Neu bei uns und verdammt lecker … Goldhem Schokolade aus Erfurt

Lust auf richtige Schokolade?

Wäre es nicht viel erhebender, eine Schokolade zu bekommen, die einfach nur eine gute Schokolade ist? Eine, bei der die Zunge den Gaumen zu einem filigranen Streichinstrument trimmt. Dabei die höchsten Töne des Genusses herbei zupft.
Chocolatier Alexander Kühn sagt es mit weit weniger Schmelz: „Eine gute Schokolade braucht zu allererst einmal eine gute Bohne. Es gibt, ähnlich wie beim Wein verschiedene Anbaugebiete, abhängig vom Boden Klima, Pflanze. Die fachgerechte Behandlung der Schote. Das Herauslösen und Trocknen der Bohne. Man schmeckt, wenn die Bohne über dem Feuer getrocknet wurde, und nicht von der Sonne. Rauchigen Geschmack brauchen wir nicht. Die Gärung spielt eine entscheidende Rolle.

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Der Chocolatier hat nun die Aufgabe, die durch das Conchieren entstandene Kuvertüre zu verarbeiten. Hierbei gibt es die verschiedensten Möglichkeiten. Darauf kann man ja im einzelnen eingehen.
Wichtig ist eben vor allem die Philosophie des Chocolatiers in der Schokolade, die man spürt. Lieblos die durch Maschinen hergestellten Sachen. Die Liebe, die man jeden Tag aufbringt entscheidet weitest gehend über den Geschmack. Wie bei jedem Essen auch.
So. Es geht also um die Bohne. Um die möglichst sanfte Behandlung des reinen Geschmacks.
Wie ist es nun mit Schokoladen und Gewürzen? Wichtig hierbei: wenn ich ein gutes Stück Fleisch oder Fisch habe, dann macht es keinen Sinn, mit Gewürzen und übersteuerten Soßen unser Hauptprodukt geschmacklich zu zerstören. Nein, es sollte unterstützend wirken.
Und unser Hauptprodukt ist die Kakaobohne! Gewürze dürfen diesen Geschmack nicht kaputt machen. Eine gute Schokolade schmeckt lange nach. Erst dann sollte der Geschmack des Gewürzes dazu kommen.

(www.goldhelm-schokolade.de)

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Portwein – Roter Samt?

„Die erste Pflicht des Portweins ist es, rot zu sein und die zweite, getrunken zu werden.“
(Ernest Cockburn)

Die 2. Aussage gilt uneingeschränkt. Beim ersten Teil seiner Ansage hatte der alte Cockburn die großartigen weißen Ports wohl vergessen und die seit 2008 erzeugten modernen Rosé-Ports nicht gekannt.

