Blackwater Destillery: „Velvet Cap“ Whiskey

Die Blackwater Distillery im Süden Irlands produziert seit 2014 im beschaulichen 700-Seelen-Ort Cappoquin mit ihrer kleinen Brennerei wunderbare Spirituosen.
Namensgeber für die Brennerei ist der Blackwater River. Seit 2018 hat sich Peter Mulryan als Inhaber einen Traum erfüllt und produziert hier nun neben Gin auch Whiskey. Dabei nimmt man Tradition zu 100 Prozent ernst und destilliert Pot Still Whiskey nach alt hergebrachter Tradition und alten Rezepten.
Ab dem Sommer 2020 ist die Destillerie auch für Besucher offen. Aus diesem Anlass bringt die Brennerei einen neuen Whiskey, den Velvet Cap heraus. Dieser ist ein wirklich besonderer Blended Whiskey, für den Whiskeys Verwendung finden, die von anderen Brennereien erzeugt werden. Peter sucht diese aus und vermählt sie zu diesem ungewöhnlichen Blend.
Peter hat lange überlegt, welchen Whiskey er als nächstes auf den Markt bringt. Eigentlich sollte es eine hochwertige Single Malt Reihe werden, so wie es der Retronaut bereits war. Nun hat er aber festgestellt, dass es immer mehr Whiskeys im höheren Preissegment gibt, aber im günstigeren Preissegment fast keine besonderen Whiskeys auf dem Markt sind. So entstand die Idee zu Velvet Cap. Velvet Cap war bis in die 1960er der Whiskey der lokalen Händler, abgefüllt in Dungarven. Die Blackwater Distillery hat dann in dem lokalen Museum herausgefunden, wie der Whiskey früher gereift wurde. Und schon war die Idee für Velvet Cap geboren.
Velvet Cap, ist ein Triple Cask Blended Whiskey. Nachdem der Whiskey geblendet wurde, reift er nochmals in Bourbon-, Rye/Stout- und Portweinfässern. Das Besondere sind die Rye/Stout-Fässer. Hier hat Master Distiller John Wilcox im letzten Jahr angefangen, in einem rolierenden (abwechselnden) System in Ryefässer Stout zu füllen, dann wieder Rye, dann wieder Stout. So entstanden ganz besondere Fässer, die für die Reifung des Velvet Cap zur Verfügung stehen.
Die Reifung in diesen drei unterschiedlichen Fassarten hat einen ganz besonderen Whiskey entstehen lassen. Dieser ist angenehm zu trinken und hat schöne komplexe fruchtige Noten. In der Nase verführt er mit Noten von Rosinen-Kuchen. Mandeln, Honig und einer Spur Kakao. Am Gaumen ultraweich mit Anspielungen von Vanille, Weizen, Früchten und Karamell. Der Nachhall ist angenehm und lange anhaltend mit einer fruchtigen Süße. In der Farbe zeigt sich eine Ahnung von dunklem Bernstein mit rötlichen Reflexen. Das erste Batch dieses fruchtigen irischen Gaumenschmeichlers für den Sommer ist auf 6.000 Flaschen limitiert.

Frank Schollenberger

Black Tot Day

Die Rumtradition der Royal Navy begann 1655 mit der Eroberung Jamaikas durch die Engländer. Oliver Cromwell hatte Robert Venables und Admiral William Penn sen. mit einer Streitmacht in die Karibik geschickt, um gegen die Spanier zu kämpfen und hier Stützpunkte zu erobern.

