Hopfen, Malz, Hefe & Wasser

Wir in Mecklenburg haben es ja eigentlich schon immer gewusst, dass die Norddeutschen die besseren Bierbrauer sind. Denn es gab Zeiten, als selbst der Fürst-Bischof von Würzburg den Bewohnern der angeblichen Bierhauptstatt Deutschlands – München – „uff ewiglich“ das Brauen verbot, weil er die im Vergleich zu den norddeutschen Bierqualitäten grausigen flüssigen Machenschaften aus Bayern satt hatte.

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Dies geschah im Jahre 1434. Obwohl dieses Verbot wohl nur auf dem Papier bestand und es ziemlich schnell von den Münchner Brauerein unterlaufen wurde, hatten es diese sehr schwer gegen die Vormachtstellung der Brauerein aus dem Norden.
Durch die Hanse fanden die norddeutschen Biere nicht nur in Deutschland ihre Konsumenten. So waren die Biere aus Rostock im gesamten Ostseeraum begehrtes Handelsgut und hatten einen guten Ruf.
In Bayern wurde Bier fast nur an den Fürstenhöfen und in den Klöstern getrunken, da die Bevölkerung den eigenen Privatbrauern in Bezug auf die Qualität misstraute. Denn im bayrischen Bier landete so ziemlich alles was dort nicht reingehörte. Deshalb wurde schon im 12. Jahrhundert ein Gesetz zur „Reinhaltung des Bieres“ gefordert. Diese Probleme hatte man in Norddeutschland freilich nicht, denn hier wurden Biere von bester Qualität, auch ohne gesetzliche Reglung, erzeugt.
Um den bayrischen Bierpanschern endgültig das Handwerk zu legen, wurde deshalb auf dem Landständetag zu Ingolstadt am 23. April des Jahres 1516 von Herzog Wilhelm IV. von Bayern und seinem Bruder Ludwig X. verfügt, dass nur Gerstenmalz, Hopfen und Wasser zum Brauen verwendet werden durften. Mit diesem Reinheitsgebot verbesserte sich nun auch die Qualität der Biere aus dem Süden Deutschlands. Nun würzte man nicht mehr mit „den Kopf toll machenden Kräutern“.

Auszug aus dem Reinheitsgebot vom 23. April 1516
„Wie das Pier Summer un Winter aus dem Land sol geschenkt und prauen werden …(…)…das füran allenthalben in unseren stetten märckthen un auf dem lande zu kainem pier merer stückh dan allein gersten, hopfen un wasser genommen un gepraucht solle werdn.(…)“

Was ist Bier?
Bier entsteht durch alkoholische Gärung aus den Zutaten Hopfen, Malz, Hefe und Wasser. Nach dem deutschen Reinheitsgebot darf für untergärige Sorten nur Gerstenmalz verwendet werden. Für obergäriges Bier ist auch die Verwendung von Weizen-, Roggen-, und Dinkelmalz erlaubt. In anderen Ländern und Kulturen werden auch Mais, Reis und sogar Früchte zur Bierherstellung verwendet.

Die Biergattungen
Hier werden die Biere nach ihrem Stammwürzegehalt unterschieden. Der Stammwürzegehalt ist der Extrakt aller aus dem Malz gelösten Bierinhaltsstoffe in der noch nicht vergorenen Würze. Die Stammwürze wird bei der Gärung zu mehr als einem Drittel in Alkohol und Kohlensäure umgewandelt. Der Stammwürzegehalt wird mit der Bierwürzspindel gemessen. Heute unterscheiden wir zwischen Einfachbier mit bis zu 7% Stammwürze, Schankbier mit 7 – 11% Stammwürze, Vollbier mit 11 – 16% Stammwürze und Starkbier mit über 16% Stammwürze.

Obergärige Biere
Die Obergärung ist das alte Verfahren und findet bei einer Temperatur von 15 – 20°C innerhalb von drei bis fünf Tagen statt. Die hier tätigen Hefen steigen nach Beerdigung der Gärung an die Oberfläche. Hierbei entstehen geschmacksintensive und aromatische Biere wie Ale, Altbier, Trapsten-Bier, Porter und Weizenbiere.

Untergärige Biere
Die Untergärung ist heute die wichtigste Technologie zur Bierherstellung. Sie konnte aber erst nach der Erfindung der Ammoniak-Kältemaschine im Jahre 1876 durch Carl von Linde ihren Siegeszug antreten. Hier findet die Gärung zwischen 6 und 8°C innerhalb von sieben bis zehn Tagen statt. Nach der Gärung setzen sich die hier verwendeten Hefen am Boden des Gärbehälters ab. Untergärige Biere sind: Lager, Pilsner, Dortmunder, Malzbier, Märzen, Münchner, Bock, Doppelbock und Rauchbier.

Spontane Gärung
Diese wird in Belgien zur Herstellung von Lambick, Gueuze und Kriek angewendet. In dem besonderen Klima einer südlich von Brüssel gelegenen Region lösen wilde Hefen eine spontane Gärung beim Bier aus.

Frank Schollenberger

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