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In alten Zolldokumenten von 1678 wird der Wein aus dem Dourotal zum ersten Mal als Portwein bezeichnet. Dieser Wein, den man noch viel zu oft in traditonellen Herrenklubs verortet, wo er von alten Männern getrunken wird, kann viel mehr. Natürlich hat dieser grandiose Wein, dessen namensgebender Ort mehrere hundert Kilometer außerhalb des eigentlichen Anbaugebietes liegt, eine fast sagenhafte Vergangenheit. Er hat aber auch das Potential für eine spannende Zukunft.
Schon für die Jungsteinzeit gibt es fossile Belege für im Dourotal gedeihende Reben. Die Römer verbreiteten den Weinbau im ganzen heutigen Portugal. Während ihrer Herrschaft über Portugal waren dann die islamischen Mauren weise genug, ihre eigenen Auffassungen zum Genuss von Weinen nicht mit Gewalt durchzusetzen, so dass der Weinbau und Weingenuss nicht zum Erliegen kam. Im 11. Jahrhundert eilte Heinrich II. von Burgund Alfons VI. König von Kastilien im Kampf gegen die Mauren zur Hilfe. Als Belohnung für seine Waffenbrüderschaft erhielt Heinrich Alfons uneheliche Tochter zur Frau und als Mitgift einen großen Teil des heutigen Portugal.
Der Franzose Heinrich förderte in seiner neuen Heimat, zu der auch das Dourotal gehörte, den Weinbau. Unter anderem ergänzte er das Rebsortenspektrum durch Reben aus seiner französischen Heimat. Sein Sohn Alfons I. verbot mit einem Edikt das Abholzen aller Reben auf königlichem Besitz und dessen Nachfolger wie Dionysius förderten die Anlage von neuen Weingärten. 1373 schlossen die Portugiesen ein Abkommen mit den Engländern, das ihnen erlaubte, für die Lieferung von Lamego-Wein in englischen Gewässern den beliebten Kabeljau zu fischen. Der Namenspatron für den Vorgängerwein des Ports war, die ca. 8 Kilometer vom südlichen Douro-Ufer entfernt liegende, Stadt Lamego. Ende des 17. Jahrhunderts stand es um die Beziehungen der Engländer zu Frankreich mal wieder nicht zum Besten und der gewachsene Bedarf nach Wein auf der Britischen Insel machte die Suche nach neuen Weinherkünften erforderlich. Daher sahen sich englische Kaufleute auf der Iberischen Halbinsel in Spanien und Portugal nach Exportweinen um. Hier einen anständigen Wein für die anspruchsvolle Kundschaft zu finden, war dann nicht so einfach, denn das, was sie hier in den Kellern fanden, waren teils erbärmliche Tropfen. Denn die Landwirtschaft in Portugal lag am Boden. In den Kellern wurde nicht sauber gearbeitet, die verwendeten Fässer waren ungepflegt und teils verrottet und beim Transport in geharzten Ziegenlederschläuchen bekamen die erbarmungswürdigen säure- und tanninhaltigen Tröpfchen den Rest und waren so kaum zu genießen, geschweige denn, den anspruchsvollen britischen Kunden zuzumuten. Fündig wurden die Kundschafter des guten Geschmacks, zwei Söhne eines Weinhändlers aus Liverpool, in einem portugiesischen Kloster. Hier stellten Mönche einen Wein her, der hygienisch einwandfrei, lagerfähig und trinkbar war. Das Geheimnis des Abtes von Lamego und seiner Mönche war ein Kunstgriff. Dem Wein wurde am Ende der Gärung Brandwein zugeführt. Dies verlieh dem Wein seinen typischen Charakter. Dieser Wein wurde nun unter dem Namen „Priest Port“ für die Briten zum Begriff für Qualität und zu einer Art Herkunftsbezeichnung. Das Aufspritten des Weines erwies sich auch als Glücksgriff in Bezug auf den Export. Der Alkohol konservierte und schützte den Port beim Transport auf die Insel und wurde hier zu einer geschätzten Alternative zu den Weinen vom „Erbfeind“ Frankreich, der den Engländern im Streit immer wieder den Weinhahn zudrehte. Mit dem Port hatte man nun im vereinigten Königreiche eine Alternative und er wurde etwas sehr Britisches. Es verwundert daher nicht, dass viele englische und schottische Weinhändler sich auf den Handel mit Port spezialisierten und sich in Porto ansiedelten. Beleg hierfür sind die noch heute geschätzten Produkte von Cockburn, Graham, Croft, Delaforce (siehe Foto oben), Sandemann, Offley, Taylor, Warre, Dow‘s und Churchill‘s. In der Folge spielten durch den wechselseitigen Handel mit Port und dem in Portugal sehr beliebten Stockfisch – Kabeljau, der in  Portugal Bacalhau heißt – auch Deutsche, wie Kopke, Burmester, Andresen aber auch Niederländer wie Nieport und van Zeller sowie einheimische Häuser wie Calem,  Fonseca und Ferreira eine gewichtige Rolle.
Im 18. Jahrhundert wurde der Port immer populärer und die Portweinhändler errichteten in Vila Nova de Gaia imposante Lagerhäuser, in denen der Wein aus dem Dourotal vor der Verschiffung über den Hafen von Porto gelagert wurde. Der mehrere hunderte Kilometer lange Transport von den Winzern zu den Händlern in Porto wurde auf dem Douro mit den Rabelos bewerkstelligt. Das sind Boote mit einem geringen Tiefgang, auf denen die Porteweinfässer mit Hilfe der Strömung flussabwärts transportiert wurden. Heute haben diese Boote eigentlich nur noch eine repräsentativen und touristischen Aufgabe. Romantisch liegen sie, als Fotomotiv im Schatten der Handelshäuser am Douro vor Anker.
Die große Nachfrage im 18. Jahrhundert führte dazu, dass man anfing, zu schummeln. Einem schlechten Grundwein wurde Alkohol zugesetzt. Diese dünne Suppe wurde mit Gewürzen  aromatisiert, um ihr geschmacklich auf die Sprünge zu helfen und zur farblichen Aufhübschung wurde Holunderbeersaft zugesetzt. Mit diesem Schund wurde der Markt überschwemmt und der Preis für echten Portwein fiel ins Bodenlose.