pussers_rum_rum_ration_issue

Auf Jamaika wurde erstmals an britische Seeleute Rum als Teil der täglichen Ration ausgegeben. Bis dahin waren feindliche spanische Weine und Brandy aus Frankreich Teil der Verpflegung. Diese hatten sich bei langen Seereisen als Ersatz für Wasser und Bier, welche schnell verdarben, erwiesen. In der Karibik war die Beschaffung von Wein und Brandy aber schwierig und man brauchte eine Alternative. Hier rückte der Rum ins Blickfeld, der auf der 1625 von den Portugiesen erworbenen Insel Barbados von den Britten hergestellt wurde. Im Jahre 1655 wurden auf Barbados ca. 4 Millionen Liter Rum erzeugt, die fast ausschließlich auf der Insel und in benachbarten Kolonien konsumiert wurden. Im Jahre 1668 gingen nur mickrige 1.000 Liter Rum als Exportgut in das Mutterland. Die Qualitäten des karibischen Rums waren damals auch nicht so gut, dass sie eine größere Nachfrage auf den britischen Inseln erzeugt hätten.
Aber um die Seeleute der Marine zu versorgen, reichten die Qualitäten aus. Außerdem war der Rum in Fässern auf den Schiffen haltbar. Auf den Reisen stellte sich dann heraus, dass sich die Qualität des Rum im Laufe der Zeit mit der Lagerung in den Fässern verbesserte. Außerdem erkannten die Plantagenbesitzer der britischen Kolonien den neuen Absatzkanal und machten sich für die Verwendung des karibischen Rums auf den Schiffen in der Karibik stark und sorgten dafür, dass der teure Brandy und Wein nicht mehr an die Mannschaften ausgegeben wurden. Im Jahre 1731 war Rum dann ganz offiziell Teil der Bordverpflegung. Aus dieser Zeit stammt wohl auch die Bezeichnung Over Proof, was so viel wie Probe oder Nachweis bedeutet. Die Seeleute prüften den Alkoholgehalt des ihnen zustehenden Rums mit Hilfe von Schießpulver, indem Sie das Schießpulver mit dem von den Offizieren ausgegebenen Rum tränkten. Wenn das befeuchtete Schießpulver zündetet und mit blauer Flamme brannte, war es Over Proof und hatte einen Alkoholgehalt um 57 Prozent. So konnten sich die Seeleute vor dem absichtlichen Panschen des Rums schützen, denn das so ergaunerte Geld wanderte in die Kassen der Offiziere. Noch heute wird Proof in den USA (50%) und in Großbritannischen (57%) als Maßeinheit für den Alkoholgehalt verwendet.

Bildschirmfoto 2020-07-31 um 15.28.21

Ab 1779 wurde vom Versorgungsamt der Royal Navy auf allen Schiffen, in allen Operationsgebieten ausschließlich Rum an die Mannschaften der Marine ausgegeben. Seit 1731 hatten die britischen Seeleute in der Karibik Anspruch auf ein halbes Pint (1/4 Liter) Rum.
Während des „War of Jenkin‘s Ear“ gegen Spanien kommandierte Admiral Edward Vernon das britische Geschwader in der Karibik. Dieses war in Port Royal stationiert. Hier erteilte er diesem am 21. August 1740 den Befehl, den in den Heuerverträgen zugesicherten Rum nur noch verdünnt auszugeben. Vernon war der Ansicht, dass die zugeteilte Menge Rum Disziplinlosigkeit und Alkoholismus befördert. Durch die Verdünnung von 1:4 sollten die Seeleute gezwungen werden, nicht alles auf einmal zu trinken. Der Spitzname des Admirals bei seinen Mannschaften, „Old Grog“, soll Namenspatron von dem auch in Norddeutschland populären Grog als Mischung von Wasser und Rum gewesen sein.
1756 wurde die tägliche Ausgabe von mit Wasser gestrecktem Rum an die Seemannschaften in dem britischen „Naval Code“ festgelegt. 1824 wurde diese Menge Rum in der Marine auch durch die starke Abstinenzlehrbewegung auf die Hälfe reduziert. Als Ausgleich wurden die Tabak-, Tee- und Fleischrationen erhöht. Ab 1848 konnten sich die Besatzungsmitglieder alternativ auch für gesüßten Tee entscheiden.
Die Rumration, der sogenannte Tot, wurde dann auf Betreiben der Admiralität immer wieder verkleinert und durch die Zahlung des sogenannten „Grog Money“ an die Seeleute eine Möglichkeit geschaffen, ganz auf den Rum zu verzichten. Nun gab es nur noch einmal am Tag Rum für die Mannschaften und Offiziere. Diese Ration bestand aus 71 Milliliter 54-prozentigen Rums.

