Black Tot Day

Die Rumtradition der Royal Navy begann 1655 mit der Eroberung Jamaikas durch die Engländer. Oliver Cromwell hatte Robert Venables und Admiral William Penn sen. mit einer Streitmacht in die Karibik geschickt, um gegen die Spanier zu kämpfen und hier Stützpunkte zu erobern.

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Auf Jamaika wurde erstmals an britische Seeleute Rum als Teil der täglichen Ration ausgegeben. Bis dahin waren feindliche spanische Weine und Brandy aus Frankreich Teil der Verpflegung. Diese hatten sich bei langen Seereisen als Ersatz für Wasser und Bier, welche schnell verdarben, erwiesen. In der Karibik war die Beschaffung von Wein und Brandy aber schwierig und man brauchte eine Alternative. Hier rückte der Rum ins Blickfeld, der auf der 1625 von den Portugiesen erworbenen Insel Barbados von den Britten hergestellt wurde. Im Jahre 1655 wurden auf Barbados ca. 4 Millionen Liter Rum erzeugt, die fast ausschließlich auf der Insel und in benachbarten Kolonien konsumiert wurden. Im Jahre 1668 gingen nur mickrige 1.000 Liter Rum als Exportgut in das Mutterland. Die Qualitäten des karibischen Rums waren damals auch nicht so gut, dass sie eine größere Nachfrage auf den britischen Inseln erzeugt hätten.
Aber um die Seeleute der Marine zu versorgen, reichten die Qualitäten aus. Außerdem war der Rum in Fässern auf den Schiffen haltbar. Auf den Reisen stellte sich dann heraus, dass sich die Qualität des Rum im Laufe der Zeit mit der Lagerung in den Fässern verbesserte. Außerdem erkannten die Plantagenbesitzer der britischen Kolonien den neuen Absatzkanal und machten sich für die Verwendung des karibischen Rums auf den Schiffen in der Karibik stark und sorgten dafür, dass der teure Brandy und Wein nicht mehr an die Mannschaften ausgegeben wurden. Im Jahre 1731 war Rum dann ganz offiziell Teil der Bordverpflegung. Aus dieser Zeit stammt wohl auch die Bezeichnung Over Proof, was so viel wie Probe oder Nachweis bedeutet. Die Seeleute prüften den Alkoholgehalt des ihnen zustehenden Rums mit Hilfe von Schießpulver, indem Sie das Schießpulver mit dem von den Offizieren ausgegebenen Rum tränkten. Wenn das befeuchtete Schießpulver zündetet und mit blauer Flamme brannte, war es Over Proof und hatte einen Alkoholgehalt um 57 Prozent. So konnten sich die Seeleute vor dem absichtlichen Panschen des Rums schützen, denn das so ergaunerte Geld wanderte in die Kassen der Offiziere. Noch heute wird Proof in den USA (50%) und in Großbritannischen (57%) als Maßeinheit für den Alkoholgehalt verwendet.

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Ab 1779 wurde vom Versorgungsamt der Royal Navy auf allen Schiffen, in allen Operationsgebieten ausschließlich Rum an die Mannschaften der Marine ausgegeben. Seit 1731 hatten die britischen Seeleute in der Karibik Anspruch auf ein halbes Pint (1/4 Liter) Rum.
Während des „War of Jenkin‘s Ear“ gegen Spanien kommandierte Admiral Edward Vernon das britische Geschwader in der Karibik. Dieses war in Port Royal stationiert. Hier erteilte er diesem am 21. August 1740 den Befehl, den in den Heuerverträgen zugesicherten Rum nur noch verdünnt auszugeben. Vernon war der Ansicht, dass die zugeteilte Menge Rum Disziplinlosigkeit und Alkoholismus befördert. Durch die Verdünnung von 1:4 sollten die Seeleute gezwungen werden, nicht alles auf einmal zu trinken. Der Spitzname des Admirals bei seinen Mannschaften, „Old Grog“, soll Namenspatron von dem auch in Norddeutschland populären Grog als Mischung von Wasser und Rum gewesen sein.
1756 wurde die tägliche Ausgabe von mit Wasser gestrecktem Rum an die Seemannschaften in dem britischen „Naval Code“ festgelegt. 1824 wurde diese Menge Rum in der Marine auch durch die starke Abstinenzlehrbewegung auf die Hälfe reduziert. Als Ausgleich wurden die Tabak-, Tee- und Fleischrationen erhöht. Ab 1848 konnten sich die Besatzungsmitglieder alternativ auch für gesüßten Tee entscheiden.
Die Rumration, der sogenannte Tot, wurde dann auf Betreiben der Admiralität immer wieder verkleinert und durch die Zahlung des sogenannten „Grog Money“ an die Seeleute eine Möglichkeit geschaffen, ganz auf den Rum zu verzichten. Nun gab es nur noch einmal am Tag Rum für die Mannschaften und Offiziere. Diese Ration bestand aus 71 Milliliter 54-prozentigen Rums.