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Den Schwarzen Peter für dieses ruinöse Debakel schoben sich nun Händler und Winzer gegenseitig zu. Die Lage war so dramatisch, dass der Premierminister des Portugiesischen Königs und spätere Marquis de Pombal sich zum Eingreifen veranlasst sah und zur Kontrolle des Portweinhandels 1756 eine Monopolverwaltung mit dem Namen „Douro Wine Company“ installierte. Außerdem erließ er Gesetze, in denen die zu verwendenden Trauben, die Region und Qualitätsstandarts definiert wurden. Zur Durchsetzung dieser Portweingesetze konnte sogar die Armee eingesetzt werden. Außerdem erschwerte er das Panschen, in dem er, das Abholzen, der zum Weinfärben verwendeten Holunderbeergehölze anordnete. Diese Qualitätsstandards wurden 1907 modifiziert und im Jahre 1926 maßgeblich neu geregelt. Nun mussten alle Händler in Vila Nova de Gaja eine eigene Kellerei besitzen. So konnte man diese besser überwachen. Es stärke aber auch die Stellung der großen Handelshäuser gegenüber den Erzeugern im Dourotal. Diese Gesetze wurde 1986 abgeschafft und so der Markt für kleine einheimische Betriebe geöffnet.
Heute ist Portwein als Süßwein bekannt. Jedoch vor 1820 waren die meisten Portweine traditionell trocken. Der Alkohol wurde erst zum Ende der Gärung zugesetzt, zu einem Zeitpunkt an dem der Zucker im Wein von den Hefen bereits zu Alkohol umgewandelt ist. Nach einer grandiosen Ernte 1820 zeigte sich das große Potential des Ports als Süßwein und man unterbrach nun die Gärung zu einem frühen Zeitpunkt, um den prägenden Restzucker zu erhalten. Mit diesem Eingriff entstand für die damalige Zeit ein ganz neuer moderner Wein,  der mit seinen Spielarten auch noch heute begeistert und ein großes Alterungspotential hat.
Die große Vielzahl an Rebsorten, Spielarten, Typen und Reglungen machen den Portwein auch für ambitionierte Weintrinker in Deutschland zu einem Mysterium. Und sorgt wohl dafür, dass er im Gegensatz zu unseren Nachbarn bei uns oft etwas unterschätzt wird. Aber keine Angst, entscheidend ist der Spass den dieses grandiose Getränk macht und die unglaubliche Bandbreite seiner Anwendungsmöglichkeiten und Kombinationsvielfältigkeit.
Daher hier zur Orientierung nur eine grobe Einteilung des Weines, dem man nachsagte, er wäre im Gegensatz zum Bordeaux der Wein für Männer und nicht für Jünglinge.

White Port
Zu unrecht führen die weißen Portweine oft noch immer ein Schattendasein im Vergleich zu ihren roten Brüdern. Die Roten werden oft nach dem Essen getrunken. Gut gekühlter White Port in seiner trockenen Ausführung wird in Porto als klassischer Aperitif gereicht. Neben dem trockenen dry gibt es Typen mit unterschiedlichen Süßegraden wie Extra Dry, Demi-sec und Extra Sweet und als Krone der weißen Schöpfung die süßen Lagrimas (Tränen). Ein empfehlenswerter sommerlicher Erfrischungsklassiker ist der Longdrink Porttonic. Hier wird weißer Port mit Tonic und Zitrone auf Eis gemischt.

Ruby
Dies sind die fruchtigen, wie es der Name schon verheißt rubinroten Qualitäten, die mindestens zwei bis drei Jahre im großen Eichenfass lagern, bevor sie verkauft werden dürfen. Um seinen fruchtigen und zugänglichen Charakter zu erhalten, werden diese strahlenden Rubine dann in die Flasche gefüllt. Die Reifung findet reduktiv vornehmlich in der Flasche statt. Rubys sind daher Flaschengereifte Portweine. Zum Ruby-Typ gehören: Ruby, Ruby Reserve, Crusted Port, Late Bottled Vintage ( LBV) und Vintage Port. Rubys sind vielseitige Dessertweine, die auch mit Schokolade oder Käse funktionieren. Aber auch als Aperitif leicht gekühlt, zu Salzgebäck und Nüssen macht so ein flüssiger Rubin Spass.

