsweinen einen wesentlich besseren Ertrag. So kommt es, dass der weinselige Tourist in der Rüdesheimer Drosselgasse oft keinen Rheingauer Federweißen trinkt. Hier wird dann ein günstiger Sauser aus der Pfalz feilgeboten. Die Wirkung ist am Ende die gleiche. Mit etwa 4% Alkohol wird der Neue ins Rennen geschickt; er kann dann seinen Alkoholgehalt durch die fleißig arbeitenden Hefen auf bis zu 11% erhöhen. Bei Kühlung arbeiten die Hefen langsamer oder stellen ihre Arbeit ein. Oft wird der süße wohlschmeckende Schäumer, was seinen Alkoholgehalt betrifft, unterschätzt, da die Süße den Alkohol kaschiert und auch beim Trinken die Arbeit der Hefen im Glas oder in der Flasche weitergeht. Der neue Wein enthält zudem Milchsäurebakterien und viel Vitamin B1 und B2. So regt er den Darm in seiner Arbeit an und befördert die Peristaltik.

Frank Schollenberger
Sommelier

Die Sachsenkeule

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Nein, die Sachsenkeule ist keine Variante des Sax, mit dem im frühen Mittelalter sächsische und andere nordische Krieger ihre Feinde traktierten. Die Sachsenkeule ist vielmehr die gebietstypische Flaschenform des sächsischen Weinlandes an der Elbe. Die keulenförmige Flasche wurde im Jahre 1931 als Markenzeichen ähnlich dem fränkischen Bocksbeutels und der Rheingauflöte vom damaligen Betriebsleiter des Weingues Hoflößnitz in Radebeul und Landwirtschaftsrat der Önologie, Carl Pfeiffer, entwickelt. Der 1872 in Namslau geborene Gärtner Pfeiffer erhielt 1912 ein Angebot des Rebschulvereins Meißen, Fachlehrer für Obst- und Weinbau zu werden. In der Folge rebte Pfeiffer mit Hilfe resistenter Pfropfreben die durch die Reblausplage gebeutelten Weinberge wieder auf. Im Jahre 1916 wurde er dann Leiter der Rebveredlungsstation, aus der dann 1927 die Weinbau-Versuchs- und Lehranstalt hervorging. Besonders verdient machte er sich um die Steigerung der Qualität des sächsischen Weinbaus als Leiter des Weinbauverbandes und als Chef der sächsischen Weinbaugenossenschaft, aus der 1955 die sächsische Winzergenossenschaft Meißen hervorging. Hier in der Genossenschaft pflegt man heute mit den Weinen in der Sachsenkeule das pfeiffersche Andenken. Die 1500 Genossen in Meißen füllen ihre auf 135 ha erzeugten Weine fast ausschließlich in der markanten an Kegel erinnernden Sachsenkeule ab. Neben der Tradition der Sachsenflasche erhalten und pflegen die Mitgliedswinzer der WG Meißen auch die landschaftsprägenden Weinbauterrassen im Elbtal. Zu den bemerkenswertesten Lagen gehören hier der Proschwitzer Katzensprung, der Radebeuler Goldene Wagen und der Pillnitzer Königliche Weinberg. Hier in diesen Lagen, wo Goldriesling, Bacchus, Kerner, Müller-Thurgau, Riesling, Scheurebe, Morio-Muskat, Traminer, Grau-, Weiß- und Spätburgunder sowie Dornfelder, Portugieser, Domina und Schwarzriesling wachsen, überwiegen Granitverwitterungs- und Lößböden. Der durchschnittliche Ertrag liegt hier in den sächsischen Weinbergen bei geringen 40 hl/ha und sorgt so für interessante Qualitäten, die sich filigran mit Eleganz und anregender Säure präsentieren.

Frank Schollenberger
Sommelier