Bildschirmfoto 2020-07-31 um 15.28.41

Nach dem ersten Weltkrieg im Jahre 1918 wurde die Rumausgabe an Offiziere abgeschafft. Da der Dienst auf den Schiffen seiner Majestät immer anspruchsvoller wurde, nahmen 1950 nur noch ca. 33 Prozent der in der Navy Dienenden die Rumration in Anspruch. Außerdem war das Autofahren unter Alkoholeinfluss verboten, in der Marine hingegen wurden moderne und komplexe Waffensysteme unter dem Einfluss von Alkohol bedient.
Es dauerte aber noch bis zum Dezember 1969, in dem die Admiralität beschloss, die Rumausgabe an ihre Mannschaften einzustellen. Das Unterhaus des Parlaments in London führte auf Betreiben des Abgeordneten James Wellbeloved am 28. Januar 1970 noch eine Debatte über die Rücknahme dieser Anordnung.
Diese mit viel Humor geführte Debatte ging als Great Rum Debatte in die Geschichte ein.
Im Rahmen der Diskussion wies der Marinestaatssekretär David Owen auf die einzusparende Summe von fast 3 Millionen Pfund hin. Das Unterhaus bestätigte daraufhin die Entscheidung der Admirale. Mit dem eingesparten Geld wurden in der Folge über den Sailor‘s Fund die Freizeitaktivitäten der Marineangehörigen subventioniert.
Über drei Jahrhunderte war der braune Navy Rum in Fässern der Begleiter der Seeleute in der Royal Navy auf allen Meeren. Die Fässer waren zu Ehren des jeweils herrschenden Monarchen mit „Die Königin – Gott segne sie“ oder „Der König – Gott segne ihn“, beschriftet. Mit seinen 57,1 Prozent bot der braune Stimmungsaufheller Stoff für Legenden und Mythen auf allen sieben Meeren.
Der Black Tot Day war dann der 31. Juli 1970, an dem die Seeleute der Royal Navy ein letztes Mal ihre Kupferbecher mit dem ihnen zustehenden Tot Rum füllen konnten. Weltweit trugen die Matrosen auf britischen Kriegsschiffen einen Trauerflor und begingen diesen Tag mit Trauerzeremonien und Salutschüssen.

Bildschirmfoto 2020-07-31 um 15.28.28

Bei der Royal Canadian Navy dauerte es noch bis 1972. Hier wurde der „Black Tot Day“ am 31. März zelebriert. In der Royal Australian Navy wurde die Rumausgabe schon 1921 eingestellt, die US Navy hatte dies bereits am 1. September 1862 während des Sezessionskrieges getan. In der Royal New Zealand Navy gab es den Rum für die Seeleute noch bis zum 28. Februar 1990.
Sein Ende im Ausschank bei der Royal Navy war aber nicht das Ende des Navy Rums für Rumliebhaber. Im Jahre 1979 erhielt der Destillateur Charles Tobias das Rezept des Rums, der die Grogwannen auf britischen Schiffen füllte, von der Admiralität und begann, die Mischung aus fünf westindischen Rums als Navy Rum zu verkaufen. Tobias nannte seine neue Firma Pusser nach dem Slang-Begriff für einen Schiffsinspektor, der ursprünglich die Rationen an die Seeleute verteilte. Weitere Unternehmungen wie Lambs folgten. Heute gibt es eine Vielzahl von sogenannten Navy Rums, nicht nur mit britischer Historie. Einige dieser Produkte erzählen Geschichten von österreichischen und dänischen Marinerum-Traditionen. Für Rumliebhaber und Sammler gibt es auch heute noch einige Flaschen des Black Tot ‚Last Consignment‘ British Royal Naval Rum (auch in der Weinhandlung Schollenberger zu haben).
Dieser dunkle, sehr elegante und schwer zu findende Rum stammt aus den letzten Fässern, die für die Navy vor 1970 gefüllt wurden. Dieser alte Rum ist schokoladenbraun, holzig, anisig, stark konzentriert und einfach unglaublich. Eine Flasche kostet heute mehrere Hundert Euro. Aber zum Glück gibt es den passenden Kupferbecher kostenlos dazu.