Tawny
Dieser reift im Unterschied zu seinem fruchtigen Bruder nach zwei bis drei Jahren im großen Fass, dann in kleinen Eichenfässern, den sogenannten Pipas weiter. Tawnys sind Fassgereifte Portweine. Auch hier weißt der Name Tawny (lohfarben) auf die Farbe hin. Diese entsteht durch die oxidative Reifung in den kleinen Fässern. Hier entwickeln sich Noten von Trockenfrüchten, Nüssen und Mandeln. Die Weine hellen sich immer mehr auf und entwickeln sich zu Qualitäten mit hellen bernstein- und goldgelben Farbtönen.
Zu den Tawnys gehören Tawny, Old Tawny und Colheita. Tawnys haben vielfältige Einsatzmöglichkeiten, sind gute Begleiter und gute Digestifs nach dem Essen.

Rosé Port
Dies ist die modernste Spielart des Ports. Als erste Haus kam 2008 Croft mit einem Rosé auf den Markt. Seit 2009 ist Rosé als offizielle Sorte registriert. Andere Häuser, wie Calem haben nachgezogen. Der Rosé ist eine jugendliche fruchtige Variante, der wie weißer Port gekühlt bei 10°C oder als Bestandteil von Cocktails serviert wird.

Frank Schollenberger
Sommelier

Revolution in Irland

Als Whiskyfreund geht einem im Moment das Herz auf, wenn man nach Irland schaut. Hier passiert im Moment eine großartige Whiskey-Revolution.

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In diesem Land, welches in Bezug auf den identitätsbildenden Stoff Whiskey viele Jahrzehnte hindurch wirklich gebeutelt war, findet im Moment eine Whiskey-Revolution statt. Lange gab es auf der grünen Insel nur zwei Destillen, welche unter dem Dach der Irish Distillers Group Whiskey produzierten.
Eine Vielzahl von Marken, wie z.B. John Jameson, Paddy, Redbreast, Green Spot und John Power kamen aus der modernen Zentralbrennerei in  Midleton im County Cork im Süden der Republik Irland. Im königlich-britischen Norden im County Antrim wurde bei Old Bushmills in der 1784 gegründeten Destille Single Malt Whiskey produziert. Dies waren dann die bescheidenen Reste einer einstmals stolzen Whiskey-Industrie.
Auch in Irland gab es einmal ähnlich viele Brennereien wie in Schottland. Die Iren beanspruchen daher stolz das Recht für sich, als erste „Das Wasser des Lebens“ aus Getreide gebrannt zu haben. Mönche in Eire verstanden schon früh die Kunst des Brennens. Die Verwendung von Gerste ist aber erst für das Jahr 1556 belegt und eine erste offizielle Brenn-Lizenz stellte König James I. Im Jahre 1608 aus. Laut einem Gesetz von 1759 waren in Irland zur Herstellung von „Aqua Vitae“ neben Malz zwischenzeitlich auch Getreide und Kartoffeln erlaubt. Die Herrschenden verstanden es schon früh, mit einem Gesetz aus dem Jahre 1661 ihren Untertanen durch die Besteuerung des Whiskeys das Geld aus den Taschen zu ziehen. Von nun an wurde zwischen legalem Parlamentswhiskey und illegalem Poitin unterschieden. Die Bereitschaft der Iren, auf ihr Nationalgetränk Steuern zu bezahlen, hielt sich in überschaubaren Grenzen.
So wurde die Schwarzbrennerei zum Symbol des Aufbegehrens gegen die englische Fremdherrschaft  und zu einer Massenbewegung. 1822 wurden auf der Insel neben 20 legalen Destillen über 800 illegale Brennanlagen gezählt oder vermutet.
Mit dem Exise Act von 1823 schaffte man es in Irland und auch in Schottland die Schwarzbrennerei etwas einzudämmen. Mit der Zahlung von 10 Pfund konnte man seine Brennblase mit einem Fassungsvermögen von über 160 Litern legalisieren. Außerdem kamen die englischen Steuerbehörden, welche in Irland das Sagen hatten, auf die komfortable Idee, den Ausgangsstoff zu besteuern. Diese  Steuer auf Malz brachte dann einen wirklich irischen Whiskeytyp hervor. Denn die findigen Iren wollten Steuer sparen und ersetzten einen großen Teil der gemälzten Gerste durch ungemalzte Gerste und schufen so den unverwechselbaren Irish Pure Pott Still Whiskey.
Seine Blüte erreichte der fülligere irische Whiskey im 19. Jahrhundert. Aber mit der aufstrebenden Temperenzler-Bewegung, die gegen den „Teufel Alkohol“ zu Felde zog, zeichnete sich mit einem drastischen Kneipensterben schon ein Verfall ab. Dann verpassten die Iren auch noch eine wichtige technische Neuerung wie die Herstellung von Grain-Whiskey. Dieser wurde in Schottland mit Hilfe der vom Iren Aeneas Coffey erfundenen Coffey Stills billig hergestellt. Der einfache Grain wurde mit einem Schuss Malt aromatisiert  und aufgehübscht. Und konnte nun als einladender Tropfen billig in alle Welt verkauft werden. Als die irischen Brenner aus ihrem Schlaf erwachten und auch auf Grain-Whiskey setzten, hatten die schottischen Verwandten  schon viele wichtige Märkte erobert. Dann verloren die irischen Brenner, nach der Trennung vom Vereinigten Königreich, auch noch viele Kunden in Grossbritannien und seinen Kolonien. Der Todesstoß für die irische Whiskeyindustrie war dann aber die Prohibition in den USA. Danach führte der Whiskey von der Grünen Insel nur noch ein Dasein im Schatten der Vettern aus Schottland.