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Nach dem ersten Weltkrieg im Jahre 1918 wurde die Rumausgabe an Offiziere abgeschafft. Da der Dienst auf den Schiffen seiner Majestät immer anspruchsvoller wurde, nahmen 1950 nur noch ca. 33 Prozent der in der Navy Dienenden die Rumration in Anspruch. Außerdem war das Autofahren unter Alkoholeinfluss verboten, in der Marine hingegen wurden moderne und komplexe Waffensysteme unter dem Einfluss von Alkohol bedient.
Es dauerte aber noch bis zum Dezember 1969, in dem die Admiralität beschloss, die Rumausgabe an ihre Mannschaften einzustellen. Das Unterhaus des Parlaments in London führte auf Betreiben des Abgeordneten James Wellbeloved am 28. Januar 1970 noch eine Debatte über die Rücknahme dieser Anordnung.
Diese mit viel Humor geführte Debatte ging als Great Rum Debatte in die Geschichte ein.
Im Rahmen der Diskussion wies der Marinestaatssekretär David Owen auf die einzusparende Summe von fast 3 Millionen Pfund hin. Das Unterhaus bestätigte daraufhin die Entscheidung der Admirale. Mit dem eingesparten Geld wurden in der Folge über den Sailor‘s Fund die Freizeitaktivitäten der Marineangehörigen subventioniert.
Über drei Jahrhunderte war der braune Navy Rum in Fässern der Begleiter der Seeleute in der Royal Navy auf allen Meeren. Die Fässer waren zu Ehren des jeweils herrschenden Monarchen mit „Die Königin – Gott segne sie“ oder „Der König – Gott segne ihn“, beschriftet. Mit seinen 57,1 Prozent bot der braune Stimmungsaufheller Stoff für Legenden und Mythen auf allen sieben Meeren.
Der Black Tot Day war dann der 31. Juli 1970, an dem die Seeleute der Royal Navy ein letztes Mal ihre Kupferbecher mit dem ihnen zustehenden Tot Rum füllen konnten. Weltweit trugen die Matrosen auf britischen Kriegsschiffen einen Trauerflor und begingen diesen Tag mit Trauerzeremonien und Salutschüssen.

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Bei der Royal Canadian Navy dauerte es noch bis 1972. Hier wurde der „Black Tot Day“ am 31. März zelebriert. In der Royal Australian Navy wurde die Rumausgabe schon 1921 eingestellt, die US Navy hatte dies bereits am 1. September 1862 während des Sezessionskrieges getan. In der Royal New Zealand Navy gab es den Rum für die Seeleute noch bis zum 28. Februar 1990.
Sein Ende im Ausschank bei der Royal Navy war aber nicht das Ende des Navy Rums für Rumliebhaber. Im Jahre 1979 erhielt der Destillateur Charles Tobias das Rezept des Rums, der die Grogwannen auf britischen Schiffen füllte, von der Admiralität und begann, die Mischung aus fünf westindischen Rums als Navy Rum zu verkaufen. Tobias nannte seine neue Firma Pusser nach dem Slang-Begriff für einen Schiffsinspektor, der ursprünglich die Rationen an die Seeleute verteilte. Weitere Unternehmungen wie Lambs folgten. Heute gibt es eine Vielzahl von sogenannten Navy Rums, nicht nur mit britischer Historie. Einige dieser Produkte erzählen Geschichten von österreichischen und dänischen Marinerum-Traditionen. Für Rumliebhaber und Sammler gibt es auch heute noch einige Flaschen des Black Tot ‚Last Consignment‘ British Royal Naval Rum (auch in der Weinhandlung Schollenberger zu haben).
Dieser dunkle, sehr elegante und schwer zu findende Rum stammt aus den letzten Fässern, die für die Navy vor 1970 gefüllt wurden. Dieser alte Rum ist schokoladenbraun, holzig, anisig, stark konzentriert und einfach unglaublich. Eine Flasche kostet heute mehrere Hundert Euro. Aber zum Glück gibt es den passenden Kupferbecher kostenlos dazu.