Frank Schollenberger

Collective Z – Lebendiger Wein aus der Pfalz

dwi-collective-z-schwarzweiß

Collective Z ist nicht nur wegen seiner Größe ein ganz besonderes Projekt in Sachen Wein in Bad Dürkheim. Hier am Rande des Pfälzer Waldes in Leistadt, einem Vorort von Bad Dürkheim, machen Marie und Christoph ambitioniert Wein. Christoph kommt eigentlich aus der Werbebranche und hat Konzepte und Kampagnien für viele angesagte Weingüter entwickelt. Marie kommt aus dem Weinbau. So war es wohl ganz zwangsläufig, dass die beiden irgendwann Wein machen. Mit Hilfe von Freunden und der Familie bewirtschaften sie hier seit 2019 ihr Garagenweingut. Auf 1,5 Hektar pflegen sie mit Hingabe ausschließlich kleinteilige alte Rebanlagen. Für andere Winzer waren diese Weinberge mit ihrem alten Bestand an Rebstöcken nicht mehr wirtschaftlich. Für Marie und Christoph waren diese alten Rebanlagen, die zwischen 25 und 50 Jahre alt sind, aber ein Glücksgriff. So sind die Erträge auf diesen Parzellen, die keiner Flurbereinigung zum Opfer gefallen sind, sehr niedrig. Die Qualität des Lesegutes von den alten Rebstöcken ist bei natürlich niedrigen Erträgen und einer händischen Selektion sehr gut. Geprägt sind die Parzellen rund um Bad Dürkheim vom Kalkstein. Bei der Vinifizierung achten die Winzer auf eine natürlich Arbeitsweise. So werden die Weine natürlich handgelesen, spontan vergoren und nicht filtriert. Gerne werden für die Reifung kleine Holzfässer eingesetzt und traditionelle Weinbereitungsmethoden ausprobiert. Oft ist hierbei weniger mehr. Die Weine sind daher etwas ganz Besonderes. Sie sind keine glattgebügelte Konfektionsware von der Stange, sondern sehr eigenständige natürliche Persönlichkeiten mit Charakter, auf die man sich einlassen muss. Wenn man hierzu bereit ist, sind sie nicht nur in der Küche liebenswerte Begleiter. Ein Ausdruck der Individualität der Weine, dieser „Jungen Wilden“, welche sicher auch Bewahrer sind, ist die teilweise sehr kleine Auflage der Weine. So gibt es dann eben nur 800 Flaschen von einem Wein im Jahr und wir als glückliche Händler freuen uns z.B. über 30 Flaschen von einer Sorte, die wir ergattern konnten. Und wenn ich die Weine dann auf dem Feierabendbalkon trinke und ganz großen Spaß damit habe, überlege ich schon, ob ich dann nicht alle 30 Pullen im Laufe der Zeit selber trinke. Aber man muss auch gönnen können und so gibt es dann doch die eine oder andere Flasche von Colective Z bei uns in den Läden in gute Hände abzugeben.

Frank Schollenberger

Roter Schwabe

Dass die Schwaben ein ganz besonderes Völkchen sind, ist klar. Und neben ihrer sprichwörtlichen Sparsamkeit („Ein Schwabe ist ein wegen seines Geizes des Landes verwiesener Schotte.“) pflegen diese Alemannen einige weitere Eigenarten. So wird Spott anderer gerne umgedeutet und zur positiven Eigenschaft. Auch zum Wein pflegt man ein besonderes Verhältnis und behauptet gerne von sich, Meister im selbertrinken des in der Heimatregion angebauten Weines zu sein.