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1966 waren nur noch vier Brennereien aktiv. In diesem Jahr schlossen sich dann Jameson, Powers und die Cork Distillers zur Irish Distillers Group (IDG) zusammen, um zu retten was noch zu retten war. 1970 schloss sich dann die einzige verbliebende Nordirische Destille Od Bushmills der Gruppe an. IDG errichtete dann im Jahre 1975 in Midleton eine Zentralbrennerei für die Republik Irland, in der dann alle Marken erzeugt wurden. Alle anderen Brennereien wurden stillgelegt oder wurden zu Museen.
Pernod Ricard erwarb 1987 die IDG und hatte scheinbar das Thema Irish Whiskey fest in der Hand. Ein Lichtblick war dann aber im gleichen Jahr die Gründung der Cooley Distillery in Riverstown an der Grenze zu Nordirland durch John Telling. Der Betrieb war zuvor eine staatliche Kartoffelschnapsbrennerei. Dies war für den irischen Whiskey ein wahrer Segen, denn Telling mischte mit seinem Freund Willie McCarter nun die irische Whiskeyindustrie auf und haucht ihr mit diesem Projekt neues Leben ein.
Bis zum Verkauf im Dezember 2011 an Jim Beam für 95 Mio. US Dollar galt Cooley als einzige unabhängige Brennerei auf der Insel. Aber der Trend zur Gründung von unabhängigen Destillen war nun nicht mehr aufzuhalten, denn im November 2012 ging auf der Halbinsel Dingle mit der Dingle Distillery eine neue unabhängige Brennerei an den Start und leitete somit eine kleine Whiskeyrevolution ein. Der erste eigene Whiskey wurde hier am 19.12.2015 abgefüllt. Hier an der Atlantikküste werden nun mit drei kupfernen Pott Stills Single Pott Still Whiskeys und Single Malts produziert. In der Folge machte das Beispiel Schule und im Moment schießen neue Whiskeyprojekte, Abfüller und Brennereineugründungen wie Pilze aus dem Boden.
In Skibereen, der inoffiziellen Hauptstadt von West Cork, hatten sich schon im Jahre 2007 drei Freunde zusammengetan, um Whiskey abzufüllen und dann auch zu brennen. Heute bieten die West Cork Distillers ein überzeugendes Sortiment an Blends und Single Malts an. Der Betrieb ist heute die einzige Destille, welche ihr eigenes Malz in Irland herstellt und zum Whiskeybrennen verwendet. Als Berater haben sich die die Whiskeymusketiere u.a. Dr. Barry Walsh, welcher fast 30 Jahre als Master Blender für Irish Distillers tätig war, und Frank McHardy, bekannt als ehemaliger Master Distiller bei Springbank in Campeltown mit ins Boot geholt.
Im Mai 2014 ging mit Glendalough die erste Craft Distillery ans Netz. Im Norden im County Derry in der Nähe von Londondery hält The Quiet Man Craft Distillery die Fahne hoch. Das Team füllt hier besondere Fässer ab. Die Fässer dafür wurden als New Makes in einer anderen Destillerie gekauft und in Londonderry in neuen First Fill Bourbon Fässern gelagert. Aktuell startet man hier mit der eigenen Destillation.
Ein sehr spannendes Projekt im Süden Irlands im County Tipperary ist die Tipperary Boutique Distillery. Die Destillerie wird auf dem Grundstück einer Farm gebaut, die einem der Miteigentümer gehört. Die Gerste für den Whiskey wächst bereits auf den Feldern. Die Eigentümer sind Stuart Nickerson, seine Tochter Jennifer Nickerson und ihr Verlobter Liam Ahearn. Stuart Nickerson hat bereits für viele große Destillerien in Schottland gearbeitet und ist bekannt als Berater im Bereich schottischer und irischer Whiskey.
Aber auch John Telling ist wieder aktiv und hat in Fortsetzung der Familientradition eine Brennerei in Dublin eröffnet. Es gibt sicher noch viele weitere Projekte wie Dubliner, Blackwater, The Temple Bar, Barr an Uisce, Uisce Beatha Irish Whiskey oder Rademon zu nennen, die im Moment Whiskeys und Liköre abfüllen oder erstklassigen Gin und Wodka produzieren um die Zeit bis zu ihrem ersten eigenen Whiskey zu überbrücken. Viele dieser spannenden Produkte gibt es in der Weinhandlung Schollenberger. Bei unserem Tasting zum St. Patricks Day am 17. März gibt es diese zu entdecken.