Frank Schollenberger

Collective Z – Lebendiger Wein aus der Pfalz

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Collective Z ist nicht nur wegen seiner Größe ein ganz besonderes Projekt in Sachen Wein in Bad Dürkheim. Hier am Rande des Pfälzer Waldes in Leistadt, einem Vorort von Bad Dürkheim, machen Marie und Christoph ambitioniert Wein. Christoph kommt eigentlich aus der Werbebranche und hat Konzepte und Kampagnien für viele angesagte Weingüter entwickelt. Marie kommt aus dem Weinbau. So war es wohl ganz zwangsläufig, dass die beiden irgendwann Wein machen. Mit Hilfe von Freunden und der Familie bewirtschaften sie hier seit 2019 ihr Garagenweingut. Auf 1,5 Hektar pflegen sie mit Hingabe ausschließlich kleinteilige alte Rebanlagen. Für andere Winzer waren diese Weinberge mit ihrem alten Bestand an Rebstöcken nicht mehr wirtschaftlich. Für Marie und Christoph waren diese alten Rebanlagen, die zwischen 25 und 50 Jahre alt sind, aber ein Glücksgriff. So sind die Erträge auf diesen Parzellen, die keiner Flurbereinigung zum Opfer gefallen sind, sehr niedrig. Die Qualität des Lesegutes von den alten Rebstöcken ist bei natürlich niedrigen Erträgen und einer händischen Selektion sehr gut. Geprägt sind die Parzellen rund um Bad Dürkheim vom Kalkstein. Bei der Vinifizierung achten die Winzer auf eine natürlich Arbeitsweise. So werden die Weine natürlich handgelesen, spontan vergoren und nicht filtriert. Gerne werden für die Reifung kleine Holzfässer eingesetzt und traditionelle Weinbereitungsmethoden ausprobiert. Oft ist hierbei weniger mehr. Die Weine sind daher etwas ganz Besonderes. Sie sind keine glattgebügelte Konfektionsware von der Stange, sondern sehr eigenständige natürliche Persönlichkeiten mit Charakter, auf die man sich einlassen muss. Wenn man hierzu bereit ist, sind sie nicht nur in der Küche liebenswerte Begleiter. Ein Ausdruck der Individualität der Weine, dieser „Jungen Wilden“, welche sicher auch Bewahrer sind, ist die teilweise sehr kleine Auflage der Weine. So gibt es dann eben nur 800 Flaschen von einem Wein im Jahr und wir als glückliche Händler freuen uns z.B. über 30 Flaschen von einer Sorte, die wir ergattern konnten. Und wenn ich die Weine dann auf dem Feierabendbalkon trinke und ganz großen Spaß damit habe, überlege ich schon, ob ich dann nicht alle 30 Pullen im Laufe der Zeit selber trinke. Aber man muss auch gönnen können und so gibt es dann doch die eine oder andere Flasche von Colective Z bei uns in den Läden in gute Hände abzugeben.

Frank Schollenberger

Neu im Regal: Pepe Ginebrita

Ginebra estilo cubano (45% vol.)
Pepe-Ginebrita
Das flüssige Denkmal für José Marti nach einem kubanischen Familienrezept. Der Duft Kubas, eingefangen in einer Flasche. Pepe Ginebrita ist dervolkstümliche Name für José Marti (1853-1895). Marti war ein hochverehrter kubanischer Poet und Schriftsteller und gilt als Nationalheld und Symbol für den Unabhängigkeitskampf Kubas gegen die spanische Kolonialmacht.

Neu im Regal: Rum PLANTATION „Fiji 2005“ & „Jamaica 2003“

Wir freuen uns sehr, Ihnen aus dem Hause Plantation zwei limitierte Qualitäten der ONE-TIME Limited Edition anbieten zu können. Diese Produkte wurden in den sozialen Medien und einschlägigen Foren bereits sehr positiv besprochen und deren Erscheinen in Deutschland sehnsüchtig erwartet.

Da es für Deutschland jeweils nur 450 Flaschen pro Sorte gibt, ist die Verfügbarkeit limitiert.

Die Produkte sind ab heute in unseren Geschäften in Bad Doberan und Rostock verfügbar.

Wer eine Gelegeheit sucht, den ONE-TIME Jamaikaner und Fiji-Rum zu probieren, dem sei unsere Hafenrumfahrt am 11. Juni empfohlen. Hier gibt es wie gewohnt tolle Spirituosen und Zigarren (aus dem Hause Kleinlage) in maritimer Umgebung.
Start ist um 19.00 Uhr mit der MS Kehrwieder in Warnemünde. Bei Interesse bitte reservieren.

Rum PLANTATION Fiji 2005
50,2% vol., ONE-TIME Limited Edition, im Etui
70 cl, 6er Karton
Artikel-Nr. 7655
Preis/Flasche: 77,55 € netto

Rum PLANTATION Jamaica 2003
49,5% vol., ONE-TIME Limited Edition, im Etui
70 cl, 6er Karton
Artikel-Nr. 7702
Preis/Flasche: 77,55 € netto

Nachfolgend finden Sie weitere Informationen zu den Produkten:

Expertise_Plantation_Fiji2005_7655_2seitig-2Expertise_Plantation_Fiji2005_7655_2seitig-1

Expertise_Plantation_Jamaica2003_7702_2seitig-2Expertise_Plantation_Jamaica2003_7702_2seitig-1