grape-1344408_1920

Alle anderen könnten sich eigentlich über jeden Tropfen schwäbischen Weines glücklich schätzen, der die Landesgrenzen verlässt, denn die Schwaben würden ihren guten Wein am liebsten selber trinken. Außerdem fließt in den Adern der Schwaben ein ganz besonderer Saft, Trollinger. Das ist der schwäbische Nationalwein und wird in Deutschland fast ausschließlich nur in Württemberg angebaut. Der Trollinger hat es nicht so dolle mit der Farbe, ist gemeinhin als leichter schwäbischer Schoppenwein bekannt und wurde im Ländle traditionell aus Hänkelgläsern getrunken, die einen Viertelliter fassen. Außerdem ist er im württembergischen Weinland ein Identitätsstifter und die dominierende Rebsorte. Wie in vielen anderen Fällen waren es wohl auch hier die Römer, welche die Rebsorte an den germanischen Rhein brachten. Sein Hauptverbreitungsgebiet fand er im Tal des Nebenflusses Neckar. Der Name der säurebetonten Rebsorte leitet sich wohl von „Tirolinger“ ab. Denn auch in Südtirol ist die Rebsorte weit verbreitet und unter dem Namen Vernatsch sehr bekannt. Als Tafeltraube wird Trollinger in aller Welt als Black Hamburg bezeichnet und steht selbst im Norden an geschützten Hauswänden seinen Mann. Trollinger-Weine sind nicht sehr intensiv in der Farbe. Gut geratene Trollinger können aber eine rubinrote Farbe haben. In der Regel ist der Schwabe jedoch leicht und durch seine höheren Säurewerte frisch und jugendlich. Diese Attribute machen ihn zu einem unkomplizierten Schoppen- und Zechwein, der im Sommer auch leicht gekühlt ein Vergnügen sein kann. Böswillige Nichtschwaben verspotten den schwäbischen roten Nationalwein auch gerne mal als Rosé. Trollinger als Prädikatsweine sind selten zu finden, da das durchschnittliche Mostgewicht von 75 Grad Öchsle hierzu nicht ausreicht. Wie gesagt, das ist auch nicht der Anspruch des Schwaben. Er möchte als Solist einfach nur ein unkomplizierter und süffiger Begleiter und Ausdruck einer regionalen, liebenswerten Weinkultur sein. Eine weitere schwäbische Spezialität ist der Trollinger im Duett. Hier wird er gerne mit einem anderen typischen Württemberger, dem Lemberger verschnitten. Hier gibt es zwei Spielarten – einmal Trollinger mit Lemberger und Lemberger mit Trollinger, wobei der Erstgenannte im Blend immer den Löwenanteil stellt. In jedem Fall ist der Trollinger ein Ausdruck und Beleg für die vielfältige Weinkultur in Deutschland und ein guter Begleiter beim Picknick oder für eine lange, angeregte Diskussion bis weit in die Nacht.