Frank Schollenberger

Adlige Genossen – Villa Heynburg

Seit 2008 betreiben die Genossen der Kooperative „Hex von Dasenstein“ in Kappelrodeck im ehemaligen Landsitz und Weingut der Herren von Schloss Rodeck das Vorzeigeweingut Villa Heynburg. Hier entstehen, unabhängig von der Muttergenossenschaft, erstklassige badische Weine mit internationaler Ausrichtung für die Spitzengastronomie und den ambitionierten Fachhandel. Die Bemühungen um Betriebsleiter Marco Köninger und Kellermeister Alexander Spinner sind dem Gault Millau auch in seiner 2017er Ausgabe zwei Trauben wert. Auf nunmehr 9 Hektar Weinbergen wird von dem innovativen Team ein sehr interessantes Rebsortenportfolio gepflegt. Neben den, für die Ortenau typischen Riesling und Spätburgunder, kümmert man sich hier auch um Burgunder-Rebsorten wie Grauburgunder und Weißburgunder. Ein ganz besonderer Tip ist der elegante, zart vom Holz geküsste Weißburgunder mit einem spassmachenden Preis-Leistungsverhältnis. Hier muss der Weinliebhaber für diese badische Burgunderspezialität keine 10 Taler berappen.

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Aber auch die internationalen Vertreter wie der weiße Chardonnay und der rote Cabernet Sauvignon gelingt dem Kollektiv in außerordentlicher Qualität. Besonders stolz ist man hier auch auf die rote Burgunderspielart St. Laurent, diese besticht hier als schmeichelhafter ausgewogener Rotwein mit Schliff. Ein prickelnder Hochgenuss in der Kollektion ist der Cremant brut aus Weißburgunder Trauben. Dieser Schaumwein hat internationales Format und bezieht hierbei seine Spannung aus der Balance zwischen jugendlicher Spritzigkeit und reifer nobler Cremigkeit. Eine Entdeckung sind auch die frischen Cuvees unter dem Namen Freistiel. Diese gibt es in rot, weiß und rosé. Die Grundlage für den Erfolg der Genossen ist absoluter Qualitätsfanatismus, der mit großer Hingabe betrieben wird. Neben erstklassigen Lagen, Handarbeit, strenger Ertragsreduzierung sind Disziplin bei der Lese im Weinberg und bei der Arbeit im Weinkeller die Garanten des Erfolges. Das Team von Marco Köninger arbeitet minimalistisch, traditionell mit Akribie und kümmert sich um jede Rebsorte ganz individuell. Nur so erzielen sie beste Ergebnisse und können ihrer Spielfreude mit Barrique und Edelstahltank freien Lauf lassen, um sich im Spannungsfeld von Tradition und Innovation erfolgreich zu bewegen.

Frank Schollenberger
Sommelier