Frank Schollenberger
Sommelier

Von Schiller bis Badisch Rotgold

dwi-IMG_1195

Roséweine erfreuen sich in den letzten Jahren wachsender Beliebtheit und stellen schon lange nicht mehr nur eine Alternative für Leute dar, die sich nicht zwischen Rotwein und Weißwein entscheiden können. Sie haben sich längst als eigenständiger Weinstil etabliert. In Deutschland wird ein Roséwein aus Rotweintrauben (Weißherbst) hergestellt. Hier wird bei der Vinifizierung durch eine kurze oder keine Maischestandzeit nur ein kleiner Teil des Traubenfarbstoffes aus der Traubenhaut gelöst. Eine besondere Spielart bei den roséfarbenen Weinen ist der Rotling. Der Rotling als Mischung aus roten und weißen Trauben stellt eine eigenständige Weinart dar. Weinrechtlich ist er kein Rosé. Von der Farbe und der geschmacklichen Anmutung ordnet er sich aber in die Gruppe der rosafarbenen Gaumenschmeichler ein. Wobei die Farbe und der Extrakt sehr unterschiedlich sein kann. So gibt es sehr stämmige Rotlinge mit starker Farbe, aber auch sehr zarte Gesellen. Farbe und Extrakt richten sich nach dem Verhältnis der verwendeten roten und weißen Trauben. Der Rotling hat in einigen Regionen ganz besondere Vertreter hervorgebracht. Im Württembergischen ist das der Schillerwein. Dieser ist ein sogenannter gemischter Satz aus roten und weißen Trauben. Erlaubt sind in Schwaben dafür alle zugelassenen Rebsorten. Der Schiller muss mindestens als Qualitätswein erzeugt sein. Man könnte nun vermuten, dass der deutsche Dichterfürst Schiller als gebürtiger Schwabe hier Namenspate war. Und er war auch sicher an dem einen oder anderen Schoppen interessiert. Aber nur weil er gerne dem Weine zugesprochen hat, trägt der Schillerwein nicht seinen Namen. Vielmehr geht die Namensgebung auf Zeiten vor dem Dichter zurück. Es ist ganz einfach – der Schillerwein trägt seinen Namen, weil er so verheißungsvoll im Glas schillert. Im badischen Teil des Ländchens gibt es eine souveräne Entsprechung, die natürlich ganz anders als bei den Schwaben ist. Der dadische Rotling wird selbstbewusst als Badisch Rotgold ins Rennen geschickt. Hier gibt es einige spezielle Spielregeln. Natürlich muss das Mostgewicht des Lesegutes auch beim Badischen Rotling mindestens eine QbA-Qualität hervorbringen. Bei der Auswahl der zugelassenen Rebsorten ist man strenger als bei den schwäbischen Nachbarn. In den badischen Anbaugebieten dürfen nur echte badische Rebsorten verwendet werden. So sind für den Badisch Rotgold nur Grauburgunder (mindestens 51%) und Spätburgunder (maximal 49%) zugelassen. Die Vermählung der Trauben oder Moste muss vor der Gärung erfolgen. Beide Weine haben eine lange Tradition, passen aber als jugendlich frische Weine für den unkomplizierten Genuss in unsere Zeit und haben bei Weinfreunden und ambitionierten Winzern eine Zukunft. Die Empfehlung für einen Badisch Rotgold ist der Wein von Bettina Schumann aus Königschaffhausen, der mit einem Retroetikett ganz modern daherkommt. Die junge gebürtige Berlinerin hat dem Klassiker im Kaiserstuhl neues Leben eingehaucht und modern interpretiert. So bringt sie eine Menge Spass ins Glas. Der Spassmacher mit natürlicher Restsüße darf natürlich beim Gillen nicht fehlen.

Frank Schollenberger
Sommelier

Rostocker Hafenrum – Offizieller Verkaufsstart

Rostocker Hafenrum 2020
Single Cask Banyuls

Hafenrum-Collage-fb

Es ist uns eine große Freude, unseren Kunden etwas ganz Besonderes anbieten zu können. In unserer Heimatstadt Rostock gibt es 2020 zwei ganz besondere maritime Jubiläen. In diesem Jahr feiern zwei Rostocker Häfen ihren Geburtstag. Da ist zum einen der Fischereihafen mit dem 70. und der Überseehafen feiert seinen 60. Gründungsjahrestag. Scheinen diese Jubiläen in der Jahrhunderte zählenden Geschichte der Perle an der Ostsee doch sehr jugendlich anzumuten, so waren diese beiden Umschlagplätze in der jüngeren Geschichte der Hansestadt sehr wichtig.

Außerdem haben wir als Weinhandlung Schollenberger in diesem Jahr unser Fasslager im alten Stadthafen von Rostock an der Warnow bezogen. Das ist für uns Grund genug, ein besonderes Fass aufzumachen und abzufüllen.

Ab sofort gibt es bei Schollenberger und befreundeten Händlern unsere limitierte Hafenrumabfüllung aus dem Banyuls-Fass. Es ist sicher nicht alltäglich, dass Rum in einem Banyuls-Fass gelagert wird. Das Ergebnis ist aber wirklich entzückend und hat allen Testern großen Spaß gemacht. Alle, die eine der wenigen Flaschen von 444 ergattern, dürfen sich auf einen ganz besonderen Rum aus dem Hause Schollenbeger freuen. Mit dieser Abfüllung präsentieren wir mit Stolz den ersten Rostocker Hafenrum. Unser Hafenrum erfuhr ein dreijähriges „tropical aging“ in gebrauchten Bourbonfässen auf seiner Heimatinsel Jamaika, um danach 25 Monate per „continental aging“ in Mecklenburg an der Ostseeküste seine Vollendung zu erfahren. Verwendet wurden hierzu ein gebrauchtes Süßweinfass aus der französischen Gemeinde Banyuls-sur-Mer im Département Pyrénées-Orientales in der Region Okzitanien. Sie liegt in der historischen katalanischen Comarca Rosselló. Banyuls (AOC) ist ein französischer Dessert-/Süßwein, der in den Weingärten der kleinen Stadt Banyuls-su-Mer gedeiht und in kleinen Kellereien venifiziert wird. Er darf nur in der Region Languedoc hergestellt werden, wo sich die Berge der Pyrenäen und das Mittelmeer begegnen. In dieser Region befinden sich nur ca. 1400 ha Weinberge im Ertrag. Es handelt sich in jedem Fall um ein ganz besonderes Fass.

Unser Rum aus Jamaika bekommt durch die Reifung eine ganz spezielle fruchtige und weinige Note. Aromen von Tee und Zitrusschalen geben sich ein Stelldichein und kommunizieren mit Karamell, Trockenfrüchten und Schokolade. Und wer sich Mühe gibt, kann auch maritime Anspielungen im Glas erkennen. In jedem Fall kann der Rostocker Hafenrum seine Herkunft nicht verleugnen und spielt auch ein wenig mit seinen alkoholischen Muskeln. Seine 57% sorgen für eine gute Struktur, ohne dass sie den Spass verderben. Ab der 18. KW gibt es das erste Kontingent im Handel. Eine zweite Runde der auf 444 Flaschen limitierten Abfüllung gibt es dann im Mai.

Tastingnotes
In der Nase Aromen von Tee und Zitrusschalen mit typischen Noten von Jamaikarum, am Gaumen Karamell und Trockenfrüchte mit Anspielungen von Schokolade und geschmeidigen Süßweinnoten, stämmig und kraftvoll mit einem weichen, warmen Herz.

Technische Daten
Rostocker Hafenrum 2020
Single Cask Banyuls – Fass

Herkunft: Jamaika WP Pot Still Rum
Reifung: 3 Jahre tropical aging auf Jamaika im Bourbonfass, danach continental aging für 25 Monate im Banyuls-Fass in Mecklenburg an der Ostseeküste
Alkohol: 57% vol.
Auflage: 444 Fl
Preis: 0,50l / 49,95 €
Abfüller: Weinhandlung F. Schollenberger Rostock

Hopfen, Malz, Hefe & Wasser

Wir in Mecklenburg haben es ja eigentlich schon immer gewusst, dass die Norddeutschen die besseren Bierbrauer sind. Denn es gab Zeiten, als selbst der Fürst-Bischof von Würzburg den Bewohnern der angeblichen Bierhauptstatt Deutschlands – München – „uff ewiglich“ das Brauen verbot, weil er die im Vergleich zu den norddeutschen Bierqualitäten grausigen flüssigen Machenschaften aus Bayern satt hatte.

beer-2649143

Dies geschah im Jahre 1434. Obwohl dieses Verbot wohl nur auf dem Papier bestand und es ziemlich schnell von den Münchner Brauerein unterlaufen wurde, hatten es diese sehr schwer gegen die Vormachtstellung der Brauerein aus dem Norden.
Durch die Hanse fanden die norddeutschen Biere nicht nur in Deutschland ihre Konsumenten. So waren die Biere aus Rostock im gesamten Ostseeraum begehrtes Handelsgut und hatten einen guten Ruf.
In Bayern wurde Bier fast nur an den Fürstenhöfen und in den Klöstern getrunken, da die Bevölkerung den eigenen Privatbrauern in Bezug auf die Qualität misstraute. Denn im bayrischen Bier landete so ziemlich alles was dort nicht reingehörte. Deshalb wurde schon im 12. Jahrhundert ein Gesetz zur „Reinhaltung des Bieres“ gefordert. Diese Probleme hatte man in Norddeutschland freilich nicht, denn hier wurden Biere von bester Qualität, auch ohne gesetzliche Reglung, erzeugt.
Um den bayrischen Bierpanschern endgültig das Handwerk zu legen, wurde deshalb auf dem Landständetag zu Ingolstadt am 23. April des Jahres 1516 von Herzog Wilhelm IV. von Bayern und seinem Bruder Ludwig X. verfügt, dass nur Gerstenmalz, Hopfen und Wasser zum Brauen verwendet werden durften. Mit diesem Reinheitsgebot verbesserte sich nun auch die Qualität der Biere aus dem Süden Deutschlands. Nun würzte man nicht mehr mit „den Kopf toll machenden Kräutern“.

Auszug aus dem Reinheitsgebot vom 23. April 1516
„Wie das Pier Summer un Winter aus dem Land sol geschenkt und prauen werden …(…)…das füran allenthalben in unseren stetten märckthen un auf dem lande zu kainem pier merer stückh dan allein gersten, hopfen un wasser genommen un gepraucht solle werdn.(…)“

Was ist Bier?
Bier entsteht durch alkoholische Gärung aus den Zutaten Hopfen, Malz, Hefe und Wasser. Nach dem deutschen Reinheitsgebot darf für untergärige Sorten nur Gerstenmalz verwendet werden. Für obergäriges Bier ist auch die Verwendung von Weizen-, Roggen-, und Dinkelmalz erlaubt. In anderen Ländern und Kulturen werden auch Mais, Reis und sogar Früchte zur Bierherstellung verwendet.

Die Biergattungen
Hier werden die Biere nach ihrem Stammwürzegehalt unterschieden. Der Stammwürzegehalt ist der Extrakt aller aus dem Malz gelösten Bierinhaltsstoffe in der noch nicht vergorenen Würze. Die Stammwürze wird bei der Gärung zu mehr als einem Drittel in Alkohol und Kohlensäure umgewandelt. Der Stammwürzegehalt wird mit der Bierwürzspindel gemessen. Heute unterscheiden wir zwischen Einfachbier mit bis zu 7% Stammwürze, Schankbier mit 7 – 11% Stammwürze, Vollbier mit 11 – 16% Stammwürze und Starkbier mit über 16% Stammwürze.

Obergärige Biere
Die Obergärung ist das alte Verfahren und findet bei einer Temperatur von 15 – 20°C innerhalb von drei bis fünf Tagen statt. Die hier tätigen Hefen steigen nach Beerdigung der Gärung an die Oberfläche. Hierbei entstehen geschmacksintensive und aromatische Biere wie Ale, Altbier, Trapsten-Bier, Porter und Weizenbiere.

Untergärige Biere
Die Untergärung ist heute die wichtigste Technologie zur Bierherstellung. Sie konnte aber erst nach der Erfindung der Ammoniak-Kältemaschine im Jahre 1876 durch Carl von Linde ihren Siegeszug antreten. Hier findet die Gärung zwischen 6 und 8°C innerhalb von sieben bis zehn Tagen statt. Nach der Gärung setzen sich die hier verwendeten Hefen am Boden des Gärbehälters ab. Untergärige Biere sind: Lager, Pilsner, Dortmunder, Malzbier, Märzen, Münchner, Bock, Doppelbock und Rauchbier.

Spontane Gärung
Diese wird in Belgien zur Herstellung von Lambick, Gueuze und Kriek angewendet. In dem besonderen Klima einer südlich von Brüssel gelegenen Region lösen wilde Hefen eine spontane Gärung beim Bier aus.

Frank Schollenberger